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06.01.2019

„Den Leitstern im eigenen Leben finden“

Kardinal Schönborn bei Pontifikalamt im Stephansdom zum Fest der Erscheinung des Herrn am 6. Jänner 2019.

In seiner Predigt nahm der Wiener Erzbischof den Stern, der die Weisen, die Sterndeuter und Könige aus dem Orient geführt hat, in den Fokus. Dabei erinnerte Kardinal Christoph Schönborn an seinen alljährlichen Besuch bei der Weihnachtsfeier im Wiener Gefängnis in der Josefstadt. Die Weihnachtsfeier habe ihn knapp vor dem Heiligen Abend 2018 sehr berührt. Das Motto lautete: „Dem Stern folgen“. Es ist eine Feier, die von den Insassen gemeinsam mit der Gefängnisseelsorge gestaltet wird.

 

Zeugnis eines Gefängnisinsassen

Kardinal Schönborn stellt die Frage: „Was bedeutet das für die mehr als tausend Menschen, die dort einsitzen? Wie haben sie dieses Thema aufgegriffen?“. Besonders beeindruckt hat ihn, was drei junge Häftlinge als ganz persönliches Zeugnis zu diesem Thema Stern von Bethlehem gesagt haben. Ein Beispiel: „Warum habe ich Drogen geschmuggelt? Ich habe den Himmel gesucht, mich aber in die Hölle gebuddelt. Weshalb bin ich eigentlich einbrechen gegangen? Warum habe ich diese schweren Verbrechen begangen? Ständig bin ich am grübeln. Geistig steige ich in den Ring mit allen diesen Dingen. Der Weg ist das Ziel. Hoffentlich werde ich ihn finden. Mein Kampf gegen mich selbst und die Frage, ob ich gewinne, oder wieder verliere. Aufgeben geht nicht. So suche ich weiter begierig nach dem Pfad, der mich weist, herausreißt von dem Irrweg. In mir bist Du der Stern, dem ich folge. Führe mich nach Hause. Gott, mein Gewissen lässt mich mehr als nur glauben.“

 

Kardinal Christoph Schönborn stellt zu den Aussagen des jungen Häftlings die Frage: „Wird dieser junge Mann den Stern finden, der ihn herausreißt aus seinem Irrweg, der ihn nach Bethlehem führt?“ Der Wiener Erzbischof hat den Eindruck, „er hat den Weg schon gefunden. Er hat die innere Stimme gefunden. Sein Gewissen ist ihm zum Stern geworden, der ihm leuchtet und den Weg weist. Das ist nicht wie er sagt nur ein unbestimmter Glaube. Er hat Gewissheit bekommen darüber, was ihn herausreißt aus dem Irrweg, auf dem er sich befunden hat“.

 

Welcher Stern hat mir geleuchtet?

So wurde für Kardinal Schönborn diese Weihnachtsfeier zu einer Stunde sehr ernsten Nachdenkens auch über ihn selber, über seinen Weg. „Was ist der Stern, der mich geführt hat?“, fragt der Wiener Erzbischof. Er gibt den Gläubigen die Frage auch zum eigenen Nachdenken mit auf den Weg: „Welcher Stern hat mir geleuchtet, meinen Weg zu finden. Wie viele Menschen waren mir Leitstern?“

 

Kardinal dankt Regierung und hofft auf positiven Abschluss des Asylverfahrens

Am Pontifikalamt im Stephansdom nahmen auch Familien aus dem Iran teil, „der Heimat der drei Heiligen Könige“, so Kardinal Schönborn. Es sind Familien, die in Österreich „hängen geblieben“ sind auf dem Weg in die USA aufgrund eines Einreisestopps. Die Erzdiözese Wien versucht gemeinsam mit Unterstützung der österreichischen Bundesregierung, ihnen hier eine neue Heimat zu ermöglichen.

 

Bei den Betroffenen handelt es sich um Familien und Alleinstehende, darunter auch viele Alte und Behinderte, die am sogenannten "Lautenberg-Programm" des US-Kongresses teilgenommen hatten. Angehörige religiöser Minderheiten - die in Wien Gestrandeten sind Christen, Mandäer und Zoroastrier - erhielten mit diesem Programm ein Visum in den USA, wobei für Teilnehmer aus Iran, das keine direkten diplomatischen Beziehungen zur USA pflegt, Österreich traditionell als Transitland diente. Durch die plötzlich restriktiveren Einreiseregelungen der USA saßen 2017 vorübergehend Hunderte Perser in Wien fest; eine große Gruppe davon bis zum heutigen Tag.

Durch den Asylwerber-Status erhalten alle der 108 verbleibenden Iraner inzwischen Grundversorgung und sind krankenversichert. Die Sozialleistungen reichen jedoch bei weitem nicht für das Auskommen, weil die Iraner seit ihrer Ankunft gezwungen gewesen waren, Privatwohnungen anzumieten statt in Heimen einen Platz zu bekommen. Die Erzdiözese Wien hat die Gruppe dabei unterstützt und auch ein Spendenkonto eingerichtet.

Ein Großteil von ihnen hat mit Freunden und Begleitern am Sonntag an der Messe mit Kardinal Schönborn teilgenommen. Nach dem Festgottesdienst waren die Kinder zu einer kleinen Weihnachtsbescherung mit dem Erzbischof in der Sakristei eingeladen. Organisiert wurde die Feier durch den Flüchtlingsberater der Erzdiözese Wien, Manuel Baghdi. Die persische Gruppe wurde dabei von der Nationalratsabgeordneten Gudrun Kugler (ÖVP) begleitet.