Die Entchristlichung Europas schreitet voran, denn immer weniger Bewohner Westeuropas beschreiben sich selbst noch als Christen: Das besagt die Studie "Christsein in Westeuropa" des US-amerikanischen Thinktanks "Pew Research Center" (PEW), die Ende Mai 2018 veröffentlicht wurde.
91 Prozent der 24.599 Befragten aus 15 westeuropäischen Ländern Befragten waren getauft und 81 Prozent selbst christlich erzogen, nur 71 Prozent waren jedoch weiterhin Mitglied der Kirche und nur 22 Prozent regelmäßig (mindestens einmal pro Monat) beim Gottesdienst anzutreffen, geht aus der Auswertung einer 2017 durchgeführten Telefonbefragung hervor.
In Ansichten über diverse gesellschaftliche Themen wurden teils große Unterschiede zwischen den drei Gruppen Kirchgänger, nicht praktizierenden Christen und Konfessionslose sichtbar. Neigungen zu negativen Gefühlen gegenüber Einwanderern und religiösen Minderheiten wie Muslime oder Juden gab es überproportional bei Personen, die sich als Christen bezeichneten. 54 Prozent der praktizierenden Christen in Österreich (EU-15-Schnitt: 40 Prozent) sprachen sich für eine "Eindämmung der Zuwanderung" aus, während dieser Anteil bei nicht-praktizierenden Christen bei 37 und bei Konfessionslosen bei 28 Prozent lag.
Besonders gegenüber muslimischen Migranten sind bei Christen Vorbehalte spürbar: Im Westeuropa-Schnitt sieht rund die Hälfte von ihnen laut Befragung den Islam als "grundsätzlich nicht mit ihrer nationalen Kultur und ihren nationalen Werten vereinbar"; ein Drittel wäre nicht bereit, Muslime als Familienmitglieder zu akzeptieren (Konfessionslose: 11 Prozent). Negative Ansichten über Muslime waren eher bei Katholiken als bei Protestanten anzutreffen. 54 Prozent der praktizierenden und 48 der nicht-praktizierenden Christen stimmten zudem der Aussage zu: "Unser Volk ist nicht perfekt, aber unsere Kultur ist anderen überlegen."
Wenn es um Abtreibung und gleichgeschlechtliche Ehe geht, zeigten sich in allen befragten Ländern praktizierende Christen deutlich "konservativer" als nicht praktizierende oder Konfessionslose. Auffallend war dennoch, dass nicht nur praktizierende Christen laut ihren Aussagen ihre Kinder im christlichen Glauben erziehen, sondern auch noch die überwältigende Mehrheit der nicht praktizierenden Christen. Im Gegensatz dazu erziehen konfessionslose Eltern ihre Kinder meist ohne Religion.
In Glaubensfragen zeigte sich, dass im Unterschied zu den regelmäßigen Kirchgängern, die mehrheitlich (zu 64 Prozent) das in der Bibel beschriebene Gottesbild vertreten, die "Taufscheinchristen" mehrheitlich an eine numinose "höhere Gewalt" (51 Prozent) oder spirituelle Kraft glauben. 63 Prozent der Nicht-Gläubigen und Atheisten in Europa geht davon aus, die Wissenschaft habe die Religion unnötig gemacht. Aktive Christen betonen mehrheitlich die wichtige soziale Rolle der Kirchen und engagieren sich gesellschaftlich am öftesten in karitativen Einrichtungen, während religionsferne Bürger eher in Sportvereinen aktiv sind.
Den in Westeuropa höchsten Anteil praktizierenden Christen gibt es in Italien (40 Prozent), dahinter kommen Portugal (35), Irland (34), Österreich (28), die Schweiz (27) und Deutschland (22 Prozent). Bei den "Taufscheinchristen" liegt Finnland mit 68 Prozent an der Spitze, gefolgt von Großbritannien, Dänemark (55) und Österreich (52 Prozent). In protestantisch geprägten Ländern wie den Niederlanden ist heute der Anteil mit 48 Prozent am größten, gefolgt von Norwegen (43), Schweden (42), Belgien (38) sowie Dänemark und Spanien (je 30 Prozent).