Papst Franziskus hat erneut dazu aufgefordert, auf die aktuellen Herausforderungen durch Flucht und Migration solidarisch zu reagieren und Brücken statt Mauern zu bauen. "Die einzige vernünftige Antwort" bestehe "in Solidarität und Barmherzigkeit", sagte er am Freitag, 6. Juli 2018 bei einer Messe für ums Leben gekommene Migranten, Überlebende sowie in der Flüchtlingshilfe engagierte Menschen im Petersdom. Diese Antwort, dürfe "nicht zu viele Berechnungen anstellen", sondern erfordere "eine gerechte Aufteilung der Verantwortung, eine angemessene und ehrliche Beurteilung der Alternativen und eine umsichtige Handhabung".
Der Papst feierte die Messe anlässlich des fünften Jahrestages seines Besuchs auf Lampedusa im Juli 2013. Damals habe er sich "zur Stimme des ständigen Appells an die menschliche Verantwortung gemacht: 'Wo ist dein Bruder?'" "Leider waren die Antworten auf diesen Appell, auch wenn sie großherzig waren, nicht ausreichend, und so beweinen wir heute Tausende von Toten", sagte Franziskus.
Weiter kritisierte er "viele Arten des Stillschweigens", unter anderem "das Stillschweigen des 'Wir' im steten Gegensatz zum 'Ihr'", und warnte vor einer Verschlossenheit gegenüber Menschen, die "wie wir ein Recht auf Sicherheit und auf Bedingungen für ein würdiges Leben" hätten.
Eine "gerechte Politik" diene "allen betroffenen Personen" und kümmere sich um geeignete Lösungen zur Gewährleistung der Sicherheit und auch um die "Achtung der Rechte und der Würde aller". Sie verstehe es, "auf das Wohl des eigenen Landes zu schauen und zugleich das der anderen Länder zu berücksichtigen", mahnte der Papst, ohne gegenwärtige innereuropäische Debattenbeiträge eigens zu erwähnen.
Die Geretteten wiederum forderte Franziskus auf, "unter Achtung der Kultur und der Gesetze der Aufnahmeländer gemeinsam am Weg der Integration" mitzuarbeiten. Sei sollten "Zeugen der Hoffnung" sein, in einer Welt, "die täglich mehr um ihre Gegenwart besorgt ist, aber kaum Zukunftsperspektiven hat und unwillig ist zu teilen". An der Messe nahmen rund 200 Menschen teil, darunter Migranten und Flüchtlinge aus Afrika und Nahost, Ehrenamtliche der Flüchtlingshilfe, aber auch Offiziere der italienischen Küstenwache.
Bei seiner ersten Reise außerhalb des Vatikan am 8. Juli 2013 hatte Papst Franziskus die italienische Mittelmeerinsel Lampedusa besucht. Mit einem Blumenkranz, den er ins Wasser warf, einer Begegnung mit Migranten sowie einer Messe gedachte Franziskus der zu Tode gekommenen Flüchtlinge, machte auf das Schicksal der Betroffenen aufmerksam und kritisierte "weltweite Gleichgültigkeit". Das Thema ist seither eines der großen Anliegen seines Pontifikats.