Seit alters her werden Samen und Saatgut als Grundlage des Lebens hoch verehrt und geschätzt. In der Bibel ist das Aussäen ein immer wiederkehrendes Thema.
Im Buch Genesis lässt Gott „junges Grün wachsen, alle Arten von Pflanzen, die Samen tragen, und von Bäumen, die auf der Erde Früchte bringen mit ihrem Samen darin“ und legt damit die Quelle allen Lebens.
Die enorme Kraft, die in einem kleinen Samenkorn verborgen ist, schildert Jesus im Gleichnis vom Senfkorn. Über sich selbst sagt Jesus: „Wenn das Weizenkorn nicht auf die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht“ (Joh 12, 24).
Es scheint, dass heute viele Menschen den Bezug zu Samen und Saatgut mehr und mehr verlieren und zugleich die Saatgut-Vielfalt, unabdingbare Grundlage unserer Ernährung, zunehmend bedroht ist.
Die Dokumentarfilmemacher Taggart Siegel und Jon Betz machen genau das zum Thema in ihrem Film „Unser Saatgut – Wir ernten, was wir säen“, der derzeit in unseren Kinos läuft.
Trailer:
Samen ernähren uns, geben uns Kleidung und liefern die wichtigsten Rohstoffe für unseren Alltag. Der aktuelle Film macht deutlich, dass diese wertvolle Ressource bedroht ist.
Mehr als 90 Prozent aller Saatgutsorten sind bereits verschwunden. Biotech-Konzerne wie Syngenta und Bayer kontrollieren heute 60 Prozent aller gewerblichen Samen und treiben Bauern mit gentechnisch veränderten Sorten in ihre Abhängigkeit.
„Der Zugang zu Saatgut und seine Vielfalt sind gefährdet“, bestätigt Judith Zimmermann-Lackner von der Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für internationale Entwicklung und Mission (KOO): „Rahmenbedingungen wie Patentierung, Pestizide, Hybridsorten (Kreuzungen) und sogenannte GVOs (genmanipulierte Sorten) verringern die Vielfalt stark.“
Ein im Herbst aktuelles Beispiel sind Kürbisse. Von 800 Sorten werden aktuell nur fünf kommerzialisiert und somit kultiviert, d. h. nur deren Samen sind auch weiterhin erhältlich. „Die Saatgut-Vielfalt wurde stark minimiert – wir nutzen nur sehr wenig. Die anderen Sorten gehen verloren, weil sie nicht weiter kultiviert werden. Wenn das Saatgut nicht in Saatgutbanken erhalten wird und das traditionelle Wissen zum Umgang nicht weitergegeben wird, geht es verloren.“
Der Film „Unser Saatgut –Wir ernten, was wir säen“ zeigt einen anderen Umgang und erzählt von Menschen, die bemüht sind, Samen für die nächste Ernte zu erhalten wie z. B. die Hopi-Indianer im Süd-Westen Amerikas. Sie verstehen sich seit Urzeiten als Hüter der Samen. Die Hopis kultivieren eine Vielzahl an Maissorten (von rot, weiß, gelb bis zu violett) und bewahren das Wissen um den Anbau.
Gefahr für diese uralte Kultur des Säens und Erntens droht von Seiten mächtiger Konzerne, die auf Monokulturen setzen und die Bauern durch patentiertes Saatgut und die dazugehörigen Spritzmittel in ihre Abhängigkeit bringen.
Im Film „Unser Saatgut“ wird von einem indischen Kleinbauern erzählt, der sich einen Kredit bei der Bank nimmt, um sich genetisch verändertes Saatgut zu kaufen. „Dieses ist aber empfindlich und aufwendig in der Pflege“, weiß Judith Zimmermann-Lackner. Die Ernte fällt aus und der Bauer kann den Kredit nicht zurückzahlen. Viele indische Kleinbauern werden auf diese Weise um ihre Lebensgrundlage gebracht und begehen Selbstmord.
Berichtet wird aber auch von jungen mutigen Frauen, die auf „altes“ Saatgut und ökologische Landwirtschaft setzen. Ermutigt dazu werden sie u. a. von der Wissenschaftlerin und Aktivistin Vandana Shiva, die im Film mehrfach zu Wort kommt: „Wir müssen die Vielfalt und die Freiheit des Lebens schützen.
Gebt dem Saatgut seine Freiheit, damit auch wir Menschen unsere Freiheit behalten können“, betont Vandana Shiva. „In Subsahara-Afrika sind es zu 80 Prozent Frauen, die das Land bestellen, das Saatgut pflegen, bewahren und das Wissen zum Anbau an die nächste Generation weiter geben“, berichtet Judith Zimmermann-Lackner.“
Die Leitlinien für die Entwicklungszusammenarbeit seien hier ein guter Weg, um die Frauen dabei zu unterstützen.
Was können wir in unseren Breiten tun, um die Saatgut-Vielfalt zu erhalten? Zimmermann-Lackner: „Wir sollten viel bewusster mit unseren Lebensmitteln umgehen. Die Selbstverständlichkeit, dass wir immer alles haben, ist unglaublich.
Wichtig ist, Regionalprodukte kaufen. Äpfel aus Neuseeland, wie sie derzeit ein Supermarkt zu unserer Apfelernte anbietet, sind da ein absolutes No-Go!“