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18.06.2018

"Aquarius"-Irrfahrt ist für Caritas "trauriges Symbol"

Caritas nimmt Regierung vor EU-Ratspräsidentschaft in die Pflicht.

Die Irrfahrt des Flüchtlingsschiffes "Aquarius" ist für die Caritas ein "trauriges Symbol für das Scheitern einer gemeinsamen europäischen Migrations- und Flüchtlingspolitik". Gleichzeitig sollte dieser aktuelle Anlassfall ein Auftrag sein, "rasch zu mehr geteilter Verantwortung zu finden", appellierte Caritas-Generalsekretär Bernd Wachter am Montag zum Weltflüchtlingstag am 20. Juni. Österreich, das am 1. Juli die EU-Ratspräsidentschaft übernimmt, habe dabei eine besondere Verantwortung. Die Regierung solle die Gelegenheit nützen, einen "gemeinsamen menschenwürdigen, vernünftigen und nachhaltigen Umgang" mit geflüchteten Menschen in der EU voranzutreiben, so Wachter.

Die Caritas sieht für Österreich die "historische Chance zu zeigen, dass wir für eine in Vielfalt geeinte EU stehen, die europäische Solidarität leben und die Menschenrechte schützen", so der Generalsekretär. Asyl sei kein Gnadenakt, sondern eine völkerrechtliche Verpflichtung und sollte in der EU nicht ausgehöhlt, sondern gemeinsam neu aufgebaut werden.

Wachter erinnerte daran, dass sich die internationale Staatengemeinschaft nach den Gräueln des zweiten Weltkrieges für dieses humanitäre Modell entschieden habe. "Als Millionen Europäerinnen und Europäer auf der Flucht waren, haben die Staaten beschlossen, solidarisch zu agieren und sich dazu verpflichtet, Menschen, die vor Krieg und Verfolgung fliehen, zu schützen." Nach wie vor gelte: "Flüchtlingsschutz ist Menschenrechtsschutz."



Geld für Resettlement-Programm

Die Caritas appellierte an die Bundesregierung, wie angekündigt die Gelder für die Hilfe in den Herkunftsländern der Geflohenen aufzustocken und auch das im Regierungsprogramm angekündigte Resettlement-Programm weiterzuführen. Es brauche dringend mehr Unterstützung für die Länder, in denen die meisten Flüchtlinge Zuflucht finden. "Mit einem österreichischen Resettlement-Programm könnten besonders verletzliche Personengruppen wie Kinder und Familien ohne Schlepper sicher und geregelt nach Österreich kommen und hier Schutz finden", erklärte Wachter.

Der Caritas-Generalsekretär wies darauf hin, dass die meisten Menschen in ihre Nachbarländer flüchten. Weltweit hätten aktuell mehr als 22 Millionen Menschen ihr Heimatland wegen Krieg und Verfolgung verlassen, der weitaus überwiegende Anteil befinde sich in den Nachbarstaaten der Konfliktregionen - wie zum Beispiel der Libanon Jordanien oder Uganda. Und allein die Türkei beherberge mehr Flüchtlinge als der ganze Rest Europas, betonte Wachter.

"Solange es auf dieser Welt Konflikte und Unterdrückung gibt, solange werden Menschen fliehen. Solange der Krieg in Syrien weiterhin täglich Opfer fordert, solange werden Menschen flüchten - auch in die EU", so Wachter. Für die Caritas gelte: "Abschottung ist keine Lösung."