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22.04.2020

Franziskus betet für "geschwisterliche Einheit" Europas

Unmittelbar vor EU-Gipfel der Staats- und Regierungschefs am Donnerstag.

Kurz vor dem anstehenden EU-Gipfel der Staats-und Regierungschefs hat Papst Franziskus Europa zur Einheit aufgerufen. "In dieser Zeit, in der so viel Einheit unter uns, unter den Nationen, nötig ist, lasst uns heute für Europa beten, dass es der Europäischen Union gelingen möge, diese geschwisterliche Einheit zu erreichen, von der die Gründerväter der Europäischen Union geträumt haben", sagte der Papst am Mittwoch, 21. April 2020, zu Beginn der täglichen Frühmesse im Gästehaus Santa Marta im Vatikan, die seit Wochen via Livestream übertragen wird.

 

Beim EU-Gipfel kommen die Staats- und Regierungschefs am Donnerstag per Videokonferenz zusammen und befassen sich mit weiteren Wiederaufbauhilfen in der Coronakrise. Dabei gibt es etliche Meinungsverschiedenheiten, u.a. über die Einführung von gemeinsamen Anleihen (Corona-Bonds). Seit mehreren Wochen kämpft insbesondere Italien für eine gemeinsame europäische Anleihe, eine Lösung, die andere EU-Staaten, darunter auch Österreich, abgelehnt haben.

 

Papst Franziskus hatte schon in seiner Botschaft zum Segen "Urbi et orbi" am Ostersonntag. Europa zu einem "spürbaren Geist der Solidarität" aufgerufen. Die Union stehe vor "einer epochalen Herausforderung, von der nicht nur ihre Zukunft, sondern die der ganzen Welt abhängt", sagte der Papst.

 

Franziskus sprach mit Präsident Macron

Das päpstliche Gebet für die Einheit Europas kam auch einen Tag nach einem Telefongespräch von Papst Franziskus mit Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron. 45 Minuten tauschten sich die beiden dabei am Dienstagnachmittag über die Coronakrise und die Notwendigkeit eines weltweiten Waffenstillstandes sowie eines Schuldenerlasses für Entwicklungsländern aus, wie der Elysee-Palast in Paris bekanntgab. Aus dem Vatikan gibt es bisher keine offizielle Mitteilung über das Gespräch. Ein in französischen Medien veröffentlichtes Foto zeigt einen lächelnden Macron, während er mit dem Papst telefoniert.

 

Das französische Präsidentenbüro teilte mit, Franziskus habe in dem "sehr herzlichen" Gespräch gegenüber Macron seine Nähe und Unterstützung für Frankreich zum Ausdruck gebracht, wo Covid-19 bereits mehr als 20.000 Menschenleben gefordert hat.

 

Der Papst habe zudem "die konstruktiven Reaktionen Frankreichs auf internationaler Ebene" in der durch die Pandemie verursachte Gesundheitskrise begrüßt. Die "Visionen und Antworten" von Franziskus und Macron hinsichtlich der Verschuldung der ärmsten Länder, der "Hilfe für Afrika", der Notwendigkeit eines "Waffenstillstands und einer humanitären Pause in Konflikten" und "der Notwendigkeit eines geeinten Europas der Solidarität", würden weitgehend übereinstimmen, so der Elysee.

 

Papst Franziskus hatte in den vergangenen Wochen mehrfach eine sofortige weltweite Waffenruhe angesichts der Corona-Pandemie gefordert und sich ausdrücklich hinter einen entsprechenden Aufruf von UN-Generalsekretär Antonio Guterres gestellt. Alle Konfliktparteien müssten Kampfhandlungen einstellen und so die Schaffung von Korridoren für humanitäre Hilfe, Diplomatie und Aufmerksamkeit für besonders Schutzbedürftige ermöglichen, rief Franziskus etwa am 29. März in einer Videobotschaft auf.

 

Das vom Elysee erbetene Telefonat zwischen Papst Franziskus und Präsident Macron war das dritte persönliche Gespräch der beiden nach einer Begegnung im Vatikan im Juni 2018 und einem Telefongespräch im Mai 2019 nach dem Brand von Notre-Dame.