Darauf einigten sich Staatsanwaltschaft und Verteidigung am Mittwoch, 2. Mai 2018 vor einem Gericht in Melbourne, wie australische Medien berichteten.
Formal werde die Aufteilung des Prozesses bei einem weiteren Gerichtstermin am 16. Mai verfügt. Am Dienstag, 1. Mai war in Melbourne das Hauptverfahren gegen den 76 Jahre alten Kurienkardinal eröffnet worden. Pell hatte sich wiederholt als "nicht schuldig" bezeichnet. Der Präfekt des vatikanischen Wirtschaftssekretariats ist in dieser Funktion seit Juni 2017 beurlaubt.
Pell muss sich wegen mehrerer Missbrauchsvorwürfe vor Gericht verantworten, deren Details noch nicht öffentlich sind. Bei einem Teil der Anschuldigungen geht es um Taten, die er als junger Priester in den 70er Jahren in einem Schwimmbad seiner Heimatstadt Ballarat begangen haben soll. In einem weiteren Fall werden Pell von einem Betroffenen sexuelle Übergriffe zur Last gelegt, die in den 1990er Jahren in Melbourne stattgefunden haben sollen. Pell war von 1987 bis 1996 Weihbischof in und von 1996 bis 2001 Erzbischof von Melbourne.
Die beiden Fälle seien in ihrem Wesen sehr unterschiedlich und lägen 20 Jahre auseinander, kommentierte laut Medienberichten Pells Anwalt Robert Richter die Aufteilung des Prozesses gegen seinen Mandanten. Beide Verfahren zusammen werden demnach etwa zehn Wochen dauern. Mit dem vatikanischen Finanzdirektor Pell ist der höchste Kirchenvertreter, der jemals offiziell angeklagt wurde, von der Justiz wegen Missbrauchs belangt.
Auch in der Kirche gebe es ein neues Bewusstsein für Prävention und Umgang mit dem Thema Missbrauch, erklärte der Jesuit Hans Zollner, Direktor des Kinderschutzzentrums der Päpstlichen Universität Gregoriana, im Interview mit Vatican News (Mittwoch). Im Blick auf den Pell-Prozess sagte er, die katholische Kirche sei weltweit befasst, wobei Kanada, die USA, Irland oder Australien sehr aktiv seien. "In all diesen Ländern, auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz, gibt es inzwischen Strukturen, die vorbildlich sind im Bereich der Prävention", so Zollner. "Ich glaube aber auch, dass es weiterhin Nachholbedarf gibt, sowohl in der Aufarbeitung, als auch in der Prozessführung. Aus meinen weltweiten Eindrücken glaube ich aber auch sagen zu können, dass es in der Prävention wohl kaum eine Institution gibt, die so viel, so intensiv und so breit aktiv ist."
Missbrauch gebe es aber auch in anderen Bereichen, wie die "#MeToo"-Debatte zeige, doch stehe die Kirche stärker im medialen Fokus. "Wenn manmit den Fachleuten redet, die sich seit Jahrzehnten mit dem Thema beschäftigen, und wenn man die aktuellen Statistiken liest, dann muss man sagen, dass 90 bis 95 Prozent allen Missbrauchs im Kontext der Familie stattfindet", hob der Jesuit hervor.
Die Menschen erwarteten sich aber eine andere Verhaltensweise von Priestern und allen anderen, die die Kirche repräsentierten. "Unser Ideal ist höher, und die Erwartungen sind größer. Deshalb ist jede Handlung, die dem widerspricht, eine umso größere Enttäuschung. Aber: Die 'MeToo'-Bewegung sowie die Nachrichten, die wir aus dem Sportbereich haben, zeigen, dass allmählich ein Bewusstsein wächst, dass sexueller Missbrauch ein viel breiteres Phänomen ist, als wir uns eingestehen", erläuterte Zollner.
Der erste vatikanische Kongress zum Thema vor sechseinhalb Jahren sei ein Meilenstein gewesen: "Seither sind das Interesse wie auch die Bereitschaft, etwas zu tun, unglaublich gewachsen."