
Wie wird die politische Neuordnung Österreichs nun ausschauen? Ich weiß es nicht. Zu machtvoll hat das Ibiza-Video eingeschlagen, und das mit Recht. Aber in der Wiener Akademie für Evangelisation gibt es seit längerem die Initiative „Politik.neu.denken“, wo es um Wertschätzung geht, die man nicht nur dem Wähler, sondern auch einander entgegenbringt.
Ein kluger Kommentar aus ihrem Umfeld hat mich zur unangenehmen Überlegung geführt, ob „Ibizagate“ nicht zumindest zu meiner eigenen persönlichen Neuordnung etwas beitragen könnte. Und zwar, indem ich mir drei kleine Fragen stelle:
- Bin ich mir immer bewusst, dass schon morgen alles anders sein kann? Dass aus heiterem Himmel in einem Moment die ganze Zukunft über den Haufen geworfen sein kann?
- Was sind meine eigenen Ibiza-Momente – die Szenen meines Lebens, von denen ich heilfroh bin, dass niemand sie gefilmt und mich vor allen anderen bloßgestellt hat?
- Ist für mich das Gebot „Liebe Deine Feinde“ wirklich mehr als nur eine interessante Anregung? Bemühe ich mich, wenigstens die zu lieben, die mir unsympathisch sind? Gerade dann, wenn mir am meisten nach Häme zumute ist, nach „selber schuld – kein Mitleid“? Ist mir wirklich klar, dass selbst ein Politiker nicht bloß ein Gesicht auf dem Bildschirm ist, sondern ein verletzlicher Mensch, von Gott geliebt – und vielleicht auch von seinem Ehepartner, seinen Eltern, seinen Kindern?
Vielleicht wäre das ein guter Anfang, und nicht nur für mich. Weil die äußere Ordnung eines Landes auch davon abhängt, wie die innere Ordnung seiner Menschen ist.