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22.05.2019

Kirchliche Schulen: Regeln für Teilnahme an Klima-Demo

Wiener diözesane Schulamtsleiterin Pinz verweist auf Erlass des Ministeriums.

An diesem Freitag, 24. Mai 2019, findet der zweite weltweite Klimastreik von Fridays for Future statt. In Wien ist der Treffpunkt (9 Uhr) und auch die Abschlusskundgebung (13 Uhr) auf dem Heldenplatz. Der große Demozug geht zum Finanzministerium, weiter zum Haus der Europäischen Union, zum Rathaus und kommt dann zurück zum Heldenplatz. Um fünf vor zwölf läuten deswegen die Glocken des Wiener Stephansdoms.

 

Aus Anlass der Klima-Demo am Freitag betonte die Wiener diözesane Schulamtsleiterin Andrea Pinz in einer Aussendung am Mittwoch, 22. Mai 2019 dass die Schulen der Erzdiözese Wien ihre Schüler zu mündigen Bürgern erziehen wollen, die Teilnahme an Demonstrationen jedoch außerhalb der Schulzeit stattfinden müsse.

 

Pinz würdigte Klimastreik-Initiatorin Greta Thunberg, denn "Fragen der Nachhaltigkeit kann man auch mit dem christlichen Begriff der Schöpfungsverantwortung fassen". Die Schulen der Erzdiözese Wien freuten sich deshalb "über jedes diesbezügliche ernsthafte und verantwortungsvolle Engagement unserer Schüler". Sie sehe auch - so Pinz - in einer Demonstration einen "völlig legitimen Ausdruck der eigenen politischen Meinung, gleichwohl sind auch die katholischen Privatschulen verpflichtet, den ministeriellen Vorgaben zu folgen, und wir tragen den entsprechenden Erlass des Bildungsministeriums selbstverständlich mit". Daher die Regelung: "Unsere Schülerinnen und Schüler sollen und müssen ihr politisches oder gesellschaftliches Engagement entweder im Rahmen des Unterrichts vertreten oder aber außerhalb der Unterrichtszeit."

 

Die Schulamtsleiterin will dabei Schule und Bildung keinesfalls als Gegensatz zu Umwelt- und Klimaschutz verstanden wissen. Vielmehr gehe es darum, das große Engagement der Schüler im Rahmen des Unterrichts und Schulalltags bestmöglich zu fördern.

 

"Ein zweites Mal geht das nicht"

Das Schulamt verweist in der Aussendung von Mittwoch auf den Direktor des Gymnasiums Sacré Coeur in Wien, Reinhard Hallwirth, der die Demo-Teilnahme mit konkreten Auflagen - Leistungen innerhalb einer Projektarbeit - verbunden hatte. Im Sacré Coeur arbeiteten Lehrer und Schüler gemeinsam an einem langfristigen Projekt, in dessen Rahmen "Nachhaltigkeit auch wirklich nachhaltig bearbeitet und umgesetzt" werden solle, wie er erklärte.

 

"Beim ersten großen Klimastreik der Initiative gab es bereits im Vorfeld viele Schülerinnen und Schüler die gesagt haben, dass sie sich daran beteiligen wollen", erläuterte Direktor Hallwirth. Er habe daraufhin den Jugendlichen die Möglichkeit gegeben, ihr Engagement unter Beweis zu stellen und von den Klassen stichhaltige Konzepte zu ihrem konkreten Klimaschutzengagement eingefordert. "Es musste auch Lehrer geben, die dieses Engagement bestätigen konnten und unterstützen wollten", so Hallwirth weiter. Am Ende gab es fünf Oberstufenklassen, denen ein Lehrausgang zur ersten großen Klimademonstration erlaubt worden sei. "Auf diese Weise ist das völlig korrekt gewesen."

 

Ein zweites Mal oder gar noch öfter gehe das aber nicht, so der Gymnasialdirektor. "Ein Streik ist etwas, wo man seine Interessen z. B. gegenüber dem Arbeitgeber durchsetzt. Aber Schule steht ja nicht auf der gegnerischen Seite - und Bildung schon gleich gar nicht", so Hallwirth.

 

Es gebe an der Schule eine langfristige Initiative zum Thema Nachhaltigkeit, die in Anlehnung an den namensgebenden Orden - "WE COEUR" - getauft worden sei und die schon vor "Fridays for Future" begonnen habe. "Wir behandeln das Thema ja bereits seit Monaten in den verschiedensten Fächern", erklärte der Direktor: Aber die Auseinandersetzung mit dem Thema müsse "eine nachhaltige sein und nicht aktionistisch".