Der Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion Alfejew, absolviert einen Ökumene-Besuch in Italien. Am Mittwoch leitet Hilarion einen Gottesdienst mit russischen Migranten in Italien in der Unterkirche der St.-Nikolaus Basilika von Bari. Am Abend findet die Präsentation der italienischen Ausgabe eines vom Metropoliten verfassten Buches über die mehrwöchige Ausleihung der Nikolaus-Reliquien statt, die 2017 durch Russland getourt waren und in den russischen Kirchen verehrt wurden. Im Anschluss findet in der Basilika ein Konzert mit russischer Sakralmusik statt, die Hilarion u.a. in seiner Zeit als Bischof in Wien komponiert hatte.
Das Buch "La traslazione della reliquia die San Nicola" wird laut Erzdiözese Bari in Anwesenheit von Zivil- und Religions-Repräsentanten und einer großen russischen Delegation präsentiert werden. Es soll laut Hilarion ein "wertvoller und sorgfältiger dokumentarischer und photographischer Bericht über das sein, was Patriarch Kyrill als Ereignis von historischer Bedeutung betrachtet".
Insgesamt fast 2,5 Millionen Pilger hatten zwischen 21. Mai und 28. Juli 2017 in Russland die von der katholischen Kirche für rund zwei Monate ausgeliehenen Reliquien des heiligen Nikolaus aufgesucht, wie Patriarch Kyrill zum Abschluss der Ausstellung der Gebeine in der Dreifaltigkeitskathedrale des Alexander-Newski-Klosters in Sankt Petersburg mitgeteilt hatte. Die katholische Leihgabe aus Bari in Süditalien lockte damit so viele Gläubige an wie kaum eine andere Reliquie in Russland in jüngster Zeit.
Die Anzahl der Pilger sei nicht das Wichtigste, sagte der Patriarch, sondern dass die Leute "bei Regen und Wind ohne Murren vier, acht und zwölf Stunden in der Schlange gestanden sind", um sich vor den Reliquien zu verneigen. Kyrill I. bedankte sich bei Papst Franziskus für die Leihgabe der Reliquien. Sie habe sehr zur "Versöhnung von Ost und West" beigetragen. Der Patriarch übergab den Reliquienschrein dem Ökumeneverantwortlichen des Vatikan, Kardinal Kurt Koch. Er begleitet mit einer Vatikan-Delegation die Reliquien des heiligen Nikolaus nach Bari zurück. Der Kardinal hatte die Ausleihe als "großes ökumenisches Ereignis" bezeichnet.
Die erstmalige Leihgabe an Russland wurde infolge des historischen Treffens von Papst Franziskus und Kyrill I. in Havanna im Februar 2016 möglich, der ersten Begegnung eines russisch-orthodoxen Kirchenoberhaupts mit einem römischen Papst überhaupt.
Nikolaus, im 4. Jahrhundert Bischof von Myra (Demre) in der heutigen Türkei, ist einer der meistverehrten Heiligen der Christenheit. Orthodoxe Christen bezeichnen ihn als Wundertäter, in der katholischen Kirche wird er häufig als Nothelfer angerufen. Für viele Russen ist er der wichtigste Heilige überhaupt; ein Hoffnungsträger, den sie um Beistand und Schutz bitten.
Der Bischof war Mitte des 4. Jahrhunderts in Myra beigesetzt worden. Kaufleute aus Bari raubten seine Gebeine aus der durch Überfälle der Seldschuk-Türken gefährdeten Bischofsstadt und brachten sie 1087 in ihre Heimat. Trotz dieses Diebstahls verehren ihn die orthodoxe und katholische Kirche gleichermaßen.
Reliquienverehrung spielt in der orthodoxen Kirche eine große Rolle. Im Jänner 2014 hatten in Moskau und Sankt Petersburg nach offiziellen Angaben 585.000 Menschen die Gaben Weihrauch, Gold und Myrrhe aufgesucht, die das Jesuskind laut der Überlieferung von den Heiligen Drei Königen bekommen hatte. Die Reliquien stammen aus der Mönchsrepublik Athos im Norden Griechenlands. 2011 hatte ein anderes Athos-Kloster die Reliquie des Gürtels der Jungfrau Maria nach Russland ausgeliehen. Zu ihr pilgerten 3,5 Millionen Menschen.