Donnerstag 21. Mai 2026

Schnellsuche auf der Website

04.10.2018

Welttierschutztag am 4. Oktober

Tiere erstaunen die Forscher immer mehr

 

 

Sie sprechen mit Ihren Tieren? Dann liegen Sie durchaus richtig. Verhaltensforscher und Kognitionsbiologen entdecken zunehmend, wie schlau Tiere sind und wie kommunikativ und sozial sie leben. Die neueste Forschung zeigt, „dass Tiere auf viel komplexere Weise miteinander kommunizieren als man früher angenommen hat“, schreibt die niederländische Philosophin Eva Meijer in ihrem 2018 erschienen Buch „Die Sprachen der Tiere“.


Freudentanz der Präriehunde

Eva Meijer bringt viele Beispiele aus der Tierwelt, die staunen lassen: Präriehunde (sie gehören zur Familie der Erdhörnchen) verwenden für verschiedene Eindringlinge verschiedene Laute.

 

Ihren Gruppenangehörigen teilen sie mit, ob der Feind aus der Luft oder zu ebener Erde kommt und sie beschreiben den Eindringling detailliert. Sie informieren einander, ob es sich z. B. um einen Menschen handelt, wie groß dieser ist, welche Farbe seine Kleidung hat und ob er einen Regenschirm oder eine Pistole bei sich trägt. Präriehunde kennen auch eine Art  Freudentanz, bei dem sie sich auf die Hinterpfoten setzen und die Vorderpfoten wie begeistert nach hinten werfen – das Verhalten wirkt ansteckend wie eine La-Ola-Welle im Fußballstadion und geht auf die ganze Gruppe über.


Vögel haben kein „Spatzenhirn“

Zunehmend von der Kognitionsbiologie erforscht wird die Vogelwelt. Krähen halten (wie übrigens auch Raben, Elstern, weitere Vogelarten und Elefanten) Begräbnisse ab, haben ein sehr gutes Gedächtnis und verfügen über eine Art Sprache.

 

Der Krähenforscher Michael Westerfield konnte zeigen, dass Krähen bestimmte Laute für „Mensch“, „Hund“ und „Katze“ einsetzen und sogar alte Katzen (die nicht mehr jagen) und junge Katzen lautlich unterscheiden. Von „Spatzenhirn“ kann also keine Rede mehr sein. „Vögel haben nicht nur generell eine größere Dichte an Neuronen (Nervenzellen) im Gehirn als Säugetiere, vor allem bei Papageien und Rabenvögeln sind sie auch stark auf das Vorderhirn konzentriert“, erklärt Tecumseh Fitch vom Department für Kognitionsbiologie der Universität Wien.

 

Man weiß heute: Vögel haben in ihren kleinen Gehirnen genauso viele graue Zellen wie Menschenaffen. Je mehr sich die Wissenschaftler mit den geistigen Fähigkeiten der Vögel beschäftigen, umso mehr staunen sie: Raben wissen, wenn ihnen jemand zusieht (dann verstecken sie ihr Futter nicht), Elstern erkennen sich im Spiegel und Krähen basteln „durchdachte“ Werkzeuge. Papageien sind in der Lage, hunderte Worte zu lernen und sinnvoll einzusetzen, tanzen zu Rhythmen und können mit Stöckchen an Bäumen Schlagzeug spielen.   


Schlaue Schweine in Bad Vöslau

Um schlauen Tieren zu begegnen, muss man nicht weit reisen. Auf dem Gebiet der Erzdiözese Wien erforschen Wissenschaftler der Veterinärmedizinischen Universität Wien bei Bad Vöslau auf dem Haidlhof die Kognition von Raben, Krähen, Papageien und Kune Kune Hausschweinen. Letztere sind seit über drei Jahrhunderten als Freilandrasse in Neuseeland bekannt.

 

Kune Kune sind relativ klein, sehr rundlich und haarig. Ihr besonderes Kennzeichen sind zwei kleine pelzige Anhängsel an den Seiten des Unterkiefers. Sie haben kurze Beinchen und eine stumpfe Schnauze. Das putzige Aussehen tut ihrer Intelligenz keinen Abbruch: „Schweine sind sehr soziale Tiere. Sie pflegen Gemeinschaft, lernen voneinander und unterstützen sich gegenseitig“, teilen die Forscher vom Haidlhof auf ihrer Internetseite mit.

 

Rund 40 Schweine werden systematisch von ihnen beobachtet und kontrolliert mit Intelligenzaufgaben getestet. Faszinierend: Jedes der Tiere hört – auch aus weiter Entfernung – auf seinen Namen. Tests haben gezeigt, dass die Schweinchen Gesichter erkennen und Emotionen wie Freude oder Ärger unterscheiden können. Auch Stress und Wohlbefinden werden untersucht, die Ergebnisse ethisch reflektiert.

 

Tiere sind intelligenter als bisher angenommen und verdienen unseren Respekt. „Tiere und Pflanzen sind nicht allein unter ihrem Nutzen für uns Menschen zu betrachten, sondern als Wesen mit eigenen Bedürfnissen zu respektieren“, betont der Linzer Moraltheologe Michael Rosenberger.

 

Biblischer Umgang mit Tieren

Biblisch ist ein gerechter Umgang mit Tieren bereits im Alten Testament begründet. Dieser wird im Neuen Testament fortgeschrieben. Nach seiner Taufe geht Jesus in die Wüste und lebt dort mit den wilden Tieren.

 

Eine „starke Aussage“ liefert laut Michael Rosenberger Paulus in seinem Römerbrief, wo er die gesamte Schöpfung in eine Schicksalsgemeinschaft mit dem Menschen stellt. „Tiere gut zu behandeln ist also ein unverzichtbarer Bestandteil des Mitwirkens am Reich Gottes“, betont Michael Rosenberger.

 

Papst Franziskus hat in seiner Umwelt-Enzyklika „Laudato si“ den Eigenwert aller Geschöpfe postuliert. Sein Namensvorbild Franz von Assisi feiern wir am 4. Oktober. Der Schutzpatron der Tiere hat – wie übrigens viele Heilige – ganz direkt mit den Tieren kommuniziert und diesen sogar gepredigt.