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20.06.2018

Requiem und Begräbnis für Thomas Chorherr am 27. Juni

Verband katholischer Publizistinnen und Publizisten trauert um langjähriges Mitglied.

Für den am 17. Juni im Alter von 85 Jahren verstorbenen langjährigen Chefredakteur und Herausgeber der "Presse", Prof. Thomas Chorherr, wird am Mittwoch, 27. Juni 2018, um 15.30 Uhr ein Requiem in der Karl-Borromäus-Kirche am Wiener Zentralfriedhof gefeiert, wo er anschließend beerdigt wird. Am 17. Juli findet um 18 Uhr in der Wiener Franziskanerkirche eine Seelenmesse statt.

 

"Sein überaus waches Interesse an neuen Entwicklungen und gleichzeitig das Hochhalten alter Tugenden war an Thomas Chorherr faszinierend", würdigte die Präsidentin des Verbandes katholischer Publizistinnen und Publizisten, Gabriele Neuwirth, den Verstorbenen. (Chorherr war Mitglied des Verbandes.) Auf pragmatische und oft pointierte Weise habe Chorherr "Anstand, Würde, Wahrhaftigkeit als journalistische Prinzipien verkörpert", so Neuwirth in einer Stellungnahme gegenüber "kathpress".

 

Chorherr sei als Christ "keineswegs nachkonziliar geprägt" gewesen, habe jedoch das kirchliche Geschehen "nie lieblos, sondern mit Anteilnahme und zuweilen tiefgründigem Witz" kommentiert, so die Verbandspräsidentin weiter. Neuwirth hob auch den "überaus starken Lebenswillen" und sein "Nicht-unterkriegen-Lassen" hervor: Beides habe sich besonders in den letzten Jahren gezeigt, als es Chorherr trotz krankheitsbedingter Erschwernisse weiter Veranstaltungen besuchte; bei den Verbandsdiskussionsabenden habe er weiterhin "geschätzte Beiträge" geliefert.

 

"Großer Patriot"

In der Tageszeitung "Die Presse" am Mittwoch, 20. Juni 2018 würdigt auch Alt-Bundespräsident Heinz Fischer in einem Leserbrief den Verstorbenen. Chorherr sei ein "großer österreichischer Journalist und Patriot" gewesen, so Fischer; er habe den langjährigen Chefredakteur in den frühen 1960ern kennen und schätzen gelernt, sehr viele Gespräche mit ihm geführt und seine Texte "nicht immer mit Zustimmung, aber immer mit Interesse gelesen", bekannte das frühere Staatsoberhaupt.

 

Auch mit den Päpsten Johannes Paul II. und Benedikt XVI. führte Chorherr persönliche Unterredungen, geht aus dem im Februar bei Kremayr & Scheriau erschienenen biografischen Interviewbuch "dabei gewesen" hervor. Den amtierenden Papst Franziskus hätte er noch gerne getroffen, gab Chorherr darin an: Er würde ihn fragen, "ob seine unkonventionellen Äußerungen, etwa über Homosexualität, aber auch über andere Religionen, nicht ein wenig an Show erinnern".

 

Beispiel für Laienengagement

Chorherr wurde am 27. November 1932 als Sohn des Wiener Kaufmanns Otto Chorherr geboren und startete seine journalistische Laufbahn schon während seines Jusstudiums in Wien. 1950, im Jahr seiner Matura am Akademischen Gymnasium, begann er als Lokalreporter beim "Neuen Österreich". 1951/52 schaltete Chorherr dann ein Studienjahr als Fulbright-Student an der evangelisch-methodistischen Wesleyan University in Ohio. 1952 und 1953 betätigte er sich als Editor in der Presseabteilung der US-Mission for Economic Cooperation; 1953 bis 1955 kümmerte er sich als Redakteur um die außenpolitische Berichterstattung der Wiener "Weltpresse", ehe er mit 1. Februar 1955 zur "Presse" stieß.

 

Bei dem Wiener Großformat führte Chorherrs Weg vom Lokalredakteur - inzwischen war er zum Dr. jur. promoviert - zum Ressortchef für Chronik und Lokales (1957 bis 1967) über die Ressortleitung für den Hintergrundteil zum innenpolitischen Ressortchef (zwischen 1970 und 1973). 1973 avancierte Chorherr zum stellvertretenden Chefredakteur der "Presse", am 1. Oktober 1976 schließlich zum Chefredakteur. Diese Position behielt er vorerst auch nach einer schweren Gehirnblutung am 13. Oktober 1993. Im März 1995 wechselte er in die Funktion des Herausgebers, die er bis März 2000 wahrnahm, als er in den Ruhestand trat. Bis zuletzt war er "seiner" Zeitung als Autor verbunden.

 

2002 wurde Chorherr mit dem Komturkreuz des päpstlichen Gregoriusordens ausgezeichnet. Bei der feierlichen Überreichung in Wien würdigte der damalige Nuntius, Erzbischof Donato Squicciarini, den Journalisten als bekennenden Katholiken, der sich in seiner Tätigkeit immer wieder für die Anliegen der Kirche eingesetzt habe. Chorherr habe seine Einflussmöglichkeiten auf die Bildung der öffentlichen Meinung genützt, um dem Evangelium und der Kirche zu dienen, sagte der Nuntius.

 

Auch nach seiner Pensionierung habe Chorherr bedeutende Artikel und Bücher zur politischen Gewissensbildung veröffentlicht und auf die ethische Verantwortung des Menschen hingewiesen. Squicciarini erinnerte am Beispiel Chorherrs an die Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils, wonach die Laien besonders berufen seien, die "Kirche an jenen Stellen und in den Verhältnissen anwesend und wirksam zu machen, wo die Kirche nur durch sie das Salz der Erde werden kann".