Papst Franziskus hat bei seiner letzten Generalaudienz vor der Sommerpause zu mehr Dankbarkeit gegenüber Gott aufgerufen. "Unsere Werke misslingen oft, weil wir von uns selbst ausgehen und nicht von Dankbarkeit", sagte er am Mittwoch, 27. Juni 2018 bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz in Rom. Jeder solle sich fragen, was Gott Gutes im eigenen Leben bewirkt habe. Christliches Leben sei vor allem "die dankbare Antwort für einen großherzigen Vater".
Franziskus mahnte, sich nicht zu sehr an religiösen Gesetzen zu orientieren, die persönliche Beziehung zu Gott sei wichtiger. "Wie kann ein junger Mensch sich wünschen, Christ zu sein, wenn wir von Zwängen, Pflichten, Konsequenzen und nicht von der Befreiung ausgehen?", setzte der Papst seine Katechese-Reihe zu den biblischen Zehn Geboten fort. Es war seine letzte Generalaudienz für die kommenden Wochen. Erst ab 1. August nimmt er den Mittwochstermin wieder auf. Das sonntägliche Angelusgebet mit dem Papst auf dem Petersplatz findet hingegen auch im Juli statt.
Die Zehn Gebote gingen von der Großherzigkeit Gottes aus, der sein Volk zuerst rette und dann um Vertrauen bitte, so der Papst. Wer noch keine echte Erfahrung der Befreiung Gottes gemacht habe, solle um Hilfe bitten: "Wir retten uns nicht von selbst, aber von uns kann ein Hilferuf ausgehen", sagte Franziskus.
Ein solcher Hilfeschrei sei wichtig, sei ein Gebet, "das Wissen, um das, was in uns noch unterdrückt ist und nicht befreit". Jeder habe viele solcher Dinge in sich. Gott habe die Menschen jedoch nicht zu einem Leben in Unterdrückung gerufen, sondern zu einem freien Leben in Dankbarkeit und freudigem Gehorsam.
Im Rahmen der Generalaudienz empfing der Papst die Pressesprecher und Medienverantwortlichen der Bischofskonferenzen in Europa. Diese halten in diesen Tagen ihre Jahrestagung in Rom ab, die vom Rat der Bischofskonferenzen Europas veranstaltet (CCEE) wird. Aus Österreich nimmt daran der Presse- und Medienverantwortliche der Bischofskonferenz, Paul Wuthe, teil.
An der Spitze der Delegation auf dem Petersplatz waren CCEE-Präsident Kardinal Angelo Bagnasco (Genua) und der Präsident der EU-Bischofskommission, Erzbischof Jean-Claude Hollerich (Luxemburg).