Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat ein positives Fazit des weltweiten Anti-Missbrauchsgipfels im Vatikan gezogen. Nun seien besonders die Bischofskonferenzen in der Pflicht, Taten folgen zu lassen. Papst Franziskus habe zum Ende des viertägigen Treffens klar Punkte vorgegeben, hinter die nach dem Gipfel in Rom keiner mehr zurück könne, sagte der Kardinal am Sonntag, 24. Februar 2019 vor Journalisten in Rom.
Konkret nannte Marx die Umsetzung von Leitlinien, die "dafür sorgen, dass kein einzelner Fall übersehen wird, dass die Opfer ihre Stimme haben". Ebenso wichtig sei achtsame Personal- und Priesterkandidatenauswahl, um mögliche Täter von vornherein auszuschließen. "Dass das nicht mehr und nie wieder geschieht, ist unser Auftrag als Bischöfe", so der Münchner Erzbischof. Dann könne die Kirche auch mithelfen, wie sexueller Missbrauch von Kindern "überhaupt aus der Gesellschaft, wie der Papst gesagt hat, 'ausgemerzt' werden kann".
Die deutsche Kirche sah Marx in ihrer Arbeit bestätigt. Er räumte jedoch ein, es gebe immer die Gefahr, "große Worte zu machen, Predigten zu halten, auch gute Wünsche zu äußern; aber im konsequenten Umsetzen hapert es oft". Daher dürfe die Kirche nun nicht nachlassen.
Es liege in der Verantwortung der Bischofskonferenzen und auch der Bischöfe, "jedem Fall nachzugehen und keinerlei Verharmlosung, Vertuschung oder Relativierung dieses Verbrechens Raum zu geben", sagte Marx. Er betonte zudem, die Beobachtung der Öffentlichkeit und Mitwirkung anderer seien wichtig. Dazu zählte er Missbrauchsbeauftragte sowie das Gespräch mit Opfern und Opferverbänden. Nur so könne die Kirche Glaubwürdigkeit wiedergewinnen.
Dass am Ende des Gipfeltreffens keine gemeinsame Erklärung der Bischöfe stand, sei möglicherweise dem Zeitmangel geschuldet, da dafür eine Abstimmung nötig gewesen wäre. "Man kann von dieser Tagung nicht erwarten, dass am Ende Beschlüsse da sind", so der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Auch sein Vorschlag, dass "Päpstliche Geheimnis" bei Missbrauchsfällen aufzuheben und kirchliche Verwaltungsgerichte zu schaffen, sei positiv aufgenommen worden.
Kardinal hat zudem einen Zusammenhang zwischen Missbrauch und der Ehelosigkeit der Priester zurückgewiesen. Eine solche Verbindung herzustellen, sei Spekulation, da es keine wissenschaftlich begründeten Zahlen dazu gebe, sagte er. "Wir haben festgestellt und die Studie hat es bestätigt: Es gibt keinen direkten Zusammenhang", so der Münchner Kardinal mit Blick auf die von den deutschen Bischöfen in Auftrag gegebene Untersuchung. Es müsse dennoch die Diskussion darüber angeregt werden, wie die Lebensform des Priesters in der Zukunft aussehen solle.
Zu einem möglichen Zusammenhang zwischen Homosexualität und sexuellem Missbrauch in der Kirche sagte Marx, die Ursachenforschung für sexualisierte Gewalt allgemein sei Aufgabe der Wissenschaft. Die Bischöfe müssten schauen, wo es "spezifisch katholische Versuchungen oder Gefährdungen" gebe. Machtmissbrauch nannte Marx dabei als eine der Ursachen - "andere Punkte gehören dazu, die Ausbildung und viele andere Dinge, auch Sexualmoral, wir haben das ja in Deutschland in unserer Studie und auch im Auftrag an die Bischofskonferenz gefasst, aber ich glaube, da sind wir noch nicht am Ende, da wird man weiter breit diskutieren", so der Münchner Erzbischof.
Gleichzeitig verteidigte Kardinal Marx den Gipfel gegen Kritik hinsichtlich unverbindlicher Ergebnisse: Der Papst habe klar Punkte vorgegeben, hinter die jetzt keiner mehr zurück könne, betonte er. Man könne keinen "rasch zusammengestellten Maßnahmenkatalog" erwarten, aber es habe eine Fülle wichtiger Vorschläge gegeben. Die Bischöfe seien jetzt in der Pflicht, diese konkret umzusetzen.