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12.05.2019

„Als Kirche sind wir Erntehelfer für den Herrn“

Interview mit Bischof Krautwaschl zum „Weltgebetstag um geistliche Berufungen“ (4. Sonntag der Osterzeit).

 

 

Er steht heuer im Schatten des Muttertags: Der 56. Weltgebetstag für geistliche Berufungen, der immer am 4. Ostersonntag begangen wird.

 

Am heutigen 12. Mai sind jede und jeder eingeladen, sich jeweils mit dem persönlichen Ruf zur Nachfolge auseinanderzusetzen, im Gebet um Arbeiter und Arbeiterinnen für den Weinberg des Herrn zu bitten bzw. für all jene einzutreten, die auf unterschiedlichen Wegen einer geistlichen Berufung in der Kirche folgen.

 

Der SONNTAG hat darüber mit dem steirischen Bischof Wilhelm Krautwaschl, zuständig für Berufungspastoral, gesprochen.


Der heurige 56. Weltgebetstag für geistliche Berufungen am 12. Mai steht in Österreich unter dem Thema „Sei bereit“. Was darf man sich darunter vorstellen?


Viele Erzählungen in der Bibel machen deutlich, dass das „Auf dem Sprung“-Sein eine der bedeutendsten Existenzformen christlichen Daseins darstellt.

 

Seine (geistliche) Berufung zu leben braucht einen bewussten Schritt, eine Entscheidung, ist manchmal auch ein Wagnis, aber unsere Bereitschaft dazu eröffnet die Möglichkeit, unsere Talente und Potenziale ganz zu entfalten und dadurch ein sinnerfülltes Leben führen zu können.

 

Wenn wir bereit sind, uns auf den Ruf Gottes und seine Nachfolge voll und ganz einzulassen, wenn wir entschieden „Ja“ sagen zu unserer Berufung, dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott diesen Weg mit uns geht.

 

Wie hält das Canisiuswerk das Thema „Berufung“ in der Kirche in Österreich wach?


Als nationales Zentrum für Berufungspastoral ist das Canisiuswerk darum bemüht, die Grundmelodie „Berufung“ für das Leben der Christen in unserer Kirche in Österreich wachzuhalten.

 

Dies geschieht durch Veranstaltungen und das Organisieren von Weiterbildungen, die Zeitschrift „miteinander“, Begegnungen, das Vermitteln von Ansprechpersonen, Vernetzungstreffen, Öffentlichkeitsarbeit sowie Projekte und Initiativen für Menschen unterschiedlichen Alters auf der Suche nach Sinn und Orientierung.

 

Mit den Spenden werden außerdem Seminaristen und Ordensangehörige in Ausbildung finanziell unterstützt. Mit den Diözesanbeauftragten für Berufungspastoral und der Ordensgemeinschaften werden inhaltliche Schwerpunkte aufeinander abgestimmt.


Bitten wir den „Herrn der Ernte“ genug um guten und ausreichenden Nachwuchs in den verschiedenen geistlichen und kirchlichen Berufen und Berufungen?


Zunächst möchte ich den Blick darauf lenken, dass wir als Kirche „Erntehelfer“ sind für den Herrn und daher aufgerufen, die reiche Ernte zu sehen, die uns von ihm bereitet ist. Mitunter habe ich den Eindruck, dass wir den Fokus vor allem darauf richten, dass wir Menschen brauchen, die aussäen. Hier wünsche ich mir einen Paradigmenwechsel.

 

Erst in einem zweiten Schritt ist es unsere Aufgabe, neben dem gemeinsamen Gebet um geistliche Berufungen, Menschen einfühlsam zu begleiten, zu motivieren und sie konkret darauf anzusprechen, ob nicht etwa ein „geistlicher Beruf“ für sie in Frage käme.


In welchem Verhältnis stehen die Berufung zum gemeinsamen Priestertum und die geistlichen Berufungen?


Der Auftrag Jesu an uns und seine Nachfolge ist klar und deutlich: „Geht – verkündet – heilt!“ (Matthäus 10).

 

Dieser Auftrag zum Dienst an den Menschen eint das gemeinsame Priestertum aller Getauften mit dem Priestertum des Dienstes (Priester im landläufigen Sinne).

 

Nach dem Verständnis des Zweiten Vatikanischen Konzils dienen die Priester dem Priestertum aller Getauften durch den Dienst an den Sakramenten und den Dienst an der Einheit. Priester stehen somit nicht in Konkurrenz zum gemeinsamen Priestertum aller Gläubigen, sondern in einem besonderen geistlichen Dienst der Verkündigung, der Feier der Sakramente und der Diakonie.