Freitag 3. Juli 2026

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Ursulinen
21.08.2018

Verborgen in den Tiefen der Stadt

In keinem Reiseführer aufgelistet: die letzte Ruhestätte der Ordensfrauen im alten Ursulinenkloster.

 

 

 

Wien im Juli 2018: Tausende Touristen fangen mit ihren Smartphones Eindrücke in der Innenstadt ein. Stephansdom, Hofburg, Mozarthaus, Staatsoper ... so lauten ihre Zieladressen. Der SONNTAG geht andere Wege und besucht für unsere Sommerserie „Lost Places – Reise ins Damals“ einen für normale Stadttouristen unsichtbaren Ort im unterirdischen Wien.

 

„Seilerstätte 26“ lautet die Adresse und sie ist der offizielle Eingang der Universität für Musik und darstellende Kunst (Institut für Kirchenmusik, Orgel und Orgelforschung) in Wien.

 

Rechts oben vom Eingang an der Hausfassade ist eine Büste des hl. Klemens Maria Hofbauer zu sehen, der hier „in der Kirche und im Kloster der ehrwürdigen Ursulinen“ von 1813 bis zu seinem Tod 1820 gewirkt hat, wie es auf einer Inschrift heißt.


Im Eingangsbereich der Musikuni empfängt die Besucher ein modernes, frisch-renoviertes Ambiente aus Glas, beigefarbenen Marmorfliesen und Stahlgeländern.

 

Schulwart Gerhard Metzker erwartet mich bereits. Er hat den Schlüssel und die Genehmigung, uns in die Tiefen des Hauses hinabzuführen.  

 

Stufe um Stufe geht es nach unten und dann Gänge entlang. Die Betonwände sind weiß getüncht, über uns verlaufen dicke metallene Rohre, aus denen ein sanftes Rauschen zu hören ist. „Die Klimaanlage“, erklärt Metzker und bleibt vor einer unscheinbaren weißen Brandschutztüre mit braunem Kunststoffgriff stehen. Er schließt auf – auch der Lichtschalter muss mit einem Schlüssel betätigt werden.

 

Das Neonlicht flackert auf und dann stehe ich mitten unter ihnen: den hier in Grabnischen beigesetzten ehrwürdigen Ordensfrauen des einstigen Ursulinenklosters.  


Zufluchtsort bei der Türkenbelagerung

Einen „Gruß“ an die hier Ruhenden hatte mir einige Tage zuvor Sr. Maria Elisabeth Göttlicher im Gespräch aufgetragen. Die ehemalige Provinzoberin der Ursulinen in Österreich kennt wohl wie kaum jemand anders die Geschichte des Frauenordens:

 

„1660 hatte Kaiserin Eleonore, Gattin von Kaiser Leopold I., die Ursulinen nach Wien geholt. Kurz darauf wurde das Kloster in der Johannesgasse/Ecke Seilerstätte samt Klosterkirche gebaut“, erzählte Sr. Maria Elisabeth und: „Bei der Wiener Türkenbelagerung 1683 haben die Schwestern in der Gruft Zuflucht gesucht und dort bei Kerzenschein den Rosenornat, ein berühmtes Messgewand, gestickt.“


In der Ursulinen-Gruft fanden Ordensfrauen des traditionellen Schulordens bis ins 19. Jahrhundert hinein ihre letzte Ruhestätte. Sr. Maria Elisabeth: „Als der Stadtphysikus Bestattungen in der Gruft nicht mehr erlaubte, mietete der Orden ein Stück des Simmeringer Friedhofs.“

 

1960 übersiedelten die Ursulinen schließlich aus der Innenstadt in das neu gebaute Ordenshaus in Mauer. In der dortigen Ordensschule werden heute rund 1.000 Schüler unterrichtet. Im alten Ursulinen-Kloster öffneten in den folgenden Jahren die Musikuniversität und ein Studentenheim ihre Pforten.

 

Verborgener Ort der Ruhe

In der Ursulinen-Gruft herrscht Stille. Nur das leise Rauschen aus den Rohren der Klimaanlage vom Gang dringt leise herüber. An einigen vermauerten Grabnischen sind schmiedeisene Kruzifixe befestigt und Metall-Täfelchen, die über die hier Bestatteten Auskunft geben.

 

Der Text schließt stets mit „Requiescat in Pace“: Ruhe in Frieden. Auffallend sind Gräber, die offenbar zu kurz waren und aus denen der Sarg, mit Mörtel bedeckt, auf Brettern herausragt.

 

Ein steinerner Altar mit einem Holzkreuz ist zu sehen. Eine Treppe führt zu einer vermauerten Stelle. „Hier befand sich der Originaleinang aus der darüber liegenden Kirche“, erklärt mir Schulwart Gerhard Metzker. Und er ist so freundlich, mir auch das Gotteshaus zu zeigen.

 

Hier in St. Ursula finden auch heute noch Gottesdienste und Konzerte statt. Ich trete danach durch eine Tür auf die Johannesgasse hinaus und hier ist es wieder: das Wien des Jahres 2018.