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26.02.2019

Papstberater Zollner: Nach Vatikangipfel "bald sehr konkrete Resultate"

Deutscher Jesuit und Kinderschutzexperte Hans Zollner kündigt kirchliche Experten-"Task forces" an, die in aller Welt Präventionsmaßnahmen begleiten sollen.

Nach dem internationalen Kinderschutztreffen im Vatikan soll es "schon bald sehr konkrete Resultate" im Kampf gegen sexuellen Missbrauch in der Kirche geben.Das Organisationskomitee der Konferenz habe nach Gesprächen mit den Leitern mehrerer vatikanischer Kurienbehörden bei einer Sitzung am Montagabend einen Zeitplan aufgestellt, erklärte der Vorsitzende des Kinderschutzzentrums an der Päpstlichen Universität Gregoriana, der deutsche Jesuit Hans Zollner, im "Vatican News"-Interview am Dienstag, 26. Februar 2019. Beim Kinderschutztreffen seien wichtige Punkte zusammengetragen worden. Nun gehe es darum, den Prozess zur Umsetzung in Gang zu setzen.

 

An konkreten Schritten nannte Zollner etwa ein bereits am Sonntag vom Vatikan angekündigtes Motu Proprio des Papstes "zum Schutz von Minderjährigen und schutzbefohlenen Personen" mit Gesetzen für die Vatikanstadt. Auch soll es eine Experten-"Task force" geben, die überall in der Welt Bischofskonferenzen, denen es an kompetentem Personal fehlt, bei der Umsetzung von Maßnahmen gegen Missbrauch unterstützen soll.

 

In vielen Teilen Afrikas und Asiens gebe es keine "Kultur der Prävention", und in Kirche wie Gesellschaft fehlten dafür ausgebildete Personen, schilderte Zollner: "Um also nicht nur einen Nachdenk-, sondern auch einen Prozess der aktiven Umsetzung von Kinderschutz anzustoßen, werden fähige Personen ausschwärmen, um den Bischofskonferenzen und religiösen Gemeinschaften dabei zu helfen, dass alles getan wird, damit junge Leute in diesem Teil der Welt sicher sind."

 

Insgesamt fange die Kirche beim Vorgehen gegen Missbrauch nicht bei Null an, erinnerte der Jesuit, der seit Jahren in der Weltkirche unterwegs ist, um über Kinderschutz und Missbrauch aufzuklären: "In einigen Teilen der Welt haben wir schon viele Sicherheits- und Schutzmaßnahmen in Kraft, davon können sich auch andere Teile der Welt inspirieren lassen."

 

Dass es bei vielen Bischöfen eine Umkehr und neue Haltung im Blick auf das Vorgehen gegen Missbrauch gibt, bezeichnete Zollner als "sehr ermutigendes Ergebnis" des Kinderschutztreffens im Vatikan. In Asien und Afrika habe er sich oft anhören müssen, dass Missbrauch in der Kirche ein Problem des Westens sei: "Jetzt haben sie hingegen verstanden, dass sie in ihren Ländern ebenfalls diese Verbrechen haben, und dass sie alles tun müssen, um für Gerechtigkeit zu sorgen, um den Opfern zuzuhören und um Präventionsmaßnahmen in Kraft zu setzen."

 

Zur am Dienstag bekannt gewordenen Verurteilung von Kurienkardinal George Pell, betonte Zollner gegenüber "Vatican News", dass Strafen für alle gelten. "Jedenfalls muss jeder - ganz gleich, welche Rolle oder welches Amt er hat - bestraft werden, wenn er ein Verbrechen begangen hat!", sagte der Jesuit. Zugleich betonte er, dass das Ergebnis des Berufungsprozesses abgewartet werden müsse:"Wir sind jetzt in der ersten Instanz, der Kardinal wird Berufung einlegen, und dann werden wir das Ergebnis sehen", sagte Zollner.