Papst Franziskus hat den bolivianischen Präsident Evo Morales im Vatikan empfangen. Die private Begegnung am Samstagvormittag, 30. Juni 2018 dauerte laut beobachtenden Journalisten etwa mehr als eine halbe Stunde. Während der "herzlichen" Unterredung seien die gegenseitigen guten Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und Bolivien hervorgehoben worden, teilte der Vatikan im Anschluss mit. Weiter sei es um die Situation vor Ort in Bolivien gegangen, hieß es in einer knappen Erklärung.
Beim Eintreffen im Apostolischen Palast grüßte Morales den Papst auf Spanisch mit den Worten "Danke, Bruder Papst". Franziskus entgegnete, ebenfalls auf Spanisch, "Willkommen", dann umarmten sich beide. Der Papst und Morales sind bereits mehrfach persönlich zusammengetroffen, zuletzt 2017 und 2016 im Vatikan sowie 2015 in Bolivien, als Franziskus das südamerikanische Land besuchte. In Erinnerung daran hatte Morales dem Papst ein Foto dieser Reise mitgebracht, das Franziskus mit einem indigenen Buben zeigt. Zudem überreichte er dem Papst ein von bolivianischen Künstlern handgearbeitetes Schachbrett nebst Figuren aus Holz.
Franziskus revanchierte sich mit einem jener Friedensengelsmedaillons, die er häufig an Audienzgäste aus der Politik verschenkt. Morales überreichte er es mit den Worten: "Dies ist der Friedensengel, der den Kriegsteufel in Ketten legt. Es geht um Frieden zwischen den Ländern." Boliviens Staatschef bekam zudem - ebenfalls üblich - einige Schriften des Papstes. Darunter war auch ein Dokument zum Weltfriedenstag, das Franziskus persönlich unterschrieben hatte.
Am Ende verabschiedeten sich beide wieder per Umarmung. Anschließend traf Morales den päpstlichen Außenbeauftragten Erzbischof Paul Gallagher.
Morales war anlässlich der Kardinalsernennung von Bischof Toribio Ticona Porco (81) nach Rom gereist. Der Papst erhob Porco am Donnerstag mit 13 weiteren Boschöfen und Priestern in den Kardinalsstand.
Zuletzt kam es immer wieder zu Differenzen zwischen Boliviens katholischer Bischofskonferenz und der Regierung. Ein Streitpunkt ist die Haltung der Kirche zur Volksabstimmung vom Februar 2016. Damals lehnte eine knappe Mehrheit der Bevölkerung eine Verfassungsänderung ab, die nötig wäre, um Morales eine erneute Kandidatur zu ermöglichen. Der Präsident ließ jedoch jüngst durchblicken, dass er trotz des Neins der Bevölkerung eine erneute Amtszeit anstrebe. Die Bischöfe pochen auf Anerkennung des Volkswillens. Die Opposition wirft Morales vor, das demokratische Votum zu missachten und die Verfassung zu verletzen.