Vier Hände und zwei winzigkleine Skischuhe auf einem Foto. Mehr brauchte es vergangene Woche nicht, um die sozialen Netzwerke förmlich explodieren zu lassen.
Marcel Hirscher und seine Lebensgefährtin Laura Moisl kündigten mit diesem Foto die Geburt ihres ersten Kindes an und in ihren Reaktionen war sich die Fangemeinde einig: Es hagelte Glückwünsche und Bekundungen, wie sehr man sich mitfreue, wie glücklich man für die beiden sei.
Neues Leben auf dem Weg. Ein Grund zum Mitfeiern, zum Mitfreuen. Ein Geschenk.
„Ein neugeborenes Kind holt das Beste aus uns heraus: alles an Liebe, Mitfreude,sich füreinander einsetzen. Kinder lehren uns die bedingungslose Liebe ebenso wie das Loslassen in ihre eigene Zukunft.
Tief im Inneren spüren wir das und sind deswegen so bewegt, wenn ein prominentes Paar ein Kind erwartet“, ist Martina Kronthaler, Generalsekretärin von aktion leben österreich, überzeugt.
„Die Geburt eines Kindes ist etwas Großes. Ein Paar, dass sich darüber freut, ist ein starkes Zeichen der Zuversicht – und genau das brauchen wir als
Gesellschaft.“
Doch dass das so gesehen wird, ist keine Selbstverständlichkeit mehr. Das Leben wird heute oft als „Ware“ gesehen, die man „produzieren“ und mit der Profit gemacht werden kann.
Oder Leben, konkret ein Kind zu haben, wird als Recht angesehen, das einem zusteht – Stichwort „Recht auf ein Kind“. Gerade in der Reproduktionsmedizin gehe es heute schon lange nicht mehr nur um Hilfe für Paare bei der Fortpflanzung, sondern um einen ungeheuren Markt, so Martina Kronthaler: „Frauen werden als Eizellspenderinnen riskanten Behandlungen ausgesetzt, als Leihmütter benutzt und Kinder wie Produkte gehandelt.
Hier können wir nicht oft und klar genug sagen: Es gibt kein Recht auf ein Kind.“
Auch das aktive Beenden von Leben werde von immer mehr Menschen als angemessene Lösung von Problemen gesehen. Dazu gehöre die zunehmende Praxis von Euthanasie (Sterbehilfe, Anm.), die mittlerweile in Belgien oder den Niederlanden sogar ursprüngliche Befürworter erschrecke.
Aber auch der Einsatz von Pränataldiagnostik „zum regelrechten Aufspüren von Kindern mit Down-Syndrom“, wie Martina Kronthaler sagt. „Viele Frauen meinen, die Gesellschaft erwartet von ihnen, diese Untersuchungen durchführen zu lassen.
Das Angebot der Methoden und die mangelnde Unterstützung für Eltern behinderter Kinder legen diesen Gedanken auch tatsächlich nahe.“ Krankheiten oder Behinderung hätten in einer Gesellschaft, der es zunehmend schwer fällt, das Leben als „Gesamtpaket“ anzunehmen, immer weniger Raum.
„Dabei ist der Mensch doch mehr als die Krankheit, die er vielleicht bekommt oder hat und mehr als die Behinderung, mit der er lebt“, bringt es Martina Kronthaler auf den Punkt.
Aber warum schwindet das Bewusstsein, dass das Leben ein Geschenk ist?
„Vielleicht fehlen in unserer Gesellschaft Vertrauen und Mut“, sagt Martina Kronthaler: „Das müssten vor allem die lebenserfahrenen Menschen einbringen und den Jungen glaubhaft vermitteln! Ich begegne immer mehr jungen
Menschen, die sich grundsätzlich Kinder wünschen und sicher großartige, liebevolle Eltern wären.
Aber sie haben das Gefühl, mit einem Kind ist ihr berufliches Fortkommen und ihre Existenz gefährdet, wenn nicht gar beendet.“
Junge Menschen seien tatsächlich vielen Unsicherheiten ausgesetzt, eine fixe Anstellung zu finden nicht leicht.
„In unserer Schwangerenberatung sehen wir Tag für Tag sehr deutlich: Viele Frauen haben niemanden, der sich mit ihnen über die Schwangerschaft freut.
Die Lebenssituationen sind oft sehr schwierig. Gerade wenn Solidarität so wichtig wäre, fehlt sie.“ Die aktion leben versucht hier dann zu helfen, indem sie Wege aufzeigt, wie das Leben mit einem Kind gelingen könnte.
„Dank unserer Spenderinnen und Spender können wir auch tatkräftig schwangeren Frauen und Familien finanziell helfen“, freut sich Martina Kronthaler.
Damit das Leben aber generell wieder mehr als Geschenk gesehen wird und zwar uneingeschränkt jedes Leben, wünscht sich Martina Kronthaler ein Umdenken in unserer Gesellschaft sowie konkrete politische Taten, die Halt und Sicherheit geben.
„Ich denke, wir bräuchten wieder mehr Ausdruck der Achtung jedem Menschen gegenüber - dieses Bewusstsein, dass jeder Mensch wertvoll ist, so wie er ist“, sagt Martina Kronthaler. „Wir alle können einem Paar, das ein Kind erwartet, herzlich gratulieren!“ Durch solche Zeichen und das solidarische Mitsorgen für Kinder erhält auch das überraschende, ungeplante Leben in unserem Leben – wieder – einen guten Platz.