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28.05.2018

Tschechischer Priester und Religionssoziologe Tomas Halik wird 70

Der frühere Untergrundpriester zählt heute zu den bekanntesten katholischen Intellektuellen in Mittel- und Osteuropa.

Der tschechische Priester, Theologe und Soziologe Tomas Halik wird am kommenden Freitag, 1. Juni 2018, 70 Jahre alt. Halik zählt zu den bekanntesten katholischen Intellektuellen in Mittel- und Osteuropa. Als Professor an der renommierten Prager Karls-Universität und einstiger Vertrauter des verstorbenen Staatspräsidenten Vaclav Havel (1936-2011) sowie des langjährigen Prager Erzbischofs Frantisek Tomasek (1899-1992) nimmt er regelmäßig zu politischen und ethischen Fragen Stellung. Vor allem ermutigt er die Tschechen zu mehr gesellschaftlicher und politischer Mitbestimmung und einer ernsthaften Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit. In der deutlich atheistisch geprägten tschechischen Gesellschaft genießt Halik hohes Ansehen.

 

Halik setzt sich seit langem für den weltweiten Dialog zwischen den Religionen ein und macht auch innerkatholisch mit Denkanstößen aufmerksam. Zuletzt verfasste er etwa zusammen mit dem Wiener Theologen Paul Zulehner einen Brief zur Unterstützung von Papst Franziskus, der im Rahmen der Initiative "Pro Pope Francis" von mehreren Zehntausend Menschen in 50 Ländern unterzeichnet wurde.

 

2014 wurde Halik in London mit dem Templeton-Preis für besondere Leistungen im Bereich von Wissenschaft und Religion geehrt. Mit umgerechnet rund 1,3 Millionen Euro gehört er zu den höchstdotierten Auszeichnungen überhaupt. Zu den früheren Trägern gehörten etwa Desmond Tutu (2013), der Dalai Lama (2012) und Mutter Teresa (1973).

 

Der 1948 geborene Halik wuchs in einem liberal-intellektuellen Elternhaus auf. Zur Kirche kam er erst nach seinem Ausschluss aus dem Wissenschaftsbetrieb durch die Kommunisten 1972. Er studierte im Geheimen Theologie und wurde 1978 im ostdeutschen Erfurt zum Priester geweiht. Elf Jahre lang arbeitete er im Zivilberuf als Psychotherapeut für Alkohol- und Rauschgiftsüchtige.

 

Als Untergrundpriester hielt er geheime Seminare ab. Zu seinem Dissidentenzirkel gehörten auch die Brüder Havel. Zeitweilig lebte Halik in einem buddhistischen Kloster in Indien und hielt Vorträge in den USA. Heute lehrt er an der Karls-Universität Soziologie. Er ist Präsident der Tschechischen Christlichen Akademie, die sich für die deutsch-tschechische Aussöhnung engagiert.