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©Stephan_Doleschal
16.04.2019

Keine von oben herab verkündete Revolutionen

Simon Schmidbaur, Leiter der „Jungen Kirche“, über das Papstschreiben „Christus vivit“ („Christus lebt“) zum Abschluss der Jugendsynode.

 

 

Mit „Christus vivit“ hat Papst Franziskus sein Nachsynodales Apostolisches Schreiben zur Jugendsynode im vergangenen Herbst vorgelegt. Klare Ansagen zu den vermeintlich „heißen Eisen“ sucht man vergebens. Warum sich eine Lektüre dennoch lohnt.


Große Erwartungen an die Ergebnisse

Es war ein außergewöhnliches Experiment – zumindest für vatikanische Verhältnisse. Zur Vorbereitung auf die Jugendsynode im Oktober 2018 nahmen weltweit 100.000 Jugendliche an einer Online-Befragung teil.

 

Etwa 300 junge Menschen wurden zu einer „Vorsynode“ in den Vatikan eingeladen, um am Vorbereitungsdokument mitzuwirken. Sogar während der Bischofssynode konnten 50 Menschen unter 29 Jahren an den Beratungen der Bischöfe mit dem Papst teilnehmen: Eine neue Dimension eines synodalen Weges in der Weltkirche. Entsprechend groß waren die Erwartungen an die Ergebnisse.

 

„Werft die Ängste über Bord! Lebt!“

Wie bei Bischofssynoden üblich, hat Papst Franziskus nun am 25. März sein Nachsynodales Apostolisches Schreiben „Christus vivit“ – „Christus lebt“ vorgelegt. Doch wer klare programmatische Aussagen zu den vermeintlichen „heißen Eisen“, etwa Sexualmoral oder die Zulassung von Frauen zu den Weiheämtern – erwartet hat, wird bei der Lektüre enttäuscht.

 

Der Papst hat ein Dokument verfasst, das in weiten Teilen ein Brief an die Jugend ist. Aus diesem Brief spricht eine tiefe Zuneigung und Wertschätzung für die Hoffnungen und die Tatkraft der jungen Menschen. Ausgehend von einer differenzierten Sicht auf die Lebenswirklichkeit der jungen Generation, von Migration über Digitalisierung bis hin zu Arbeitslosigkeit und Selbstverwirklichungsdruck, will der Papst vor allem Mut machen.

 

Er lädt ein; mit Christus das Leben zu wagen. Er betont, dass Gottes Liebe die Basis für alles sei. (vgl. Christus vivit Nr. 112) Er bemüht sich dabei um eine klare Sprache und wendet sich immer wieder direkt an die Jugendlichen: „Werft die Ängste, die euch lähmen, über Bord, damit ihr euch nicht in jugendliche Mumien verwandelt. Lebt!“ (Christus vivit Nr. 143)


Freiräume für die Jugend

Der zweite Teil des Schreibens sind eindringliche Mahnungen an die Kirche und „das ganze Volk Gottes“. Franziskus ruft die Verantwortlichen dazu auf, den Jugendlichen Freiräume in der Kirche zu ermöglichen, sie zu begleiten und mutige Schritte hin zu einer „partizipativen Kirche“ (Christus vivit Nr. 206) zu machen.

 

So scheint der Papst sich treu zu bleiben: Es finden sich keine von oben herab verkündeten Revolutionen in seinem Schreiben. Es ist der klare Auftrag an die Kirche vor Ort mutig neue Wege zu suchen, Jugendliche als die Gegenwart der Kirche ernst zu nehmen. So schließt Franziskus: „Die Kirche bedarf eures Schwungs, eurer Intuition, eures Glaubens. Wir brauchen das!“ (Christus vivit Nr. 299).