Friede, Verantwortung für die Schöpfung und Kultur der Begegnung: Diese drei Anliegen stehen aus der Sicht des vatikanischen Kardinalstaatssekretärs Pietro Parolin im Mittelpunkt der am Mittwoch beginnenden Reise von Papst Franziskus nach Südostafrika. Die Visite führt den Papst von 4. bis 10. September nach Mosambik, Madagaskar und Mauritius.
"Das Bild, das wir normalerweise von Afrika haben und das verbreitet wird, ist das eines Kontinents voller Probleme, Konflikte und Epidemien", sagte Parolin, der den Papst nach Afrika begleiten wird, im Gespräch mit Portal "Vatican News". "Ich glaube, Afrika ist vor allem ein Kontinent, der reich ist an Menschlichkeit, an Werten, an Glauben, und mir scheint, auch der Papst reist mit solchen Empfindungen dorthin."
Das Anliegen des Papstes in Afrika sei es, "all jene Zeichen der Hoffnung zu sehen und zu fördern, die vorhanden sind, alle Anstrengungen, die unternommen werden, um die vielen Konflikte zu lösen, für eine nachhaltige Entwicklung, für den Respekt und die Pflege der Schöpfung."
Im früheren Bürgerkriegsland Mosambik gehe es darum, "eine neue Mentalität, einen neuen Ansatz" zu finden, unterstrich der Kardinalstaatssekretär. Parolin verwies auf das jüngst im Land erzielte neue Friedensabkommen und weitere gute Entwicklungen wie die Anerkennung der Rolle der Kirche und der Religionsfreiheit. Papst Franziskus werde in Mosambik die Zentralität des Dialogs betonen, glaubt Parolin: "ein für alle Mal auf die Logik der Waffen verzichten, auf die Logik der Gewalt zur Lösung von Konflikten".
Madagaskar habe große Aufgaben in der Bekämpfung von Armut und im Vorankommen für junge Menschen zu lösen, sagte der Kardinalstaatssekretär im "Vatican News"-Interview zur zweiten Station der Papstreise. "Es ist nötig, die große Kluft zwischen den wenigen wohlhabenden Schichten und der großen Mehrheit der Bevölkerung zu überwinden, die in einer Lage der Bedürftigkeit verharrt." Auch die Kirche in Madagaskar sei arm, zugleich versuche sie eine Grundversorgung für die Menschen sicherzustellen.
In Mauritius wiederum mit seiner gemischten Bevölkerung sei das große Thema des Papstbesuchs die Kultur des Dialogs, der niemanden ausschließt, erklärte Parolin. Er sprach das Thema Migration an: Viele Menschen kämen aus anderen Ländern Afrikas nach Mauritius auf der Suche nach einem besseren Leben.
Als persönlichen Wunsch formulierte der Chefdiplomat des Heiligen Stuhles, die internationale Gemeinschaft möge mit freundlicher Aufmerksamkeit auf den Kontinent blicken. Afrika brauche "Freunde und nicht Interessenten", es brauche "Menschen, die wirklich versuchen, diesem Kontinent zu helfen und alle seine Ressourcen, alle seine Stärken zum Fortschritt einzusetzen".
Die zehntägige Papstreise durch drei Länder beginnt Mittwochfrüh. Um 8 Uhr wird die Alitalia-Maschine mit Franziskus und seiner Reisedelegation an Bord vom römischen Flughafen Fiumicino abheben. Für 18.30 Uhr ist eine Willkommenszeremonie auf dem Flughafen von Mosambiks Hauptstadt Maputo geplant.
Am Donnerstag und Freitag sind Treffen mit Mosambiks Staatspräsident Filipe Nyusi und weiteren Politikern, Begegnungen mit dem Klerus und pastoralen Mitarbeitern der Kirche, sowie eine Messe im Stadion Zimpeto in Maputo geplant. Der Papst nimmt auch an einem interreligiösen Jugendtreffen teilt und besucht ein Straßenkinder-Projekt sowie ein Spital.
Die im Frühjahr von Zyklonen völlig verwüstete 500.000-Einwohner-Küstenstadt Beira wird der Papst laut offiziellem Programm während seines rund 40-stündigen Aufenthalts nicht besuchen - wohl auch, weil die Stadt ein halbes Jahr nach den Stürmen eine Papstvisite logistisch kaum verkraften würde.
Am Freitag reist der Papst weiter nach Madagaskar. In der Inselrepublik steht u.a. einem abendlichen Großtreffen im Stil der Weltjugendtage auf einem Freigelände im Norden der Hauptstadt Antananarivo vor und feiert am folgenden Morgen auf demselben Gelände die Sonntagsmesse. Weiter besucht der Papst ein Wohn- und Beschäftigungsprojekt für ehemalige Bewohner von Mülldeponien und wird auch am Grab, der ersten Seligen Madagaskars, Victoire Rasoamanarivo (1848-1894), beten.
Den Abschluss der Afrikareise markiert am Montag, 9. September ein Tagesausflug auf die 1.000 Kilometer östlich gelegene Insel Mauritius. Dort feiert Franziskus eine Messe beim Heiligtum Marie Reine de la Paix über dem Hafen der Hauptstadt Port Louis. Ferner will er an der Gedenkstätte des französischen Ordensgeistlichen Jacques Desire Laval (1803-1864) beten, der als Missionar der Insel gilt und in der Bevölkerung als "Pere Laval" verehrt wird.
Am Montagabend kehrt Franziskus in die madagassische Hauptstadt Antananarivo zurück. Von dort aus fliegt er am darauffolgenden Tag zurück nach Rom.
Nach Visiten in Marokko (2019), Ägypten (April 2017), Kenia, Uganda und der Zentralafrikanischen Republik (November 2015) ist es der vierte Besuch von Franziskus in Afrika. In Mosambik, Madagaskar und Mauritius war bisher nur einmal ein Papst zu Gast. Johannes Paul II. (1978-2005) besuchte jeweils im Rahmen größerer Reisen im September 1988 Mosambik, im April 1989 Madagaskar und im Oktober 1989 Mauritius.