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04.06.2018

Nicaragua: Kardinal Obando im Alter von 92 Jahren gestorben

Das Leben des 1926 in eine bäuerlich-indianische Familie geborenen Salesianerordensmannes folgte einem politischen Zick-Zack-Kurs.

Der 92-jährige Salesianer war einer der prominentesten und schillerndsten Kirchenvertreter seines Landes. Er stand bis 2005 rund 35 Jahre lang an der Spitze der Hauptstadt-Erzdiözese Managua.

Papst Franziskus kondolierte am Montag, 4. Juni 2018 in einem Schreiben an Obandos Nachfolger als Leiter der Erzdiözese Managua, Kardinal Leopoldo Brenes Solorzano. Der Verstorbene habe sein Leben "in großer Treue Gott und der Kirche" gewidmet, schrieb der Papst. Er sende seine Trauerbekundung auch dem Orden der Salesianer Don Boscos. "Wir beten, dass Jesus ihm die Krone der Herrlichkeit schenken möge, und wir senden Euch allen, die ihr ihm erst später folgen werden und jetzt mit uns trauert, den Apostolischen Segen", so Franziskus.

Das Leben Miguel Obando y Bravos folgte einem politischen Zick-Zack-Kurs. Geboren wurde er am 2. Februar 1926 in La Libertad in eine bäuerlich-indianische Familie. Er trat nach seiner Schulzeit in den Orden der Salesianer Don Boscos ein. Er studierte Philosophie, Katholische Theologie und Pastoralpsychologie in El Salvador, Guatemala, Kolumbien und Venezuela. 1958 empfing er die Priesterweihe und arbeitete ein Jahr lang als Lehrer für Mathematik und Physik. 1959 wurde er Präfekt am Seminar der Salesianer in San Salvador. Am 18. Jänner 1968 ernannte ihn Papst Paul VI. zum Titularbischof von Putia und Weihbischof in Matagalpa. Paul VI. ernannte ihn zwei Jahre darauf zum Erzbischof von Managua.

Der Salesianer stand dann 35 Jahre an der Spitze der Erzdiözese Managua und prägte wie kaum ein anderer Kirchenvertreter die gesellschaftspolitische Diskussion in dem mittelamerikanischen Land. Er erlebte aus nächster Nähe die politischen Extreme mit und geriet damit immer wieder zwischen die Fronten.

Obandos Aufstieg fiel in die Schlussphase der Somoza-Dynastie, die Nicaragua seit Mitte der 1930er Jahre ausgebeutet hatte, sowie die Herrschaft der marxistisch orientierten Sandinisten ab 1979. Zwischen 1971 und 2005 war Obando mehrfach Vorsitzender der Nicaraguanischen Bischofskonferenz. 1985 wurde er von Papst Johannes Paul II. in den Kardinalsrang erhoben.

Als Obando Erzbischof in Managua wurde, bezog er schnell Position gegen die blutige Diktatur des Somoza-Clans. Ende der 1970er Jahre versuchte er zunächst, zwischen dem Regime und der damals noch kleinen Rebellengruppe der "Sandinistenfront" (FSLN) zu vermitteln.

Nach der sandinistischen Revolution stand der Erzbischof der neuen Regierung zunächst aufgeschlossen gegenüber, auch weil vier katholische Priester Ministerämter bekleideten, darunter die Brüder Ernesto und Fernando Cardenal. Durch die Propagierung des Sozialismus unter Daniel Ortega gerieten die Sandinisten jedoch in Frontstellung zu Obando. Weil dieser zugleich Verständnis für die Anliegen der "Contra"-Rebellen zeigte, stand er bald auch im Westen in den Ruf eines politischen Reaktionärs. 1990 siegte bei den ersten freien Wahlen in Nicaragua die vom Erzbischof unterstützte Parteienkoalition "Uno" unter Violeta Chamorro.

Später erfolgte eine neuerliche Annäherung an die Sandinisten. 2007 war Kardinal Obando Präsident der staatlichen Versöhnungskommission. 2012 unterstützte er den erfolgreichen Präsidentschaftswahlkampf Ortegas, trotz der schon damals massiven Vorwürfe der Wahlmanipulation gegen das Ortega-Regime.

2013 erhielt der Kardinal aus der Hand Ortegas für seinen Einsatz für den Frieden den höchsten Orden Nicaraguas im Bereich Kultur und Wissenschaft; 2016 wurde der Kardinal nach einem Beschluss der Nationalversammlung des Landes und auf Betreiben Ortegas offiziell zum "Helden des Friedens" ernannt.

Obandos zuletzt immer deutlichere Nähe zu der sandinistischen Regierung war nicht unumstrittenen. So zeigte sich der Hauptgeschäftsführer des deutschen bischöflichen Lateinamerika-Hilfswerks "Adveniat", Michael Josef Heinz, in einem Interview der deutschen katholischen Nachrichten-Agentur KNA im vergangenen Jahr verwundert über den Kurs des Kardinals.

Seit Ausbruch der jüngsten Massenproteste in Nicaragua vor mehr als einem Monat, denen die Regierung mit aller Härte begegnet, war von Obando nichts zu hören. Ob seiner zuletzt schwachen Gesundheit oder seiner politischen Überzeugung geschuldet, ist nicht bekannt.

Kardinal Obando gehörte seit 1985 dem Kardinalskollegium an. Mit seinem Tod hat es nun 212 Mitglieder. Davon sind 115 unter 80 Jahre alt und damit zur Papstwahl berechtigt.

 

Papst Franziskus kondolierte am Montag zum Tod Kardinal Obandos in einem Schreiben an dessen Nachfolger als Leiter der Erzdiözese Managua, Kardinal Leopoldo Brenes Solorzano. Der Verstorbene habe sein Leben "in großer Treue Gott und der Kirche" gewidmet, schrieb der Papst.

 

Er sende seine Trauerbekundung auch dem Orden der Salesianer Don Boscos, dem Obando y Bravo angehört hatte. "Wir beten, dass Jesus ihm die Krone der Herrlichkeit schenken möge, und wir senden Euch allen, die ihr ihm erst später folgen werden und jetzt mit uns trauert, den Apostolischen Segen", so Franziskus.