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19.04.2019

Österreichische Solidaritätsaktion im Irak geht über Ostern weiter

Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände, Christen in Not und Initiative Christlicher Orient setzen in nordirakischer Kleinstadt Telskof weitere Maßnahmen, damit Menschen vor Ort Existenzgrundlage haben.

Die gemeinsame Solidaritätsaktion der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände (AKV), Christen in Not (CiN) (ehemals Christian Solidarity International-Österreich (CSI)) und der Initiative Christlicher Orient (ICO) für die Christen in der nordirakischen Ninive-Ebene geht weiter.

 

Zu Ostern 2019 wird noch einmal verstärkt um Spenden für die Menschen vor Ort gebeten. Insgesamt konnten bereits mehr als 600.000 Euro für die sogenannte "Aktion Heimkehr" gesammelt werden, an der sich auch die Kardinal-König-Stiftung und die Diözese Linz beteiligen. AKV-Präsident Helmut Kukacka unterstrich im "kathpress"-Gespräch die Notwendigkeit der Aktion, damit die Menschen vor Ort eine nachhaltige Lebensperspektive haben. Nicht zuletzt gelte es auch, in der Region das Erbe des Urchristentums zu bewahren.

 

Nachdem der IS Ende 2016 aus der nordirakischen Ninie-Ebene vertrieben wurde und 2017 die ersten geflüchteten Christen in ihre Dörfer und Städte zurückkehrten, leisteten die heimischen Organisationen anfangs vor allem finanzielle Hilfe beim Wiederaufbau. In der Kleinstadt Telskof und der benachbarten Ortschaft Baqofa haben AKV, ICO und CiN/CSI mitgeholfen, die Wasser- und Stromversorgung wieder in Gang zu bringen und Familien bei der Instandsetzung ihrer Häuser unterstützt. Seit einiger Zeit geht es in der Hilfe vor allem um Projekte, die die Wirtschaft wieder in Schwung bringen, damit die Christen vor Ort eine Existenzgrundlage haben.

 

Aktuell unterstützen die Organisationen ein neues Landwirtschaftsprojekt in der Kleinstadt Telskof, mit dem die örtliche Pfarre für einige Bewohner des Ortes Beschäftigungsmöglichkeiten schaffen will. Zu Weihnachten wurden für die 250 ärmsten Familien in der Kleinstadt Telskof und dem benachbarten Ort Baqofa umfangreiche Hilfspakete mit Lebensmitteln, Süßigkeiten für die Kinder und Saatgut finanziert.

 

Auf Ersuchen der chaldäischen Pfarre von Telskof wurde zudem vor Kurzem ein Kleinbus angeschafft, damit die älteren Schüler und Studenten eine Transportmöglichkeit nach Mosul besitzen. Weiterführende Schulen bzw. die Möglichkeit für den Besuch einer Universität gibt es - in einer vernünftigen Nähe - nur in Mosul. "Bildung ist uns ein ganz wesentliches Anliegen", so CiN-Generalsekretär Elmar Kuhn. Wenn die Eltern wissen, dass es für ihre Kinder entsprechende Bildungsmöglichkeiten vor Ort gibt, dann würden sie viel eher in ihrer Heimat bleiben.

 

Einsatz für Behinderte

Eine besonders benachteiligte Gruppe vor Ort sind dabei Menschen mit Behinderung. Deshalb wird der angeschaffte Bus auch so ausgestattet sein, dass er für Behindertentransporte eingesetzt werden kann, wie ICO-Generalsekretärin Romana Kugler erläuterte. Für Menschen mit Behinderung, Kinder wie Erwachsene, gibt es in der chaldäischen Pfarre in Telskof regelmäßige Aktivitäten, der Transport sei bisher aber für viele ein großes Problem gewesen, informierte Pfarrer Salar Bodagh die Hilfsorganisationen. Für die Zukunft plant der Pfarrer auch ein eigenes Behindertenzentrum.

 

Weiters wurden von den heimischen Organisationen ein großes Gemeinschaftszentrum für die chaldäische Kirche und eine "Food-Factory" aufgebaut, in der lokale Produkte zu örtlich üblichen Lebensmitteln verarbeitet und dann verkauft werden. Zudem wurde ein Sozial- und Kommunikationszentrum errichtet, das ein kleines Cafe enthält. Dieses wird am 23. April, dem Fest des Hl. Georg, der in der Region besonders verehrt wird, feierlich gesegnet und eröffnet.

 

Die drei Organisationen haben auch auch eine "Ice Factory" finanziert. In dem kleinen Unternehmen wird Kühleis für die lokalen Märkte hergestellt. Mit den kleinen Wirtschaftsprojekten konnten bisher bereits mehr als 30 Arbeitsplätze vor Ort geschaffen werden. Zudem wurden beim Bau des Gemeinde- und des Sozialzentrums für einen längeren Zeitraum mehr als 40 Arbeiter beschäftigt und lokale Bauunternehmen gestärkt. Bis zu 15 Personen werden künftig im Kommunikationszentrum/Cafe, das auf einer Anhöhe am Rand von Telskof errichtet wurde, einen Arbeitsplatz bekommen.

 

Telskof war wie viele weitere christliche Siedlungen in der Ninive-Ebene vom IS zerstört bzw. verwüstet worden. Kein einziges Haus wurde dabei laut Auskunft des Pfarrers vom IS verschont. In Telskof lebten vor der Vertreibung durch den IS rund 1.200 Familien (ca. 6.000 Personen), allesamt chaldäische Christen. Etwa 650 Familien davon sind zurückgekehrt. Dazu kommen weitere 300 Familien aus anderen Dörfern ringsum bzw. aus Mosul, die in ihre Heimat aus Sicherheitsgründen, oder weil ihre Häuser vollkommen zerstört sind, nicht zurückkehren können, und die sich in Telskof niedergelassen haben.

 

Eine Kirche für Baqofa

Die Diözese Linz hat sich bereits im Frühjahr 2018 mit 100.000 Euro in die "Aktion Heimkehr" eingebracht, die für den Bau eines Gemeindezentrums in der Stadt Karakosch im südlichen Teil der Ninive-Ebene verwendet wurden. Dieses ist bereits fertiggestellt.

 

Die Kardinal-König-Stiftung hat sich in einem eigenen Projekt dem Bau einer neuen Kirche in Baqofa angenommen. Die alte Kirche war im Zuge der Kampfhandlungen zwischen Kurden und den IS-Terroristen so stark beschädigt worden, dass sie nicht mehr weiterverwendet werden kann. In Baqofa lebten vor dem Krieg rund 75 Familien (350 Personen), 41 kehrten zurück. Es gehe bei allen Projekten auch darum, die Identität der Menschen als Christen zu stärken, so Pfarrer Bodagh. Mit dem Bau der Kirche wird dieser Tage begonnen.

 

Die Initialzündung für die "Aktion Heimkehr" war ein Lokalaugenschein des Linzer Bischofs Manfred Scheuer im Februar 2017 im Nordirak, wo er als Präsident der Kardinal-König-Stiftung gemeinsam mit dem chaldäischen Patriarchen Louis Sako vom IS befreite Dörfer und Städte besuchte.

 

Spenden für die "Aktion Heimkehr": Spendenkonto CSI/AKV, Kennwort "Christen in Not", BIC: GIBAATWWXXX, IBAN: AT49 2011 1824 1397 6101.