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16.12.2018

Umweltschutz in Europa

Die Umweltpolitik der Europäischen Union

 

 

Längst ist Umweltschutz zu einem zentralen Thema unserer Gesellschaft geworden. Nachrichten über den Klimawandel, den Diesel-Skandal und über die spürbar negativen Auswirkungen der Umweltbelastung dominieren die Berichterstattung.

 

In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten hat es bei uns in Österreich ein starkes Umdenken und eine starke Sensibilisierung für die Umwelt gegeben. Auch zahlreiche kirchliche Einrichtungen und Pfarren haben sich längst verstärkt dem Thema Umweltschutz verschrieben.

 

Doch damit Umweltschutz auf Dauer nachhaltig greift, braucht es auch Maßnahmen, die weit über die eigenen Pfarr- und Landesgrenzen hinausgehen.

 

Im SONNTAG-Interview mit Bernhard Zlanabitnig, dem Leiter des EU-Umweltbüros im Umweltdachverband, stellen wir die Frage, wie die EU nachhaltigen Umweltschutz fördert?


Zlanabitnig: Umweltschutz ist für die EU von großer Relevanz. Seit Ende der 70-er Jahre wurden erste europäische Umweltrichtlinien erlassen und mittlerweile sagt man, dass 80% aller in Österreich geltenden Umweltgesetze aus Brüssel kommen.

 

Seit 2003 liegt der Fokus stark auf dem Klimawandel mit dem Ziel der Reduktion der Treibhausgas-Emissionen, Verbesserung der Energieeffizienz und Fokus auf erneuerbaren Ressourcen.

 

Ist flächendeckender Umweltschutz in ganz Europa überhaupt möglich?

 

Umweltschutz wird sehr oft als Kontrapunkt zu wirtschaftlicher Entwicklung gesehen und es wird häufig versucht, Vorschriften zu verhindern oder zu verwässern.

 

Allerdings zeigen sogenannte Fitness-Checks der EU, die europäische Gesetze auf wirtschaftlich orientierte Kriterien hin überprüfen, dass die Naturschutzrichtlinien der EU keine negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft haben.

 

Ganz im Gegenteil: Im Tourismusbereich bescheinigt eine Studie des Umweltverbandes österreichischen Gemeinden, die auf Umweltschutz (Natura 2000) setzen, sogar durchwegs bessere Bilanzen als Gemeinden ohne Natura 2000-Anteile. Damit wird aufgezeigt, dass Umwelt-Richtlinien wirtschaftliche Entwicklungen sogar beflügeln können.  

 

Wie fördert die EU den Umweltschutz speziell in Österreich?

 

Es gibt keinen speziellen nationalen EU-Umweltschutz. EU-Verordnungen gelten für alle Mitgliedstaaten unmittelbar, EU-Richtlinien müssen national umgesetzt werden.

 

Während Österreich in den Anfangsjahren seiner Mitgliedschaft noch Klassenprimus war und auch sein wollte, sind die Ambitionen in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. So gibt es eine eigene Initiative gegen sogenanntes „Gold Plating“. Darunter versteht die Regierung die unerwünschte Über-Erfüllung von EU-Mindeststandards.


Was heißt das konkret? Welchen Stellenwert hat der Umweltschutz in Österreich im Vergleich mit anderen EU-Staaten?


Österreich steht im Vergleich mit anderen EU-Staaten in vielen Bereichen gut da, besonders im Vergleich zu Süd- und Osteuropa. Andere Länder, wie z.B. Großbritannien im Klimaschutzbereich, oder nordische Länder in Bezug auf die Umsetzung der Agenda 2030, sind jedoch oft viel ambitionierter als das selbsternannte Umweltmusterland Österreich.

 

Österreich verhindert seit Jahren eine Bodenschutzrichtlinie und hat als letztes Land der EU die Natura 2000-Schutzgebiete noch nicht fertig ausgewiesen. Auch im Bereich Landwirtschaft sind wir kein Musterschüler.


Wie passt Tempo 140 auf Österreichs Autobahnen zum Umweltgedanken der EU?


Die Verantwortlichen des „VCÖ - Mobilität mit Zukunft“ (österr. Verkehrsclub) bestätigen, dass Tempo 140 laut einer Zwischenbilanz zu mehr Emissionen führt.

 

Um das Klimaziel zu erreichen, braucht es aber das genaue Gegenteil davon, einen deutlichen Rückgang der Treibhausgase. In Österreich steigen seit dem Jahr 2015 die Treibhausgas-Emissionen des Verkehrs wieder und auch für heuer ist mit einer weiteren Zunahme zu rechnen. Das heißt, wir brauchen mehr Tempo, aber nicht auf der Autobahn, sondern beim Klimaschutz.

 

Was kann jeder Einzelne zum Umweltschutz beitragen?

 

Jeder kann sich bewusst machen, welche Auswirkungen sein Handeln hat. Besonders im Kreislauf-Wirtschaftsbereich gibt es unzählige Möglichkeiten aktiv zu werden: Man kann Müll vermeiden, man kann beim Einkauf seine eigenen Taschen mitbringen, man kann auf regionale und saisonale Bioprodukte setzen. Man kann den Fleischkonsum reduzieren und versuchen, Lebensmittelabfälle zu vermeiden.

 

Auch im Transportbereich kann jeder dazu beitragen, dass man möglichst wenig CO2 produziert (Flugreisen vs. Bahn, Auto vs. Bahn, Fahrrad oder zu Fuß gehen). Jeder liebt die Natur und Umwelt,  aber man muss sie auch wertschätzen und etwas dafür tun!


Ist das Bewusstsein für Umweltschutz eine Altersfrage? Setzen sich z.B. junge Menschen mehr für die Umwelt ein?


Es gibt in allen Bevölkerungsschichten und Altersgruppen viele Menschen, denen Umweltschutz ein echtes Anliegen ist. Viel hat dabei aber tatsächlich mit der Erziehung schon vom Kindergartenalter an zu tun. Im Allgemeinen glaube ich, dass frühe Umweltbildung und Erziehung ganz wesentlich dazu beitragen, wie man später lebt und ob man z.B. Müll trennt.

 

Ich sehe immer mehr junge Menschen, die bewusst zwischendurch auf Fleisch verzichten oder keinen Führerschein haben – aus Umweltschutzgründen.


Ein bewusster Umgang mit der Schöpfung ist auch ein zentrales Anliegen der Kirche. Gibt es Allianzen zwischen Kirche und EU?


Mir fällt sehr oft auf, dass auch in technischen, juristischen und politischen Debatten auf die Umwelt-Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus Bezug genommen wird. Ich denke, damit erreicht man eine große Menge an Menschen, denen erst dadurch bewusst wird, wie wichtig die Erhaltung der Schöpfung ist und wie wichtig Umwelt- und Naturschutz sind.

 

Mich freut es, dass viele Organisationen aus dem kirchlichen Umfeld auf uns zukommen und dass ihnen Umweltschutz ein Anliegen ist.