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24.01.2019

Freistetter: Friedensprojekt Europa wieder in den Fokus rücken

Militärbischof sprach im Rahmen der Jahresversammlung der Liturgiewissenschaftlichen Gesellschaft Klosterneuburg zum Thema "Kirche und Krieg.

"Es ist heute von großer Wichtigkeit, das Friedensprojekt Europa wieder verstärkt in den Fokus zu rücken": Dafür hat Militärbischof Werner Freistetter am Mittwochabend, 23. Jänner 2019 im Rahmen der 16. Jahresversammlung der Liturgiewissenschaftlichen Gesellschaft Klosterneuburg plädiert.

 

Die jüngeren Generationen könnten sich heute ein "Europa im Unfrieden" kaum mehr vorstellen, weshalb die wichtige Funktion der Europäischen Union als Friedensprojekt für viele gar nicht mehr präsent sei, so der Bischof. Gerade in Zeiten von "neu aufflammenden Nationalismen" müsse deshalb den Jüngeren das europäische Zusammenrücken wieder näher gebracht werden.

 

Freistetter stellte bei seinem Referat im Augustinussaal des Stifts Klosterneuburg zum Thema "Kirche im Krieg - Theologische Zugänge 1914/15" Texte von vier vor rund 100 Jahren tätigen Theologen vor. Der große Teil der Theologen zur Zeit des ersten Weltkrieges habe "in die Kriegstheologie eingestimmt, den Krieg religiös überhöht und legitimiert", stellte der lange als Militärethiker tätige Oberhirte fest.

 

Als ersten Vertreter nannte Freistetter den Apostolischen Feldvikar Emmerich Bjelik (1860-1927), der im ersten Weltkrieg die katholische Militärseelsorge der k. u. k.-Armee leitete. In dieser Funktion wandte sich Bjelik 1914 in einem Hirtenbrief, der von "patriotischem Pathos" und "religiösen Legitimationsfiguren" gekennzeichnet war, an die Katholiken des Landes. Elemente daraus - wie klare Parteinahme für den Krieg, dessen ethische und theologische Legitimation, Moralappelle an die Soldaten, Bitte um Gottes Hilfe im Krieg sowie Einsatz für die gemeinsame Sache - fänden sich auch in vielen anderen Predigten und Hirtenbriefen der Zeit, betonte der Bischof. Nach der anfänglichen Kriegseuphorie habe sich Bjeliks Blick allerdings verschoben, weg von der religiösen Legitimation hin zur leidvollen Situation der Soldaten sowie zum Trost durch Religion in schwerer Zeit.

 

Auf ähnliche Weise zeigte sich der katholische Prager Pastoraltheologe Joseph Jatsch (1870-1932) davon überzeugt, dass es sich beim ersten Weltkrieg letztendlich um einen gerechten Krieg aus Perspektive Österreich-Ungarns handle; dass der Krieg "eine der furchtbarsten Geißeln der Menschheit" sei, sei er sich dabei allerdings durchaus bewusst gewesen, erklärte Freistetter.

 

Der Militärbischof kam schließlich auch auf Papst Benedikt XV. (1854-1922) zu sprechen: Dessen diplomatische Friedensinitiativen, seine Verurteilung des sinnlosen Blutvergießens, sein wiederholtes öffentliches Plädoyer für die Rückkehr zum Verhandlungstisch, für Dialog und Orientierung am internationalen Recht hätten dazu geführt, dass sich der Heilige Stuhl in der Öffentlichkeit als "Friedensmacht" etablieren konnte.

 

Als vierten Autor ging Freistetter auf den reformierten Theologen Karl Barth (1886-1968) ein, der im Gegensatz zur problematischen Haltung fast aller Theologen seiner Zeit die Kriegstheologie strikt ablehnte und heftig kritisierte. Sein theozentrischer Ansatz, die Orientierung an Gott von Gott her sei für viele, insbesondere evangelische Theologen tatsächlicher Anstoß zur Neubesinnung nach dem I. Weltkrieg geworden, schloss der Bischof seinen Vortrag.

 

Organisiert wurde der Vortragsabend von der Liturgiewissenschaftlichen Gesellschaft Klosterneuburg, die Trägerin des Pius-Parsch-Instituts für Liturgiewissenschaft und Sakramententheologie ist. Der Präsident der Gesellschaft, Liturgiewissenschafter Andreas Redtenbacher, stellte in einem zweiten Vortrag Teile aus dem Kriegstagebuch von Pius Parsch vor. Parsch hatte sich freiwillig als Feldkurat für den Kriegsdienst gemeldet und in seinen Aufzeichnungen den Alltag als Militärgeistlicher innerhalb der k. u. k. Armee eindrucksvoll zusammengefasst.