Pater Karl Wallner ist bereits auf der Couch von „Wetten, dass“- Moderator Thomas Gottschalk gesessen und hat als Mitglied der singenden Mönche aus dem Stift Heiligenkreuz „CHANT“ international die Charts gestürmt. Er hat also in seinem Leben bereits einiges erlebt.
Doch am meisten berührt hat ihn ein Erlebnis in seiner Funktion als Missio-Nationaldirektor: „Ich leite Missio-Österreich jetzt seit ziemlich genau zwei Jahren. Im Zuge dieser Tätigkeit habe ich bis jetzt sieben Länder besucht, um mir unsere Missionsprojekte in den ärmsten Ländern der Welt vor Ort selbst anzuschauen.
Im Dezember 2017 war ich in Tansania und habe dort eine Schule besucht, die ein Bischof gerade dabei war aufzubauen. Dort habe ich eine Schar von etwa 100 Kindern mit Albinismus gesehen, die unter Polizeischutz standen.
Und zwar deshalb, weil diese Kinder mit dem seltenen Gendefekt in Tansania normalerweise entführt und getötet werden. Schuld daran ist ein althergebrachter und weitverbreiteter Geister- und Aberglaube, der besagt, dass es Reichtum bringt, wenn man Körperteile von Kindern mit Albinismus vergräbt.
Es war für mich so bedrückend zu sehen, wie eingeschüchtert und gezeichnet vom Leben diese Kinder waren: Sie lachten nicht, sie spielten nicht, sie durften nicht Kind sein.
Deswegen bin ich dann nach Österreich zurückgekehrt und wir haben mit Missio Österreich ganz aktiv Spenden gesammelt, um das Schulprojekt tatkräftig zu unterstützen. Und ich war auch heuer im Juli noch einmal dort: Die Schule war fertiggebaut, auch ein angeschlossenes Haus für die Kinder und die Schwestern, die sie betreuen.
Und die Stimmung war eine ganz andere. Die Kinder haben gelacht und gespielt, sie haben Vertrauen zu den Schwestern entwickelt und offensichtlich haben sie nicht nur eine Schule und einen Ort geschenkt bekommen, an dem sie sicher sind – sondern ein Stück weit auch wieder eine unbeschwerte Kindheit“, erzählt Pater Karl sichtlich emotional berührt im Interview mit dem SONNTAG.
Und er ergänzt: „In solchen Momenten weiß man, warum sich der Einsatz lohnt. Ich bin jedem dankbar, der mit seiner Spende und seinem Gebet zu solcher Hilfe beiträgt.“
Auch weit über Tansania hinaus unterstützen die Päpstlichen Missionswerke zahlreiche Hilfsprojekte in Afrika, Asien und Lateinamerika, in den größten Armutsregionen der Erde.
Neben Österreich gibt es Missio-Nationaldirektionen in weiteren 130 Ländern der Welt. Unterstellt sind sie – wie der Name schon sagt – dem Papst direkt. Und gerade Papst Franziskus, der ja immer betont, dass er ein Papst der Armen ist, möchte die Wichtigkeit und die Bedeutung der Päpstlichen Missionswerke für die gesamte Kirche unterstreichen. Deshalb hat er hat für kommenden Oktober einen „Außerordentlichen Monat der Weltmission“ ausgerufen.
„Die Päpstlichen Missionswerke bringen seit fast 100 Jahren, seit 1922, ein Stück weit Hoffnung und Hilfe in die ärmsten Länder der Welt. Damit das auch weiter so bleibt und damit allen Christen auch weiterhin bewusst ist, dass die Nächstenliebe und die Hilfsbereitschaft nie vor der eigenen Tür endet, hat der Papst diesen Außerordentlichen Monat der Weltmission ausgerufen.
Wir wollen im ganzen kommenden Jahr bis zum Oktober 2019 Mission zum Thema Nummer 1 machen. Das hilft sicher dabei, dass uns die Verantwortung, die wir als Christen für die Welt haben, noch besser bewusst wird“, erklärt Pater Karl Wallner.
Pater Karl Wallner: „Der Papst ruft die Gläubigen in seiner Videobotschaft, die vor ein paar Tagen online gegangen ist, dazu auf, die Arbeit der Päpstlichen Missionswerke zu unterstützen.
Einerseits durch Spenden, denn alle Hilfsprojekte sind spendenfinanziert. Und andererseits durch aktives Gebet. Wir glauben ganz stark an die große Kraft des Gebetes und der Papst bittet uns alle darum, dass wir für die Christen und Menschen in den ärmsten Ländern der Welt aktiv beten.
Neben der Hilfe, die wir als Missio überall auf der Welt leisten, geht es bei uns auch ganz zentral um Gott – um die Mission. Also darum, die Freude, die wir durch Gott empfangen haben, zu teilen und weiterzugeben, das Evangelium zu verkünden“, erklärt Pater Karl.
Neben zahlreichen Hilfsprojekten unterstützen die Päpstlichen Missionswerke überall auf der Welt Priesterausbildungen, unter anderem in Form von spendenfinanzierten Priesterpatenschaften, baut und saniert Kirchen, unterstützt Österreichische Missionarinnen und Missionare in aller Welt, und stärkt vor allem die Weltkirche: Missio baut aktiv christliche Gemeinden auf und ermöglicht so lebendige Gemeinschaften und Orte des gemeinsamen Gebets.
Pater Karl Wallner: „Es geht uns nicht darum, sprichwörtlich die Bäuche zu füllen, wenn Menschen Hunger haben. Sondern Menschen haben auch Hunger nach Gott. Deswegen ist es unsere Aufgabe, dass wir versuchen, ihnen auch das Evangelium als Nahrung anzubieten. Denn das ist die einzige Nahrung, die die Seele füllt.“
Für das anstehende Jahr hat Missio Österreich mit Blick auf den Außerordentlichen Monat der Weltmission große Pläne – erklärt der Missio-Nationaldirektor.
Zum einen möchte er mit einer „Young Missio“ die Bildungsarbeit von Missio auf neue Beine stellen, die missionarisches Feuer in Österreich verbreitet und den christlichen Auftrag für die Weltkirche, den wir alle haben, erfrischend und mit neuer Kraft zu den Menschen bringt.
Außerdem soll ein medialer Schwerpunkt gesetzt werden – indem im ORF und anderen Medien gezeigt und darüber berichtet wird, wie viel Positives und Großartiges österreichische Missionarinnen und Missionare in aller Welt leisten.
Karl Wallner: „Ich bin überwältigt davon, wie viele Menschen ihr gesamtes Handeln und Leben einsetzen, um etwas Gutes zu tun. Das sind für mich Helden der Liebe.“
Und für den Oktober hat Papst Franziskus alle Pfarren aufgerufen, sich am Monat der Weltmission zu beteiligen und neue missionarische Wege zu gehen.