Mittwoch 1. Juli 2026

Schnellsuche auf der Website

07.04.2019

Was der Finger Gottes schreibt (Joh 8,1-11)

Maga. Stefanie Jeller, MAS: Evangeliumsauslegung zum 5. Fastensonntag (7.4.2019)

 

Das Wort zur Schrift - meine Gedanken zum Evangelium

Impuls - Inspiriert vom Evangelium

 

zum 5. Fastensonntag;  Johannes 8, 1-11

 

Viele gebildete Männer wollen den Tod einer Frau. Sie wird verdächtigt, Ehebruch begangen zu haben. Jesus rettet die Frau. Was er uns heute damit sagen will, verpackt er in ein Rätsel.

 

 

Ich beschäftige mich derzeit mit dem Thema Todesstrafe. Meine bisherige Recherche ergab u.a.: Wo es die Todesstrafe gibt, dort wollen die Menschen irgendwann jemanden hingerichtet sehen. Oft trifft es Verurteilte aus unteren sozialen Schichten nicht selten Unschuldige (USA), und manchmal auch Frauen (Saudi Arabien).


Das Johannesevangelium erzählt von einer mutmaßlichen Ehebrecherin, von Akademikern (Gelehrten), die zur Gewalt bereit sind, und von einem, der die Gewalt stoppen kann: Jesus.


Wie gelingt ihm das? Er macht etwas, das Ruhe in die Situation bringt. Er schreibt mit dem Finger auf die Erde. Was er schreibt, wissen wir nicht. Der nächste Windstoß, der nächste Fußtritt hat die Handschrift des Gottessohns unwiederbringlich zerstört.


Ähnlich verhält es sich mit dem „Gesetz des Mose“, nach dem die Frau gesteinigt werden sollte. Die Originalfassung hatte Gott mit seinem eigenen Finger auf Stein geschrieben (Ex 31,18). Mose aber hat die Steintafeln zu Boden geschleudert und unwiederbringlich zerstört.

 

Ob Gott wirklich die Steinigung wollte, bleibt ungewiss. Denn das „Gesetz des Mose“ ist eine spätere Aufzeichnung.


Jesus sagt: „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie.“ Ich wünschte mir, er hätte gesagt: „Jeder Mensch hat ein Recht auf Leben.“ Oder waren das die Worte, die er auf die Erde geschrieben hatte?


Was der göttliche Finger geschrieben hat, wissen wir nicht. Wir sind aufgefordert selbst zu denken. Papst Franziskus hat das getan. Er hat den Katechismus geändert und setzt sich für die weltweite Abschaffung der Todesstrafe ein. 

 

 

Evangelium

nach Johannes 8, 1-11

 

Jesus aber ging zum Ölberg. Am frühen Morgen begab er sich wieder in den Tempel. Alles Volk kam zu ihm. Er setzte sich und lehrte es.
 
Da brachten die Schriftgelehrten und die Pharisäer eine Frau, die beim Ehebruch ertappt worden war. Sie stellten sie in die Mitte und sagten zu ihm: Meister, diese Frau wurde beim Ehebruch auf frischer Tat ertappt.
 
Mose hat uns im Gesetz vorgeschrieben, solche Frauen zu steinigen. Was sagst du?
Mit diesen Worten wollten sie ihn auf die Probe stellen, um einen Grund zu haben, ihn anzuklagen. Jesus aber bückte sich und schrieb mit dem Finger auf die Erde.
 
Als sie hartnäckig weiterfragten, richtete er sich auf und sagte zu ihnen: Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie.
 
Und er bückte sich wieder und schrieb auf die Erde.
Als sie das gehört hatten, ging einer nach dem anderen fort, zuerst die Ältesten. Jesus blieb allein zurück mit der Frau, die noch in der Mitte stand.
 
Er richtete sich auf und sagte zu ihr: Frau, wo sind sie geblieben? Hat dich keiner verurteilt? Sie antwortete: Keiner, Herr. Da sagte Jesus zu ihr: Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!
 

 

Impuls

Inspiriert vom Evangelium

 

Wie verhalte ich mich,

wenn ich mitbekomme, dass jemand Opfer körperlicher oder verbaler Gewalt wird?

 

Homosexuelle ,Geschiedene, Wiederverheiratete –

Was würde der Finger Jesu heute über sie schreiben?

 

Die Fastenzeit neigt sich dem Ende zu:  

Wie möchte ich die verbliebene Zeit gestalten?

 

zurück zum Wort zur Schrift - zu meinen Gedanken zum Evangelium