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27.02.2019

Kardinal Pell verhaftet und nicht mehr Finanzminister des Vatikan

Nach Schuldspruch wegen sexuellen Missbrauchs.

Der wegen sexuellen Missbrauchs verurteilte Kurienkardinal George Pell (77) ist in Australien in Haft genommen worden. Das ordnete am Mittwoch, 27. Februar 2019 ein Gericht in Melbourne an, wie australische Medien berichten.

 

Der frühere vatikanische Finanzminister war im Dezember wegen sexuellen Missbrauchs eines 13-Jährigen und sexueller Belästigung eines weiteren Buben schuldig gesprochen worden. Ihm drohen bis zu 50 Jahre Haft. Das Strafmaß soll spätestens Mitte März verkündet werden.

 

Wenige Tage nach dem Anti-Missbrauchsgipfel im Vatikan hatte der Richter am Dienstag in Melbourne das totale Berichterstattungsverbot über den Prozess aufgehoben und das Mitte Dezember von einer zwölfköpfigen Jury einstimmig gefällte Urteil bestätigt. Pell ist weltweit der ranghöchste katholische Würdenträger, der wegen sexuellen Missbrauchs angeklagt und verurteilt wurde. Pells Verteidiger kündigten Berufung an.

 

Unterdessen teilte Vatikansprecher Alessandro Gisotti am späten Dienstagabend auf Twitter mit, dass Pell nicht mehr Leiter des vatikanischen Wirtschaftssekretariates sei. Dass der Vatikan eine so wichtige Personalie auf Twitter und in englischer Sprache kommuniziert, ist ungewöhnlich.

 

Die turnusmäßige Amtsdauer für vatikanische Leitungsämter beträgt fünf Jahre und muss dann vom Papst verlängert werden. Pell war im Februar 2014 von Franziskus zum Leiter des vatikanischen Wirtschaftssekretariats berufen worden. Im Juni 2017 wurde er von dieser Funktion beurlaubt, um sich in Australien vor Gericht zu verantworten. Kurz nach dem Schuldspruch durch die australische Jury im Dezember 2018 entließ ihn Franziskus aus seinem Beratergremium für die Kurienreform ("K9-Rat").

 

Man werde das Ergebnis des Berufungsprozesses abwarten, erklärte Vatikansprecher Gisotti am Dienstag. Bis es "definitive Fakten" gebe, seien dem Kardinal aber weiterhin die öffentliche Ausübung seines priesterlichen Dienstes sowie jeglicher Kontakt mit Minderjährigen verboten. Diese Vorgaben galten bereits seit Pells Beurlaubung als Präfekt des Wirtschaftssekretariats. Gisotti bekräftigte, dass der Vatikan die australischen Gerichte achte, erinnerte aber zugleich daran, dass Pell stets seine Unschuld beteuert und ein Recht auf Verteidigung bis zur letzten Instanz habe.

 

Glaubenskongregation leitet Verfahren gegen Kardinal Pell ein

Nach der Verurteilung von Kardinal George Pell in Australien wegen Missbrauchs leitet die vatikanische Glaubenskongregation ein Verfahren ein. "Sie wird sich um den Fall kümmern, gemäß den Vorgehensweisen und Zeiten, die die kanonischen Normen dazu vorgeben", erklärte Vatikansprecher Alessandro Gisotti am Mittwoch.

 

Die Glaubenskongregation ist für die Bearbeitung von Missbrauchsfällen zuständig. Kirchenrichter können die Ermittlungen der australischen Justiz als Beweismaterial verwenden. Als kirchliche Höchststrafe droht dem 77-jährigen Pell die Entlassung aus dem Klerikerstand.