Mittwoch 20. Mai 2026

Schnellsuche auf der Website

20.04.2019

Osterliturgie in 27 Sprachen

Wien bietet seit jeher eine kulturelle und sprachliche Vielfalt.

 

Ostern ist das höchste Fest der Christenheit, noch zentraler als Weihnachten. Denn schließlich feiern wir die Auferstehung Christi von den Toten, den Sieg des Lebens über den Tod – und damit den Sieg der Hoffnung.


Und gerade dieses Osterfest ist in unserer katholischen Kirche in der Erzdiözese Wien sehr bunt und vielfältig. Insgesamt gibt es Ostern auf unserem Gebiet in 27 verschiedenen Sprachen. Darunter sind meist lebendige Sprachen, aber auch liturgische Sprachen wie Latein, Kirchenslawisch und Aramäisch.


Lebendige und tote Sprachvielfalt

Insgesamt gibt es auf dem Gebiet der Erzdiözese Wien 34 Sprachgemeinden. Teilweise sind sie sehr klein, aber einige sind auch sehr groß und lebendig. So floriert etwa die philippinische Gemeinde an sechs Standorten, die ungarische an zwei – und auch die polnischen und kroatischen Gemeinden feiern mit mehr als 1.000 Mitgliedern an ebenfalls mehreren Standorten in unserer Erzdiözese.

 

Dass es insgesamt mehr Sprachgemeinden gibt (34) als verschiedensprachige Osterfeiern (27), liegt daran, dass einige Sprachgemeinden gemeinsam mit österreichischen Pfarrgemeinden Ostern feiern – also auf Deutsch.

 

Zudem gibt es Osterfeiern in Englisch, Spanisch oder Französisch, bei denen mehrere Gemeinden und/oder Nationen zusammenkommen: „Viele Gemeinden richten das Osterfest bewusst international aus und feiern entweder auf Englisch, Französisch oder Spanisch.

 

Diese Gottesdienste erfreuen sich einer immer größeren Beliebtheit“, erklärt Weihbischof Franz Scharl in seiner Funktion als Bischofsvikar für die anderssprachigen Gemeinden in der Erzdiözese Wien.


Lange Geschichte

Die Geschichte der anderssprachigen Gemeinden in der Erzdiözese Wien ist eine sehr lange. Viele Sprachgruppen sind bereits seit Jahrhunderten da, z.B. die italienischsprachige Gemeinde. Auch die Ungarn, Kroaten, Slowaken, Tschechen, Polen und die griechisch-katholischen Ukrainer haben in Wien eine Jahrhunderte alte Tradition. Im Wesentlichen also vorwiegend alle Sprachgruppen der ehemaligen Österreichisch-Ungarischen Monarchie.

 

Gerade in den vergangenen Jahrzehnten und Jahren sind sehr viele neue Sprachgemeinden dazugekommen, vor allem aus dem Fernen Osten, aus Südamerika und aus Afrika. Und seit dem Irak- und Syrienkrieg sind auch arabischsprachige Christen dazugekommen, die in erster Linie aus anderen Riten-Familien kommen – z.B. Melkiten, Maroniten, Chaldäer.

 

Unterschiedliche Riten

Auf dem Gebiet der Erzdiözese Wien gibt es sieben unterschiedliche Riten. Als Rituskirche werden eigenständige Kirchen bezeichnet, die gemeinsam die eine katholische Kirche bilden.

 

Dazu gehören neben der römisch-katholischen Kirche die byzantinische, armenische, maronitische, chaldäische, syromalabarische und syromalankarische.

 

Zurückzuführen ist die Tatsache, dass es diese unterschiedlichen Riten gibt, auf die Anfänge des Christentums. Dieses hat sich nämlich über Jahrhunderte hinweg in unterschiedlichen kulturellen Zentren entwickelt, teilweise sehr eigenständig.

 

Und von diesen Zentren aus wurde dann im Laufe der Jahrhunderte auch eigenständig missioniert, z.B. von Byzanz oder Antiochien aus. Dass die unterschiedlichen Ritenkirchen trotzdem allesamt Teil der katholischen Kirche sind, liegt daran, dass sie irgendwann im Laufe ihrer Geschichte den Papst als Oberhaupt anerkannt haben.


„Ich liebe diese Buntheit und Vielfalt der katholischen Kirche. Wir denken nämlich oft, dass nur das katholisch ist, was wir von unserer römisch-katholischen Kirche her kennen. Doch wenn man die anderssprachigen Gemeinden – teilweise mit anderem Ritus – besucht, dann sieht man erst, wie vielfältig und bunt die katholische Kirche in Wahrheit ist. Man lernt quasi, breitbandkatholisch zu sein“, erklärt Weihbischof Scharl, der jede anderssprachige Gemeinde in Wien mindestens einmal im Jahr besucht.

 

Oberhaupt aller anderen katholischen Riten ( kurz: „katholische Ostkirchen“ ) in Österreich ist übrigens der Erzbischof von Wien, unser Kardinal Christoph Schönborn.


Unterschiedliches Brauchtum

Neben den unterschiedlichen Sprachen und teilweise unterschiedlichen Riten gibt es in den anderssprachigen Gemeinden auf dem Gebiet der Erzdiözese Wien auch unterschiedliches Osterbrauchtum:


Ein Brauch aus Ungarn ist z.B. das sogenannte Oster-Gießen. Mädchen werden dabei mit Wasser begossen, quasi als Zeichen, damit sie „blühen und gedeihen“. In ländlichen Gebieten begeht man dieses Gießen tatsächlich heute noch mit einem Kübel Wasser, doch meistens werden die Mädchen heute statt mit Wasser mit Parfüm bespritzt und dazu kurze Gedichte aufgesagt.


In der französischsprachigen Gemeinde gibt es z.B. keinen Osterhasen, sondern stattdessen den Brauch der Osterglocken. Insbesondere bringen die Glocken, und tatsächlich nur die Glocken, die Ostereier. Und auch sonst sind Glocken aus Schokolade, Metall und Plastik zu Ostern als Symbole allgegenwärtig.


In lateinamerikanischen Sprachgemeinden ist die Marienverehrung deutlich ausgeprägter als bei uns und auch die Fußwaschungen am Gründonnerstag sind ein Ereignis für die gesamte Gemeinde.

 

In den philippinischen Standorten geht es zu Ostern auch mal lauter zu. Ein großes Fest soll die Freude über die Auferstehung zum Ausdruck bringen. Nach Osterfeuer und Ostermesse gibt es ein ausgelassenes Festmahl, zu dem die Gemeindemitglieder selbstgemachte Speisen mitbringen und gemeinsam den Tag verbringen - inklusive Karaoke-Singen.

 
In der Chaldäischen Gemeinde kann man dem Osterfest noch in seiner wohl ursprünglichsten Form beiwohnen. Das liegt vor allem an der liturgischen Sprache Aramäisch, also der Sprache, die schon Jesus selbst gesprochen hat. Außerdem gibt es beim chaldäischen Osterfest keine Instrumente, sondern der Gottesdienst beeindruckt durch eine Abfolge von Gesängen in Form eines Dialoges zwischen Priester, Schola, Chor und der ganzen Gemeinde. Die liturgischen Tradition der Chaldäer lässt noch etwas vom Feiern in den ersten Jahrhunderten des Christentums erahnen.


„Wir können von unseren anderssprachigen Gemeinden sehr viel lernen“, resümiert Weihbischof Scharl: „Nur wer viele Gemeinden gesehen hat, lernt richtig katholisch zu sein, also nicht nur römisch-katholisch.

 

Und was wir auf jeden Fall noch lernen können, ist Gemeinschaftsgefühl. Denn anderssprachige Gemeinden schauen meistens sehr stark auf Gemeinschaft und Willkommenskultur. Sie feiern und verbringen gemeinsam viel Zeit in einer Art und Weise, dass man sich dort sehr wohl fühlt.“