Auf Mauritius herrschen knapp 24 Stunden vor der Ankunft von Papst Franziskus Jubelstimmung und Aufregung. Tausende Inselbewohner und Pilger aus dem südlichen Afrika trafen in den vergangenen Tagen in Port Louis ein, der Hauptstadt der Tropeninsel. Dort wird für Montagmorgen, 9. September 2019 Franziskus 30 Jahre nach dem Besuch seines Vor-Vorgängers Johannes Paul II. erwartet.
Kardinal Maurice Piat sieht in dem knapp zwölfstündigen Papstbesuch einen "Moment der Brüderlichkeit und Gemeinschaft für unsere Nation". Auch der mauritische Jesuit Georges Cheung zeigt sich zuversichtlich, dass Franziskus seiner Rolle als Versöhner gerecht werde. Die Anwesenheit des Papstes biete "unseren Machthabern eine Gelegenheit, ihre Parteipolitik zu überwinden".
Papst Franziskus hat vor seinem Besuch auf Mauritius eine Videobotschaft an die Bevölkerung gerichtet und dabei die kulturelle und religiöse Vielfalt des Inselstaats hervorgehoben. Das mauritische Volk zeichne sich dadurch aus, dass es aus der Begegnung unterschiedlicher Ethnien entstanden sei, sagte der Papst in dem vom Vatikan verbreiteten Beitrag. Die katholische Kirche spreche "alle Sprachen der Welt"; die Sprache des Evangeliums aber sei die Liebe, so das Kirchenoberhaupt.
Rund 68 Prozent der Mauritier sind indischer Abstammung (vorwiegend Hindus und Muslime), 27 Prozent Kreolen (afrikanische Herkunft, vor allem Christen), je 2 Prozent sind Franko-Mauritier (meist Christen) und chinesischer Abstammung (Buddhisten und Christen). Das Zusammenleben zwischen den Religionen und Ethnien auf der Insel gilt als harmonisch. Als "Pluspunkt" wertet Pandit Ved Gopee, Vertreter des mauritischen Religionsrats, den Papstbesuch. Es werde erwartet, "dass er die Harmonie zwischen allen Mauritiern weiter stärkt", wird er von der Zeitung "Le Mauricien" zitiert.
Die UN-Mitarbeiterin und Ökologin Pamela Bapoo-Dundoo schätzt Franziskus lokalen Medien zufolge vor allem für seinen Einsatz in Umweltfragen. Obwohl er nicht der erste Papst sei, der sich für den Natur- und Klimaschutz stark mache, bekomme seine Botschaft in Zeiten des Klimawandels eine besondere Bedeutung. Vor allem bei jungen Menschen finde seine "ökologische Spiritualität" Anklang.
Neben Tausenden Bewohnern der Hauptinsel werden auch Menschen von den Nebeninseln Agalega, Chagos und Rodrigues sowie Einwohner des französischen Überseedepartments der Seychellen zur Papstmesse am Montag erwartet. Auch viele Pilger aus dem südlichen Afrika reisten in den vergangenen Tagen per Flugzeug an.