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23.02.2019

Papst Franziskus würdigt "weiblichen Genius"

"Es geht darum, Frauen als Figuren der Kirche in unser Denken zu integrieren. Und auch an die Kirche mit den Kategorien einer Frau zu denken"

Papst Franziskus hat sich beeindruckt vom Vortrag der Kirchenrechtlerin Linda Ghisoni beim Kinderschutzgipfel gezeigt. Die Untersekretärin des Dikasteriums für Familie, Laien und Leben hatte am Freitag über Zusammenarbeit in der Kirche referiert und dabei u.a. eine Vorschlag für mehr Rechenschaftspflicht von Bischöfen und Ordensoberen und einer Einbindung von Laien bei der Aufsicht darüber gemacht.

 

"Diesmal war es die Kirche selbst, die sprach"

Daraufhin ergriff der Papst das Wort und dankte ihr in der Synodenaula. "Als ich Dr. Ghisoni zuhörte, hörte ich die Kirche von sich selbst sprechen", erklärte er. Zwar sei in allen Vorträgen von der Kirche die Rede gewesen, "aber diesmal war es die Kirche selbst, die sprach. Es ist nicht nur eine Frage des Stils: der weibliche Genius, der sich in der Kirche widerspiegelt, die Frau ist."

 

Die Frau ist das Bild der Kirche

Eine Frau zum Sprechen einzuladen bedeute nicht, in "den Modus eines kirchlichen Feminismus einzutreten", erläuterte der Papst und setzte hinzu, jeder Feminismus ende "schließlich damit, dass er ein Machismo mit einem Rock ist." Eine Frau einzuladen, über die Wunden der Kirche zu sprechen, bedeute vielmehr, die Kirche einzuladen, über sich selbst und über ihre Wunden zu sprechen. Es gelte, Frauen verstärkt einzubinden, denn: "Die Frau ist das Bild der Kirche, die ihrerseits Frau ist, Braut ist, Mutter ist. Ein Stil. Ohne diesen Stil würden wir zwar vom Volk Gottes sprechen, aber als eine Organisation, als Vereinigung - nicht als eine Familie, die aus der Mutter Kirche geboren wurde."

 

Kirche mit den Kategorien einer Frau denken

Die Logik von Linda Ghisonis Gedanken sei "die einer Mutter", hob der Papst hervor und sagte: "Es geht nicht darum, den Frauen in der Kirche mehr Funktionen zu geben - ja, das ist gut, aber so wird das Problem nicht gelöst. Es geht darum, Frauen als Figuren der Kirche in unser Denken zu integrieren. Und auch an die Kirche mit den Kategorien einer Frau zu denken. Danke für Ihr Zeugnis."

Linda Ghisoni war die erste von drei Frauen, die eines der neun vorgesehenen Referate im Plenum der Kinderschutzkonferenz hielt. Papst Franziskus hatte die unter anderem in Tübingen ausgebildete Kirchenrechtlerin und zweifache Mutter im November 2017 zur Untersekretärin im Vatikan berufen.