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24.04.2018

Wenn Natur und Glaube aufblühen

Die Natur motiviert uns in unserem Glauben weiter zu wachsen.

 

 

Glaube, Natur und Schöpfung hängen unmittelbar zusammen. Davon ist der Prämonstratenser Chorherr Benedikt Felsinger überzeugt. Er ist als österreichischer Kräuterpfarrer bekannt und hat sich in seinem Stift Geras jahrhundertealtes Kräuter- und Gartenwissen angeeignet.

 

„Bereits unsere geistigen Väter und Mütter, wie Hildegard von Bingen, haben festgehalten, dass alleine das Wort Schöpfung auszusprechen, immer auch ein Glaubensbekenntnis ist.

 

Der Heilige Geist hat nicht nur uns, sondern auch die Pflanzen mit Leben erfüllt. Die Natur ist somit wesentlicher Teil der Schöpfung, die uns sagt, ich wachse, ich blühe. Frische deshalb auch du deinen Glauben und deine Hoffnung wieder neu auf“, erklärt Felsinger. Damit ist die blühende und sprießende Natur seiner Meinung nach ein direkter Impulsgeber für unseren Glauben, unsere Freude und für Wachstum in unseren Pfarren und Gemeinden.


Augustinus in der Natur

Wenn Kräuterpfarrer Felsinger durch einen schönen Garten streift, hat er auch immer den Heiligen Augustinus vor Augen und den von ihm geprägten Begriff vom „Buch der Natur“.

 

Felsinger: „Augustinus erkennt in der Schöpfung eine Offenbarung Gottes, die wir uns wie ein Buch vorstellen können. In dem wir lesen dürfen, in dem wir die Pflanzen betrachten und immer wieder neu das Staunen lernen und uns freuen.“


In Beziehung mit Pflanzen treten

Es gibt Menschen, die stark an ihren Pflanzen hängen, sie hegen und pflegen. Und laut Studien spricht sogar jeder Fünfte von uns ab und zu mit seinen Pflanzen.

 

Was sagt der Kräuterpfarrer über so viel Zuneigung? Felsinger: „Pflanzen besitzen definitiv einen eigenen Charakter, fernab jeder Esoterik. Dieser äußert sich daran, wie sie reagieren: Es gibt sensible Pflanzen und es gibt robuste, die was aushalten. Es gibt auch solche, die ihre Ruhe haben wollen und zum Beispiel schlecht auf Erschütterungen reagieren, sobald sie in einem Topf stehen.

 

Diesen Charakter muss man berücksichtigen, um einen guten Kontakt zu Pflanzen und damit automatisch zur Schöpfung aufzubauen. Wenn ich eine Pflanze pflege, sie gieße und dafür sorge, dass sie am Leben bleibt, führe ich automatisch eine Beziehung mit ihr. Das ist für mich ein Spiegelbild des Schöpfers.“

 

Trost durch Pflanzen

Wenn es uns nicht gut geht, wenn wir Sorgen haben, wenn es in unserem Leben irgendwelche widrigen Umstände gibt – dann sollten wir im Garten, im Park oder im Wald spazieren gehen und uns von der Natur trösten lassen, erklärt der Kräuterpfarrer: „Pflanzen stehen oft auf extrem schlechten Standorten, schlechten Böden, in Mauerritzen, auf schattig oder trockenen Plätzen.

 

Pflanzen können nicht vorher einen Katalog durchblättern und sich einen optimalen Standort selbst aussuchen, sondern sie gehen dort auf, wo es die Schöpfung für sie vorgesehen hat.

 

Das gilt auch für uns Menschen: Auch wir können uns nicht aussuchen, in welche Familie wir geboren werden, ob wir reich oder arm sind, ob wir gesund oder krank sind.

 

Doch genauso wie Pflanzen können wir lernen, das Beste aus einem Standort – also aus unserer Situation – zu machen. Bei den Pflanzen ist es so, dass sie zum Beispiel tiefer wurzeln oder größere Blätter entwickeln.“

 

Der Mensch als Teil der Natur

Laut Kräuterpfarrer Benedikt gibt es eine ganz starker Verbindung zwischen Pflanzen und uns Menschen: „Wir alle können in der Natur zum Beispiel beobachten, wie Bienen mit den Blüten korrespondieren, oder wie ein Vogel auf einem Baum in der Früh munter wird und zu zwitschern beginnt. Daran sieht man ganz wundervoll, wie die Natur miteinander kooperiert.

 

Und wir als Menschen gehören genauso dazu, wir gehören zu dieser Korrespondenz, die alle Lebewesen untereinander führen. Egal ob Tiere oder Pflanzen.“

 

Unkraut jäten als Motivation für das Leben

„Auch wenn alles Teil der Schöpfung ist, brauchen wir keine Skrupel zu haben, wir dürfen unsere Gärten ruhig gestalten und auch mal etwas ausreißen“, erklärt Kräuterpfarrer Felsinger.

 

„Doch gerade weil ein Unkraut meistens dort wächst, wo wir es nicht haben wollen, dürfen wir darin einen starken und motivierenden Lebenswillen erkennen, von dem wir uns definitiv etwas abschauen können.“