Kinderbetreuung wird für Frauen Jahre später oft zu einer Armutsfalle, die es dringend zu entschärfen gilt: Darauf hat die ökumenische Plattform "alt.arm.weiblich" am Montagabend bei einer Veranstaltung in der Wiener Superintendentur aufmerksam gemacht. Der daran beteiligte Katholische Familienverband Wien wiederholte am Dienstag die gemeinsame Forderung nach mehr Pensionsgerechtigkeit. Folgen der Frauenarmut seien nämlich auch u.a. Einsamkeit, Ausgrenzung oder Einschränkung in den Entscheidungsoptionen.
Der Ausstieg aus dem Berufsleben für die Kinder und die anschließende Teilzeitarbeit bis zu deren Selbständigkeit sei für viele Frauen "ein Klassiker" - bei deutlich negativen Folgen für die künftige Pension, heißt es in der Aussendung. Gelinge der Wiedereinstieg nicht sofort, komme es zu einer Scheidung oder sei nach einigen Jahren eine Vollzeitbeschäftigung nicht mehr möglich, verschärfe sich die Situation. "Kindererziehung kostet Pension", stellte der Katholische Familienverband fest.
Die Politik sollte das Pensionssplitting bekannter machen, die Teilzeitarbeit aufwerten, Vätern die Karenz erleichtern oder unbezahlte Familienarbeit pensionsrechtlich besser berücksichtigen, nannte der Familienverband einige seiner Vorschläge zu dieser Problemlage. "Wir müssen kreative Ideen entwickeln, um diesem Prozess nachhaltig gegenzusteuern. Kinder zu erziehen und zu betreuen ist ein wichtiger Beitrag an die Gesellschaft, diesen gilt es aufzuzeigen und zu honorieren", so die Wiener Verbandsvorsitzende Barbara Fruhwürth. Da Familienleben Zeit brauche, solle die Politik dies auch ermöglichen in einer Form, bei der die Betreffenden später nicht draufzahlen müssten.
Wie der Familienverband in seiner Aussendung hinwies, können laut geltender Rechtslage Eltern derzeit für die Zeiten der Kindererziehung ein freiwilliges Pensionssplitting vereinbaren.
Der erwerbstätige Elternteil kann dabei für die ersten sieben Jahre nach der Geburt des Kindes bis zu 50 Prozent seiner Pensionsgutschrift an den anderen Elternteil übertragen. Damit kann der finanzielle Verlust aus der Kindererziehung minimiert werden. Sinnvoll wäre es laut dem Verband, diese Variante bekannter und eventuell auch verpflichtend mit einer "Opt-out"-Option machen - "damit sich Menschen Gedanken machen darüber", hieß es seitens des Familienverbandes.
Laut "alt.arm.weiblich" ist jeder zehnte Österreicher von Altersarmut betroffen, Frauen darunter dreimal häufiger als Männer. Die durchschnittliche Alterspension in Österreich beträgt für Männer 1.419 Euro, für Frauen nur 842 Euro - um 40 Prozent weniger. Vielen Pensionisten, vor allem Frauen, bleibe am Monatsende oft nichts im Geldbörsel übrig, zeigten Erfahrungen etwa in den Pfarren. Um das Bewusstsein und die Prävention dafür zu stärken, will die Plattform eine Stimme für Arme sein, Einrichtungen vernetzen, politische Forderungen stellen und über Unterstützungen informieren.
Der zu Jahresbeginn gegründete Initiative gehören die Kategoriale Seelsorge der Erzdiözese Wien, die Stadtdiakonie Wien, die Katholische Frauenbewegung, der Katholische Familienverband, das Katholische Bildungswerk und das Projekt "Anima" an. Mehrere prominente Frauen wie u.a. Erika Pluhar oder Margit Fischer unterstützen die Plattform.