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19.04.2019

Öffentliches Bekenntnis für den Karfreitag

Hunderte Teilnehmer bei Karfreitagskundgebung der evangelischen und altkatholischen Kirche in Wiener Innenstadt.

Hunderte Menschen sind Freitagmittag, 19. April 2019 in Wien in der Dorotheergasse zusammengekommen, um ein öffentliches Bekenntnis für den Karfreitag abzulegen. Dazu eingeladen hatten die lutherische, reformierte, methodistische und altkatholische Kirche. "Uns ist der Feiertag genommen worden, das ist ein Schlag ins Gesicht. Darum halten wir heuer besonders inne. Aber der Glaube kann uns nicht genommen werden. Wir stellen ihn frei, mutig und verantwortungsbewusst dar und setzen uns nach wie vor ein", so der Wiener Superintendent Matthias Geist. Als Zeichen des Protests hatten sich viele Teilnehmer der Veranstaltung ein Kreuz aus Heftpflastern an die Kleidung geklebt.

 

Weitere Redner waren der reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld, der methodistische Superintendent Stefan Schröckenfuchs, der altkatholische Pfarrer Thomas Wetschka und der reformierte Theologe Ulrich Körtner. In der Dorotheergasse befinden sich sowohl die lutherische als auch die reformierte Stadtkirche.

 

Man wolle ein deutliches "Zeichne setzen, dass Glaube und Religion in der Öffentlichkeit weiter ihren Platz haben sollen, so Hennefeld am Rande der Veranstaltung gegenüber "Kathpress". Der Karfreitag mit seiner zentralen Botschaft der Solidarität und des Mitgefühls mit den Schwachen solle nicht nur in den Kirchenmauern bleiben, sondern hinausgetragen werden. Und das wolle man gerade heute verkünden, "wo wir einen Feiertag verloren haben".

 

Hennefeld zeigte sich zuversichtlich, dass die im Mai eingebrachte Verfassungsklage gegen die neue, "diskriminierende" Feiertagsregelung in Österreich erfolgreich sein wird. Der Superintendent sparte einmal mehr nicht miz Kritik an der Regierung und ihren Bekundungen, wie wichtig das christliche Gedankengut und die christliche Werte seien. Diese würden gerade durch eine Politik auf Kosten der Schwächsten mit Füßen getreten.

 

In die gleiche Kerbe schlug auch der reformierte Theologe Ulrich Körtner in seiner Rede. Und er sagte weiter, dass das Kreuz, das in Österreich im öffentlichen Raum so präsent ist, weder ein harmloses Kulturlogo noch eine Waffe sei. Es stehe vielmehr für eine "Kultur der Mitmenschlichkeit".

 

"Wie gehen wir mit Minderheiten um?"

Der methodistische Superintendent Schröckenfuchs macht sich an der Karfreitagsdebatte vor allem auch die Frage fest,: "Wie gehen wir mit Schwachen und Leidenden in der Gesellschaft um? Und wie gehen wir mit Minderheiten um?" Zur Aussage von Bundeskanzler Sebastian Kurz, dass die neue Feiertagsregelung für 96 Prozent der Bevölkerung sowieso keine Veränderung mit sich bringt, meinte der methodistische Superintendent, dass man in Österreich scheinbar "sehr schnell zu irgendwelchen vier Prozent gehört, die im Grunde vernachlässigbar sind".

 

Schröckenfuchs kündigte gegenüber "kathpress" an, dass sich die methodistische Kirche der Verfassungsklage der evangelischen Kirchen anschließen wird.