Der Tod des früheren "Kurier"-Redakteurs, Shoah-Überlebenden, Zeitzeugen und Mitglieds des Beirats des Christlich-Jüdischen Koordinierungsausschuss, Rudolf Gelbard, hat zahlreiche Reaktionen hervorgerufen. Neben dem Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG), Oskar Deutsch, äußerten sich aus den österreichischen Kirchen u.a. der frühere Dekan der Wiener Katholisch-theologischen Fakultät Martin Jäggle und Caritas-Präsident Michael Landau. "Ein wichtiger Zeitzeuge und ein unerschrockener Mahner gegen alle Formen von Intoleranz und Unmenschlichkeit" sei in der ewigen Ruhe, so Landau auf Twitter.
Martin Jäggle, der Ko-Vorsitzender des Koordinierungsausschusses ist, schrieb, Österreichs jüdische Gemeinde verliere ein herausragendes Mitglied und das Land einen "engagierten, glaubwürdigen Zeitzeugen einer mörderischen Epoche und Ideologie und einen Kämpfer gegen Antisemitismus, Faschismus, Nazi- Ideologie und deren Wiederbelebung sowie jeglichen Hass gegen die Anderen". Der Koordinierungsausschuss verliere einen guten Freund und ein langjähriges Mitglied seines Beirats.
Rudolf Gelbard, der in der Nacht auf Mittwoch, 24. Oktober 2018 starb, wurde am 4. Dezember 1930 geboren und wuchs in Wien-Leopoldstadt auf. Im Oktober 1942 verschleppten ihn die Nazis mit seinen Eltern in das Konzentrationslager Theresienstadt. Gemeinsam mit ihnen erlebte er die Befreiung am 8. Mai 1945. "Seine frühen Erfahrungen von Demütigungen in der Kindheit, die Erlebnisse während der Novemberpogrome und schließlich die Deportation nach Theresienstadt, wo er einen Teil seiner Kindheit und Jugend verbringen musste, wurden für Rudolf Gelbard zu einer Triebkraft, sein Leben dem Kampf gegen Neofaschismus zu widmen und sich für Israel zu engagieren", schrieb die IKG in einer Aussendung am Mittwoch.
Ende der 1940er-Jahre absolvierte Gelbard die Akademie der Sozialistischen Jugend Österreich, in den 1950er-Jahren die Parteischule der SPÖ Wien. Beruflich war Gelbard beim "Kurier" tätig. Am 7. Dezember 1996 wurde er in den Bundesvorstand der Freiheitskämpfer gewählt und gehörte diesem bis zu seinem Tode an. Für sein Engagement erhielt er zahlreiche Auszeichnungen. Er war ein wichtiger Zeitzeuge für die Jugend an den Schulen und ein unerschrockener Mahner gegen alle Formen von Intoleranz und Unmenschlichkeit, woran die IKG erinnerte.
Gelbard erhielt zahlreiche Ehrungen. Laut IKG war es ihm ein großes Anliegen, möglichst viele Menschen zu erreichen, was insbesondere mit der Dokumentation seiner Lebensgeschichte in dem Film "Der Mann auf dem Balkon", der auch im Fernsehen gebracht wurde, gelungen sei. Vor wenigen Jahren wirkte er bei der Zeitzeugenproduktion "Die letzten Zeugen" am Wiener Burgtheater mit, bei der Zeitzeugen über ihr Schicksal berichteten. Diese Produktion wurde in der Folge auch in Deutschland gezeigt.