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25.06.2018

Die Ära der Kulturkreislehre

Das theologische Kapitel der Völkerkunde

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Pater Wilhelm Schmidt war ein Mann mit starkem Charakter und festen Prinzipien. Der gebürtige Deutsche trat schon mit 15 Jahren bei den Steyler Missionaren ein. Später kam er ins Missionshaus St. Gabriel bei Mödling, wo er Ethnologie und Linguistik lehrte und die bis heute in Fachkreisen respektierte Zeitschrift „Anthropos“ gründete.


An der Universität Wien setzte er sich erfolgreich für die Etablierung eines Instituts für Völkerkunde zur Erforschung von Kulturen außerhalb Europas ein.

 

Gemeinsam mit dem ersten Institutsvorstand, seinem Mitbruder P. Wilhelm Koppers, entwickelte er Anfang des 20. Jahrhunderts die „Wiener Schule der Kulturkreislehre“.


Auf der Suche nach der Urreligion

P. Wilhelm Schmidt bestimmte aufgrund verschiedener Merkmale Kultur­kreise und reihte sie chronologisch. Als älteste Kulturen galten bei ihm Jäger- und Sammlergesellschaften in Zentralafrika, auf der malaiischen Halbinsel und auf Feuerland in Südamerika.

 

Diese „Urkulturen“, so Schmidts These, stünden der göttlichen Schöpfung am nächsten und daher müsse sich bei ihnen sowohl der Eingottglaube
(Monotheismus) als auch die Einehe (Monogamie) nachweisen lassen.

 


Beweise fehlen

Weitere Steyler Missionare, P. Paul Schebesta und P. Martin Gusinde, wurden ausgeschickt, um Schmidts Theorie mit Beweisen zu untermauern. Allerdings brachten weder Schebesta noch Gusinde die gewünschten Ergebnisse.

 

Davon ließ sich P. Wilhelm Schmidt allerdings nicht beirren und hielt bis zu seinem Lebensende an seiner Kulturkreislehre fest.

 

Nach seinem Tod erklärten seine Schüler die „Wiener Schule“ für überholt.

 

Die Beschreibungen und Objekte, die die Steyler Missionare von ihren Forschungsreisen mitbrachten, gelten bis heute als herausragend.

 

Martin Gusinde zum Beispiel verdanken wir die einzigen erhaltenen Tonaufnahmen von Feuerlandindianern. Teile dieser Sammlung sind im Weltmuseum Wien ausgestellt, im Raum „Kulturkampf in Wien“, der sich der „Wiener Schule“ widmet.