Papst Franziskus hat Paul Bhatti, Bruder des 2011 ermordeten pakistanischen Ministers Shahbaz Bhatti, mit einer Delegation im Vatikan empfangen. Bei der Audienz am Freitag würdigte der Papst den Einsatz für die Rechte religiöser Minderheiten. Der Katholik Shabaz Bhatti, seit 2008 erster Minister für Minderheiten einer Regierung der Islamischen Republik Pakistan, war 2011 von Mitgliedern einer Taliban-Gruppe ermordet worden. Im März 2016 wurde für Bhatti ein Seligsprechungsverfahren eröffnet.
In seiner Ansprache sagte der Papst, es brauche solche "Brücken der Geschwisterlichkeit und des Dialogs mit anderen Gläubigen", um respekt- und vertrauensvolle Beziehungen aufzubauen. Dabei ermutigte er zu "Entschlossenheit und Sanftmut" beim Beistand für Opfer falscher Beschuldigungen wie auch im Einsatz gegen Sklaverei und Armut.
Anfang 2011 war kurz vor Shahbaz Bhatti auch der liberale Gouverneur des Bundesstaates Punjab, Salmaan Taseer, von Islamisten erschossen worden. Wie Bhatti hatte sich Taseer für eine Reform des Blasphemiegesetzes sowie für die Freilassung der wegen Blasphemie zum Tod verurteilten Christin Asia Bibi eingesetzt.
Die in Pakistan vom Vorwurf der Blasphemie freigesprochene Asia Bibi fürchtet unterdessen um das Leben ihrer beiden Töchter sowie ihrer Helfer, wie das Portal "Vatican News" am Freitag berichtete. "Sobald Asia freigesprochen wurde, mussten wir fliehen", schilderte einer von Bibis engsten Unterstützern, Joseph Nadeem, dem Hilfswerk "Kirche in Not".
Während Asia Bibi von der pakistanischen Regierung zusammen mit ihrem Mann an einem geheimen Ort untergebracht worden ist, um sie vor Übergriffen zu schützen, sind ihre Töchter zusammen mit Nadeems Familie weiter auf der Flucht.
Radikale machten die wechselnden Aufenthaltsorte der Gruppe mit Bibis Töchtern immer wieder ausfindig und bedrohten sie, teilte Nadeem "Kirche in Not" mit: "Wir haben Angst. In den letzten Tagen schossen sie auf die Tore des Hauses, in dem wir uns befanden. (...) Die Islamisten sind auf der Jagd nach uns und jedes Mal, wenn wir erkennen, dass wir in Gefahr sind, fliehen wir sofort. Wir können nicht einmal Essen kaufen gehen. Ich gehe nur nachts mit bedecktem Gesicht aus dem Haus."