
Johann Adolph Hasse war einer der gefeiertsten Komponisten des 18. Jahrhunderts. Maria Theresia und Friedrich II. von Preußen bewunderten ihn, der französische Phlilosoph Voltaire nannte ihn „Held des Jahrhunderts“.
Geboren wurde Johann Adolph Hasse 1699 in Bergedorf, das heute zu Hamburg gehört. Nach ersten Erfolgen als Tenor an der Oper ging Hasse nach Italien und studierte unter anderem bei Alessandro Scarlatti, dem Erneuerer der Barockmusik.
Bald schon zählte Johann Adolph Hasse zu den beliebtesten Opernkomponisten Italiens und erhielt den Beinamen „il divino Sassone“ – „der göttliche Sachse“.
Als Hasses herausragendste Komposition und beispielgebendes Meisterwerk sakraler Musik gilt sein Oratorium „Die Pilger“ („I Pellegrini al Sepolcro di Nostro Signore“).
Zum Erfolg trug das Libretto von Stefano Benedetto Pallavicino wesentlich bei, Zeitgenossen sahen darin den idealen Oratorientext.
In der Kirchenoper erreichen vier Pilger nach langer Wallfahrt endlich Jerusalem. Ein Eremit führt sie durch die zerstörte Stadt zu den Stätten der Passion Christi, die Wallfahrer sind zutiefst erschüttert und ergriffen.
Die Leidensgeschichte Jesu wird durch das Mitempfinden der vier Pilger erzählt, sie stehen stellvertretend für alle Zuhörer und Zuhörerinnen.
Das Festival der „Offenen Grenzen“ (23. Juni bis 29. Juli) in Retz und im benachbarten Znojmo bringt Johann Adolph Hasses Oratorium in einer neuen Fassung zur Aufführung, erweitert und ergänzt mit Chören aus seinem Requiem in Es-Dur und dem Miserere in c-moll.
Die Handlung wird in die Gegenwart verlegt. Als Pilger treten eine italienische Ordensschwester, ein griechischer Theologiestudent, eine amerikanische Touristin jüdischer Herkunft und ein palästinensischer Bewohner Ostjerusalems auf.
Die Sehnsucht hat sie alle nach Jerusalem geführt, das von den unterschiedlichen Ansprüchen und Interessen zerrissen ist.
Regisseurin Monika Steiner zeigt, was Jerusalem sein könnte: ein Ort des Friedens und Miteinanders der verschiedenen Religionen. So wie das Festival „Offene Grenzen“ die Menschen diesseits und jenseits der österreichisch-tschechischen Grenze bei Musik und Literatur zusammenbringt.