Mehr als 11 Milliarden Stunden werden jährlich an unbezahlter Familien- und Hausarbeit geleistet - zu zwei Drittel davon von Frauen, meist Mütter. Vor diesem Hintergrund hat der Katholische Familienverband Österreichs (KFÖ) in einer Aussendung anlässlich des bevorstehenden Muttertags am Sonntag dazu aufgerufen, mehr Augenmerk auf den Wert der Familienarbeit zu richten und jene bessere abzusichern, die sie überwiegend verrichten.
"Auch wenn uns die Väterbeteiligung ein großes Anliegen ist und wir Familien anregen wollen, sich die Erziehungsarbeit partnerschaftlich zu teilen, ist es uns bewusst, dass der überwiegende Anteil immer noch von Frauen verrichtet wird", erklärte KFÖ-Vizepräsidentin Astrid Ebenberger. Viele von ihnen würden beruflich pausieren oder zurückstecken. "Wir müssen alles dafür tun, dass diese Frauen dadurch kein erhöhtes Armutsrisiko in Kauf nehmen", appellierte Ebenberger.
Ihr konkreter Vorschlag: Erziehungszeiten sollten für Biennalsprünge angemessen angerechnet werden. Sie verwies auf einen entsprechenden Entschließungsantrag im Nationalrat, wonach künftig die Kollektivverträge der einzelnen Branchen diese Biennalsprünge künftig auch während der Karenzzeiten gewähren müssen, wies Ebenberger hin. Die Politiker und auch die Sozialpartner seien hier zu einem genauen Monitoring aufgefordert: "Es ist wichtig, das der Fortschritt in den einzelnen Kollektivverträgen genau dokumentiert wird." Die Vizepräsidentin sieht in der bisherigen mangelhaften Anrechnung der Karenzzeiten eine wesentliche Ursache für den Gender-Pay-Gap, die Kluft zwischen Frauen- und Männergehältern.
Ebenberger sieht auch Handlungsbedarf beim Thema Pensionen. Durch ein Splitting könnte jener Elternteil besser abgesichert werden, der beruflich aufgrund der Kinder zurücksteckt. Altersarmut sei derzeit vorwiegend ein Frauenproblem: "Zwei Mal so viele Frauen wie Männer sind davon betroffen, meist sind es Frauen, deren Pension aufgrund von beruflichen Fehlzeiten durch Kindererziehung nicht zum Leben reicht", unterstrich Ebenberger hier Reformbedarf. "Die Möglichkeit ist prinzipiell da, aus dem Alltag wissen wir aber, dass viele Frauen nicht genügend über die Möglichkeit des Pensionssplittings informiert sind." Daher fordere der Katholische Familienverband eine Informationsoffensive. Wenn Kindererziehung nicht zur Armutsfalle im Alter wird, würde sich auch die Väterbeteiligung erhöhen, zeigte sich Ebenberger von einem erzieherischen Effekt überzeugt.
Grundsätzlich sei es zu begrüßen, dass es einen Tag wie den Muttertag gibt, "auch wenn er für manche vielleicht antiquiert wirkt", betonte die KFÖ-Vizepräsidentin. Sich wenigstens einmal im Jahr den Wert der Familienarbeit und die Bedürfnisse der solcherart Engagierten vor Augen zu halten sei "keineswegs altmodisch".