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Der SONNTAG
01.02.2019

Ein Feiertag ist nicht nur ein freier Tag

Was ist eigentlich ein Feiertag? Wofür ist er da? Und für wen?

 

 

Der Karfreitag bringt Bewegung in die Feiertagsdiskussion. Ich finde dabei am spannendsten die Frage: Was ist eigentlich ein nationaler Feiertag? Wofür ist er da? Und für wen? Ist ein Feiertag hauptsächlich eine Entlastung der Arbeitnehmer ohne notwendigerweise einen tieferen Sinn?

 

 

Ich begegne vielen Menschen, die einen freien Karfreitag begrüßen würden – auch wenn sie gar nicht wissen, was da gefeiert wird. Dazu passt auch ein Vorstoß der Gewerkschaft von 2015, Feiertage, die auf einen Sonntag fallen, am Montag „nachzuholen“. Hieße das: Wenn zum Beispiel der 26. Oktober ein Sonntag ist, feiert man ihn dann erst am 27. Oktober – was das Wort „nachholen“ andeuten würde?


Andererseits hängt aber unser Feiertagsbegriff auch nicht vom Festinhalt und dessen Begehung ab.

 

Den Bedeutungsinhalt von Maria Empfängnis wissen auch viele Katholiken nicht. Und was genau feiert man am 26. Oktober? Da hat der letzte Besatzungssoldat die immerwährende Neutralität unterschrieben, oder so ähnlich. Sollen am Tag der Arbeit nur die freihaben, die aufmarschieren?

 

Und müssen Feiertage der Identität der Bevölkerungsmehrheit entsprechen? Bleiben dann für Wien, das keine christliche Mehrheit mehr hat, nur noch der 1. Mai und der 26. Oktober?   


Wenig kann ich der Idee abgewinnen, die religiösen Feiertage abzuschaffen und jedem dafür zehn Ruhetage zu geben. Frei einsetzbar, wann immer man feiern statt arbeiten möchte. Das würde die Feiertage in zusätzlichen Urlaubsanspruch umwandeln, aber eine Gemeinsamkeit zerstören.

 

Es ist gut, dass etwa auch die Nichtösterreicher unter uns den Nationalfeiertag mitfeiern dürfen und die Nichtchristen Weihnachten. Warum nicht auch den Karfreitag gemeinsam begehen?