Der deutsche Religionsphilosoph Hans Joas ist einer der Referenten bei der traditionsreichen Österreichischen Pastoraltagung, die heuer von 10. bis 12. Jänner dem Thema Säkularisierung gewidmet ist.
Die stets im Salzburger Bildungszentrum St. Virgil stattfindende, größte kirchliche Seelsorge-Fortbildungsveranstaltung in Österreich beleuchtet "die schrumpfende Bedeutung von Religion" als zeitgeschichtlichen Kontext, dem sich zwangsläufig auch christlich Glaubende zu stellen hätten. Leitfragen sind dabei laut dem veranstaltenden Österreichischen Pastoralinstitut (ÖPI): "Was will Gott uns durch diese gesellschaftliche Entwicklung sagen? Was heißt es, hier und heute, christlich zu leben, pastoral zu handeln, 'evangelisierend' da zu sein?"
Für die Vorträge und Workshops bei der dreitägigen Tagung mit dem Titel "Freiheit - Glück - Leben. Säkularität und pastorales Handeln" werden hochkarätige Fachleute erwartet: Der in Berlin lehrende, vielfach ausgezeichnete - zuletzt mit dem "Theologischen Preis" der Salzburger Hochschulwochen für sein Lebenswerk - Sozialphilosoph und Religionssoziologe Hans Joas wirft im Eröffnungsvortrag am Donnerstag, 10. Jänner, einen "prophetisch-prognostischen" Blick in die Zukunft ("Wie reden über die Zukunft der Religion?"). Joas' vorab übermittelte These: "Das Heilige und der Glaube an Transzendenz haben ihre eigene Machtqualität - als Quelle lebensbestimmender Motivation und Inspiration für den Einzelnen, als Infragestellung und als Quelle von Legitimität, ohne die keine politische Macht über längere Zeit auszukommen vermag."
Der promovierte Pastoraltheologe und Bischof von St. Pölten, Alois Schwarz, präsentiert am Freitag, 11. Jänner, seine Überlegungen zum "Dasein mit den Menschen im Geist des Evangeliums". Am selben Tag legt der Wiener Religionssoziologe Christian Friesl Fakten zur "Werte-Welt der Österreicher/innen" dar. Über Aufbrüche in der Kirche spricht am Donnerstag der Wiener Pastoraltheologe Johann Pock, sein Innsbrucker Kollege Christian Bauer am Freitag über "spätmoderne Lebensformen" als Chance für die Kirche. Auch die aus der Steiermark stammende, in Tübingen lehrende Pastoraltheologin Teresa Schweighofer analysiert am Freitag "Lebensübergangsrituale außerhalb der Kirche".
Welche "pastoralen Prioritäten" stehen an?
Einen abschließenden Blick in weltkirchliche Realitäten wirft am Samstag, 12. Jänner, die in El Salvador tätige Ordensfrau und systematische Theologin Sr. Martha Zechmeister, bevor ein Austausch über anstehende "pastorale Prioritäten" die Tagung beendet: Am Podium dazu die Linzer Pastoralamtsleiterin Gabriele Eder-Cakl, "Pastoralinnovation"-Gründer Georg Plank, der Pressesprecher der Erzdiözese Wien, Michael Prüller, und die Pastoralassistentin Vivian Perdomo Reyes.
In Workshops werden von Fachleuten spezielle Aspekte des Tagungsthemas wie Willkommenskultur in größeren Pfarreinheiten, "Werte bilden" oder "Start ups in kirchlichen Räumen" aufgegriffen und im kleinen Kreis diskutiert.
Liturgische Beiträge leisten die Bischöfe Alois Schwarz und Hermann Glettler (Innsbruck), für einen künstlerischen Akzent sorgt am Eröffnungsabend die oberösterreichische Performancekünstlerin Esther Strauß.
Die Pastoraltagung ist die größte kirchliche Seelsorge-Fortbildungsveranstaltung in Österreich, alljährlich nehmen hunderte Mitarbeitende in Seelsorge und Religionspädagogik sowie Interessierte aus dem In- und dem benachbarten Ausland teil.