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06.01.2019

Papst fordert Hilfe für Migranten auf Rettungsschiffen

Appell bei Angelusgebet am 6. Jänner.

Papst Franziskus hat im Fall der auf dem Mittelmeer blockierten Rettungsschiffe mit 49 Menschen an Bord schnelle Hilfe gefordert. "Eindringlich appelliere ich an die Regierenden in Europa, konkrete Solidarität gegenüber diesen Menschen zu zeigen", sagte der Papst am Sonntag nach dem traditionellen Mittagsgebet auf dem Petersplatz.

Bei seinem Aufruf zur Solidarität bezog sich der Papst auf das Dreikönigsfest und führte dabei Herodes und die Schriftgelehrten als negatives Beispiel an. "Sie sind stellvertretend für viele, die auch heute Angst vor dem Kommen Jesu haben und ihr Herz gegenüber hilfsbedürftigen Brüdern und Schwestern verschließen", sagte Franziskus vor dem Angelus-Gebet.

Vor seinem Appell an Europa hatte Franziskus dazu aufgerufen, sich ähnlich wie die Heiligen Drei Könige auf die Suche nach Jesus zu machen. "Auch wir werden eingeladen, nicht bei den äußeren Zeichen des Ereignisses zu verharren, sondern von ihnen ausgehend und erneuert unseren Weg als Menschen und als Gläubige fortzusetzen", sagte er. Dabei sei es auch Großherzigkeit wichtig.

Franziskus betonte auch, dass die durch Gott in Christus gebotene Rettung für alle Menschen gelte: "Es ist nicht möglich, vom Jesuskind 'Besitz zu ergreifen'. Es ist Geschenk für alle." Laut Vatikan waren 60.000 Menschen zum Angelus-Gebet mit dem Papst auf den Petersplatz gekommen.
 

Sea-Watch begrüßt Unterstützung

Sea-Watch begrüßte am Sonntag die Unterstützung durch den Papst. Franziskus fordere zu Recht eine europäische Solidarität ein, sagte der Sprecher Ruben Neugebauer dem "Kathpress"-Korrespondentenbüro in Rom. Es gehe nicht um Italien oder Malta. "Es ist die europäische Grenze, an der die Leute sterben - da kann sich niemand verstecken", so Neugebauer. Vor dem Hintergrund der europäischen Menschenrechtskonvention stelle die Verweigerung eines Hafenzugangs eine "Freiheitsberaubung" dar. Die Regierungen nähmen "49 Menschen in Geiselhaft für eine verkorkste Migrationspolitik".

Mittlerweile befinden sich die 32 Flüchtlinge der "See-Watch 3" seit 15 Tagen auf dem Schiff. Neugebauer beschrieb die psychologische Lage als angespannt. Am Samstag sei eine Person über Bord gesprungen, um Malta schwimmend zu erreichen, aber kurz darauf wieder geborgen worden. Für die Migranten sei es schwierig, das Land in Sicht zu haben. "Die große Ungewissheit zehrt an den Nerven", sagte Neugebauer. Der Sprecher betonte, die Menschen kämen aus libyschen Folterlagern. Dass sie sich wegen des schlechten Wetters in den engen Kabinen unter Deck aufhalten müssen, wirke für manche "retraumatisierend".

Besorgt äußerte sich Neugebauer auch über die Wirkung des wochenlangen politischen Tauziehens auf weitere Seenotrettungen. Wenn auch Handelsschiffe damit rechnen müssten, nach einer Rettung von Schiffbrüchigen auf See festzusitzen, könne es geschehen, dass sie aufgrund des zu befürchtenden wirtschaftlichen Ausfalls bewusst von Notsituationen wegschauten, sagte der Sea-Watch-Sprecher.

Die zwei Rettungsschiffe der deutschen Organisationen Sea-Watch und Sea-Eye, "Sea-Watch 3" und "Professor Albrecht Penck" mit den Geretteten an Bord warten unterdessen vor Malta weiter auf Landung an einem sicheren Hafen. Die Bundesregierung in Berlin signalisierte am Samstag, dass Deutschland zur Aufnahme der Menschen an Bord bereit sei, allerdings im Rahmen einer Verteilung auf mehrere EU-Mitgliedstaaten.