Kardinal Christoph Schönborn hat dem Wiener Oberrabbiner Arie Folger und der Israelitischen Kultusgemeinde zum bevorstehenden Pessach-Fest gratuliert. Wörtlich heißt es in dem Glückwunschschreiben: "Möge das Pessach-Fest auch in diesem Jahr ein starkes Zeichen und ein Quell der Hoffnung sein. Mein Gebet und das Gebet vieler Christen um den Frieden im Nahen Osten und um das Wohlergehen Israels wird in diesen Tagen und Wochen besonders intensiv sein. So wünsche ich Ihnen, Ihrer Familie und der ganzen Gemeinde ein freudiges Pessach-Fest."
Weltweit feiern mehr als 15 Millionen Juden ab Freitagabend, 19. April 2019 das einwöchige Pessach-Fest. Pessach erinnert an den Auszug der Israeliten aus Ägypten und die Befreiung aus der Sklaverei. Pessach (auch Passah, Pascha) ist eines der wichtigsten Familienfeste.
Prof. Martin Jäggle, Präsident des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit, und Stefanie Plangger, Geschäftsführerin des Ausschusses, verweisen in ihrem Glückwunschschreiben an den Oberrabbiner auf den Schriftsteller Peter Turrini: Dieser habe wörtlich festgestellt: "Der Weg in die Erkaltung der Herzen, dieser allerneueste Klimawandel, hat einen symbolischen Anfang und kein absehbares Ende." Dem stehe Pessach gegenüber als "ein Fest der Erinnerung und des Gedenkens aus der großen Tiefe der Zeit und mit einer immer gültigen religiösen und politischen Botschaft", wie Jäggle und Plangger betonen. Angesichts einer weit verbreiteten geschichtsvergessenen Erinnerungskultur blickten die christlichen Gemeinden mit Schuldbewusstsein und großer Beschämung in die dunklen Kapitel ihrer eigenen Geschichte, in der christlicher Antijudaismus zu Ausgrenzung und Verfolgung von Jüdinnen und Juden wesentlich beigetragen hat.
Die beiden Vertreter des Koordinierungsausschusses verwiesen auf die gemeinsamen Bemühungen mit der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, zur Aufarbeitung der Geschichte der Wiener Gesera 1420/21, als die so bedeutende jüdische Gemeinde Wiens vernichtet wurde. Die ausweichende Haltung der Theologischen Fakultät im Jahr 1419 habe die Zerstörung jüdischen Lebens mitbedingt, indem sie ihre Stellungnahme zur jüdischen Gemeinde verschoben hatte. Dieser gleichgültigen Haltung trete man heute entgegen "mit großem Engagement für die Anliegen jüdischer Gemeinden", so Jäggle und Plangger: "Christen und Christinnen möchten sich entschieden der stärker aufkeimenden Gefühlskälte in Politik und Gesellschaft entgegenstellen und sich für ein Leben in Vielfalt einsetzen."
Der Name Pessach bedeutet auf Hebräisch "Vorüberschreiten". Er erinnert daran, wie die Israeliten in der Nacht vor ihrem Auszug aus Ägypten ihre Hauspfosten mit dem Blut von geschlachteten Lämmern markierten, so dass ihre Familie verschont blieben, während sonst alle Erstgeborenen im Land starben.
Die Speisenfolge für den sogenannten Seder-Abend, der heuer zeitlich mit dem christlichen Karfreitag zusammenfällt, ist seit mehr als 1.000 Jahren vorgegeben. Es werden sechs typische Speisen gereicht, die an die harte Zeit der Sklaverei in Ägypten erinnern. Das Bitterkraut steht beispielsweise für die Unterdrückung durch die Ägypter. Salzwasser, in das ein hartgekochtes Ei getunkt wird, ist den vergossenen Tränen nachempfunden. Vier Gläser Wein symbolisieren die vier göttlichen Verheißungen. Jede Familie rezitiert oder singt Texte aus der Haggada, einer rabbinischen Textsammlung über den Auszug.