Weihnachten ist eine besonders gefährliche Zeit für Perfektionisten. Besonders zu Weihnachten eskaliert das perfektionistische Denken, weil das IST nicht mit dem SOLL zusammenkommt. Das IST repräsentiert die Realität im Hier und Jetzt, das SOLL das erstrebenswerte Ziel (etwa ein wunderschönes Weihnachtsfest). Ein Perfektionist hält die Spanne zwischen IST und SOLL nicht aus, für ihn wird das SOLL zum MUSS.
Ein „Weihnachtsperfektionist“ hat sehr konkrete und starre Vorstellungen, wie Weihnachten sein muss. Er sieht das SOLL nicht mehr als Orientierung, sondern als MUSS, das enormen Druck aufbaut. Das Weihnachtsessen zum Beispiel muss großartig sein, besser als das des Nachbarn und besser als letztes Jahr. Auch die Geschenke „müssen“ superb und einzigartig sein – und mit diesem Stress versaut er sich die Adventzeit.
Dabei übersieht er das Wesentliche. Der Perfektionist ist innerlich leer, er hat schon lange den lebendigen Glauben an die Menschwerdung Christi verloren und kreist nur mehr um sich selbst. Der Perfektionist ist angstgetrieben, er hat Angst vor Tadel, Scheitern und Schande und will unangreifbar, makellos sein. Ihm geht es nicht um die Sache an sich (die Geburt Christi), sondern um seine persönliche Außenwirkung. Das nennt man in der Psychologie das ichhafte Denken, im Gegensatz zur Sachlichkeit.
Der Perfektionist führt alles viel zu sehr auf sich selbst zurück, er will – meist unbewusst – soziale Ausgrenzung vermeiden und geliebt werden und ist über die Maßen abhängig von der Wertschätzung anderer.
Das Weihnachtsfest kann auch für den Perfektionisten gelingen, wenn er über seine Vorstellungen reflektieren und darüber lächeln kann, dass der Braten nicht ganz pünktlich fertig geworden ist und er sich klar macht, dass Weihnachten eine andere Bedeutung hat.
Wenn er sich über seine Prioritäten klar wird – zum Beispiel, dass es wichtiger ist, dass die Familie zusammenkommt und den Glauben an Jesus Christus und seine Geburt feiert – kann er von seinen stressauslösenden Vorstellungen Abschied nehmen und akzeptieren, dass Weihnachten auch mal anders sein kann! Dann wird das Fest freier und attraktiver.