Mittwoch 20. Mai 2026

Schnellsuche auf der Website

24.12.2018

Bischöfe erinnern am 24.12. an Menschenwürde aller Kinder

Feldkircher Bischof Elbs erwähnt 70. Jahrestag der Unterzeichnung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.

 

Der Feldkircher Bischof Benno Elbs und der Linzer Bischof Manfred Scheuer haben in Weihnachts-Zeitungskommentaren an die gemeinsame Menschenwürde von Kindern, ohne herkunftsmäßige oder soziale Unterschiede, von Flüchtlingen sowie von Ausgegrenzten erinnert. Die Ankunft Jesu bedeute eine Zeit der Gerechtigkeit, der Barmherzigkeit und des Friedens, die durch Taten weitergehen solle, so Elbs in den "Vorarlberger Nachrichten" am Montag, 24. Dezember 2018: "Ich bin mit vielen Menschen in Kontakt, die genau das voll Hingabe tun: Menschen, die sich dafür einsetzen, dass die Kluft zwischen Arm und Reich kleiner wird; die das Miteinander der Generationen fördern oder geflüchtete Menschen bei der Integration oder im Asylverfahren unterstützen. Ihnen allen danke ich für ihren Einsatz im Dienste der Menschlichkeit."

Der Bischof erinnerte, dass sich vor wenigen Tagen zum 70. Mal die Unterzeichnung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte hatte. "Jedes Kind, das zur Welt kommt, hat dieselbe Würde, die ihm durch nichts und niemanden genommen werden kann. Heute, da wir die Geburt Jesu feiern, dürfen wir uns das ganz besonders sagen lassen."

Das Kind aus Bethlehem habe eine Revolution der Mitmenschlichkeit begonnen. "Es liegt an uns, diese Geschichte weiterzuschreiben! Setzen wir uns dafür ein, dass Menschenwürde und Menschenrechte groß geschrieben werden", so Elbs.

 

Menschlichkeit schützen und fördern

Bischof Scheuer schreibt in den "Oberösterreichischen Nachrichten" am 24. Dezember, jeder geborene Mensch stehe für einen Neuanfang, mit jeder Geburt eines Menschen komme etwas Neues in die Welt. "Es ist die Einmaligkeit des nun beginnenden Lebens, die eine Geburt so besonders macht. Diese positive Sichtweise auf die Welt wird zu Weihnachten erfahrbar, so die Philosophin Hannah Arendt: 'Dass man in der Welt Vertrauen haben und dass man für die Welt hoffen darf, ist vielleicht nirgends knapper und schöner ausgedrückt als in den Worten, mit denen die Weihnachtsoratorien 'die frohe Botschaft' verkünden: 'Uns ist ein Kind geboren'. Mit der Geburt Jesu bejaht Gott das menschliche Leben von Anfang an, ungeachtet von Herkunft und sozialem Status."

Die Umstände der Geburt Jesu seien genau betrachtet erbärmlich gewesen. Um das zu veranschaulichen, habe Franz von Assisi 1223 die Idee gehabt, die Geburtsszene in einer Felshöhle in Greccio, die als Stall benutzt wurde, nachzubilden. "Was man in den Nachbildungen aber nicht umzusetzen vermag, ist der Gestank, ist die mangelnde Hygiene, ist der Dreck. Gott war sich nicht zu schade für diese Zustände. Gott ist kein Gott der Perfekten und Vollkommenen. Gott ist ein Gott, der die menschliche Realität am eigenen Leib kennenlernte", so Scheuer.

Gott sage Ja zum menschlichen Leben von Anfang an und unter allen Umständen. Für Christen ergebe sich daraus die Verpflichtung zur aktiven Teilnahme am Leben möglichst aller Menschen und die Verantwortung, füreinander einzutreten. "Das setzt voraus, dass der Achtung, der Würde und der Integrität jedes Menschen absolute Priorität eingeräumt werden muss. Es muss die Bereitschaft hochgehalten werden, diese Werte zu schützen und zu fördern. Armut, Flucht und Ausgrenzung können die Christinnen und Christen schlichtweg nicht kalt lassen. Denn Gott hat durch seine Menschwerdung eine eindeutige Wahl für den Menschen - ohne Ausnahme - getroffen."

 

Sorge für zurückkehrende Soldaten

Militärbischof Werner Freistetter thematisierte in einer Botschaft von 24. Dezember Hunger und Massenelend zu Weihnachten 1918, als kurz zuvor die Republik gegründet worden war. Es habe damals seitens Kardinal Friedrich Gustav Piffls den Appell an die Priester gegeben, "einen friedlichen und geordneten Übergang" von der Monarchie zur Republik zu unterstützen. Denn es gelte auch - so Piffl -, "die Schwierigkeiten bei der Lebensmittelversorgung nicht noch mehr zu verschärfen".

Freitstetter würdigte insbesondere die Sorge des Kardinals für die zurückkehrenden Soldaten. Sie kämen "aus begreiflichen Gründen vielfach in sehr verbitterter Stimmung aus dem Feld". Piffl appellierte an die Priester, ihnen zu helfen, sie zu trösten und ihnen zuzuhören.

 

Gott sieht Welt so wie bedürftiges Kind

In den Ansprachen für die ORF-Sendungen am 24. Dezember haben die Bischöfe appelliert, das Kind-Werden Gottes als eine Anfrage an die eigene Ich-Bezogenheit zu sehen. "Vielen Menschen wird heute nichts geschenkt. Gott macht sich an Weihnachten deshalb selbst zum Geschenk. Er wird zu einem Präsent, zum 'Ich bin da' für die Ausgeschlossenen, Ausgestoßenen, für die Ratlosen, für die Sünder", so der Feldkircher Bischof Benno Elbs.

"Nehmen wir den Heiligen Abend zum Anlass, die Welt einmal mit den Augen Gottes zu sehen, das bedeutet: aus der Sicht eines bedürftigen Kindes, das angewiesen ist auf Liebe, Geborgenheit und Zärtlichkeit", sagte der Vorarlberger Bischof im ORF-Regionalradio: "Wie viel Not, wie viel Bedürftigkeit nehmen wir da wahr. Und bei alldem die Frage: Was kann ich als Einzelner schon tun?"

Ein Beispiel, das Hoffnung gebe, seien die vielen Vorarlberger, die sich ehrenamtlich für geflüchtete Menschen einsetzen. "Sie helfen beim Erlernen der Sprache, beim Knüpfen von Kontakten oder bei der Vermittlung von Arbeit. Ihnen allen danke ich dafür, dass Sie Mitmenschlichkeit groß schreiben und bewusst gegen soziale Kälteströme auftreten. Ich möchte Ihnen auch meine Rückendeckung zusagen und Sie ermutigen, in Ihrem Einsatz nicht müde zu werden. Denn ich bin überzeugt: Die Zukunft der Welt liegt nicht allein in der Hand der Mächtigen: der Politiker, Wirtschaftstreibenden, der Lobbyisten und Banken", so Elbs.

Er räumte ein, dass Politiker und Chefs in Wirtschaft und Finanzindustrie enorme Verantwortung hätten. Die Zukunft liege aber "vielmehr in den Händen derer, die die Revolution der Zärtlichkeit vorantreiben". Der Blick in die Krippe sage: "Ein einziger Mensch, ein einziges Kind macht den Unterschied. Es reicht ein Mensch, damit Glaube, Hoffnung und Liebe wachsen und weiter geschenkt werden können."

Der Linzer Bischof Manfred Scheuer betonte in Radio Oberösterreich, die Nähe Gottes werde durch das Kind Jesus spürbar und erfahrbar. "Diese Nähe Gottes soll uns die Angst nehmen. Es soll uns die Angst nehmen, wenn wir etwas zulassen müssen. Wenn wir inneren Widerstand spüren gegen andere Meinungen, gegen unausweichliche Veränderungen, gegen schlimme Krankheitsdiagnosen. Es soll uns die Angst nehmen, wenn wir uns auf etwas einlassen müssen: auf eine neue - vielleicht erzwungene - Lebenssituation, weil man gekündigt wurde oder weil eine Beziehung zerbrochen ist; wenn wir uns einlassen auf etwas Unplanbares, wie die Erziehung von Kindern, wie das Engagement für kranke, obdachlose oder asylsuchende, Menschen."

Das Kind in der Krippe solle Angst nehmen, wenn ein Loslassen und Abschiednehmen notwendig sei; so Scheuer weiter: "Abschiede von Gewohnheiten, Abschiede hinein in einen neuen Lebensabschnitt - etwa nach dem Auszug der Kinder oder nach der Pensionierung -, Abschiede von lieben Menschen, das Loslassen im Sterben. 'Fürchte dich nicht', sagt uns Gott zu Weihnachten, ich bin ganz nahe bei dir. Du kannst dein ganzes Vertrauen in diese Zusage setzen."

Kardinal Christoph Schönborn rief am 24. Dezember in der ORF-Fernsehsendung "Licht ins Dunkel" dazu auf, den Mitmenschen Aufmerksamkeit zu schenken. Man solle die Not sehen, den Anderen sehen, sagte der Wiener Erzbischof. Das setze allerdings voraus, "dass wir ein offenes Herz haben".

Wer immer nur sich selber sehe, "wird am Schluss furchtbar alleine sein", sagte der Kardinal. Hinter der Abschottung stehe "Angst, dass ich mich preisgebe - und dass sich dann auch die anderen öffnen".

Kinder zeigten aber, dass es Leben nur in Offenheit gebe: "Als Kind ist man angewiesen, dass uns andere ansprechen", erläuterte Kardinal Schönborn.