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26.05.2018

Wem gehört die Natur?

Auf der Pirsch - mit Demut im Rucksack

 

Mit beeindruckenden Naturaufnahmen widmet sich die Film-Doku „Auf der Jagd“ (im Kino) dem Wald und seinen Bewohnern. Allein die Aufnahmen von Bergwäldern, wie sie sich im Nebel lichten, süßen Gamskitzen, eleganten Rehen oder einem Wolf aus der Vogelperspektive, der kilometerweit durch die Ebenen Brandenburgs läuft, machen diesen Film sehenswert.

 

Trailer

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Im Mittelpunkt der Dokumentation der ­bayerischen Regisseurin Alice ­Agneskircher stehen die Fragen „Wem gehört die Natur?“ und: „Was machen eigentlich die Jäger?“.

 

Diese hat Agneskircher miteinem fantastischen Kamerateam auf der Pirsch begleitet und nach ihren Motiven für das Jagen von ­Wild­­tieren befragt.

 

Werden Wildtiere heute nur mehr – oder gerade noch – geduldet? Nehmen wir ihnen nicht den Lebensraum, der ihnen ursprünglich zusteht?

 

Prof. Michael Rosenberger, Moraltheologe an der Katholischen Privatuniversität Linz und Jagdethiker, antwortet: „Von der biblischen Schöpfungsgeschichte her können wir sagen: Die Güter dieser Erde gehören nicht nur allen Menschen, sondern allen Geschöpfen und diese müssen die Natur miteinander teilen.“

 

Darüber hinaus könne man sagen, die Schöpfung gehört Gott und ist dem Menschen nur geliehen. „Das bedeutet eine Verantwortung für das, was uns mit der Schöpfung gegeben ist.“

 

Wie sieht die Moraltheologie das Thema Jagd?

Michael Rosenberger stellt klar: „Die Tötung eines Geschöpfes ist aus der christlichen Ethik und aus einer vernünftigen weltlich-philosophischen Ethik heraus immer etwas, das es zu rechtfertigen gilt, weil das Tier genauso wie der Mensch gerne leben möchte und sein eigenes Streben hat, sein Leben auch glücklich zu leben.“


Die christliche Ethik sagt, dass es Situationen gibt, in denen sich die Tötung eines Tieres rechtfertigen lässt: Zum einen, wenn die Tiere zur Ernährung gebraucht werden (in abgelegenen Regionen der Erde) und – z. B. in Mitteleuropa – um die Balance im Ökosystem aufrechtzuerhalten.

 

„Viele der Fress- feinde des Wildes im Wald und im Gebirge hat der Mensch dezimiert, z. T. sogar ausgerottet. Da muss der Mensch ausgleichend eingreifen und teilweise Tiere töten.

 

Die Alternative wäre in nicht wenigen Fällen, dass Wildtiere verhungern würden. Ob das für das Tier besser wäre, wage ich zu bezweifeln“, erklärt Michael Rosenberger.


Die Rückkehr der Wölfe

Einer dieser natürlichen Fressfeinde des Wildes war lange Zeit der Wolf. „Der Mensch jagt seit 200.000 Jahren, der Wolf tut es seit zwei Millionen Jahren“, heißt es im Film, der auch die Diskussion um die Rückkehr des Wolfes zum Thema macht.

 

So gibt es in Deutschland mittlerweile wieder 76 Wolfsterritorien. Michael Rosenberger zur Causa Canis lupus: „Es war der Mensch, der den Wolf im 18. Jahrhundert im Zeichen der Aufklärung in Europa ausgerottet hat, weil er ihn als nutzlos ansah und ihn zu einem bösen Tier gemacht hat.

 

Aus heutiger Perspektive war das eine fatale Fehleinschätzung und wird dem Wolf nicht gerecht.“ Märchen wie „Rotkäppchen“ oder „Der Wolf und die sieben Geißlein“ stammen aus dieser Zeit und haben dazu beigetragen, den Wolf „böse“ zu machen. „Wir müssen uns von dieser Dämonisierung des Wolfes lösen“, fordert Michael Rosenberger.

 

Der Moraltheologe plädiert dafür, „die Lebensräume dieser Erde prinzipiell mit allen Tieren zu teilen. Das kann geschehen, indem wir diesen Tieren in Nationalparks oder Reservaten ihren Platz geben.

 

Die räumliche Trennung wird aber nie ganz funktionieren. Wir müssen lernen, dass es Überschneidungszonen gibt, wo Menschen und Tiere wie der Wolf gemeinsam leben und auch jene Tiere, die der Mensch nutzt.

 

Ein Miteinander kann gelingen, sei es durch den Einsatz von Hütehunden oder anderen Barrieren. Ich glaube, dass eine Koexistenz möglich ist. Aber die kostet natürlich auch Geld.“


Alljährlich am 3. November feiern die Jäger zu Ehren ihres Patrons, des hl. Hubertus von Lüttich, die Hubertusmesse und bringen das erlegte Wild zur Segnung zur Kirche.

 

Michael Rosenberger begrüßt diesen Brauch: „Mit der Demut angesichts eines toten Tieres zu wissen, wir sind alle sterblich, kann man das in einem guten Sinne nutzen, indem der Priester in der Predigt Themen anspricht, die die Verantwortung des Jägers für die Tiere zum Ausdruck bringt.“

„Ein Tier, das auf der Jagd geschossen wird, hatte auf jeden Fall ein besseres Leben als ein Tier, das in Schlachthöfen getötet wird“, sagt die engagierte Wildbiologin und Jägerin Christine Miller in „Auf der Jagd“.

 

Moraltheologe Michael Rosenberger sieht das ähnlich: „Wenn ich die Tötung der Tiere im Schlachthof mit der fachgerechten Tötung eines Tieres auf der Jagd vergleiche, dann ist das Tier, das auf der Jagd geschossen wird, hundertmal besser dran als das Tier im Schlachthof.“