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19.04.2018

Was die Erzdiözese für die Alleinerziehenden tut

Die diözesane „Kontaktstelle für Alleinerziehende“ ist die erste Adresse für Hilfesuchende.

 

Im Endeffekt habe ich durch das Alleinerzieher-Frühstück zur Kontaktstelle für Alleinerziehende gefunden“, erzählt Ilse L. aus der Pfarre Essling (Wien 22): „Da war mein Kind gerade ein halbes Jahr alt.“

 

Alleinerzieher-Frühstück

Genutzt hat sie nicht nur das Alleinerzieher-Frühstück, sondern auch die Samstagtreffen. „Zum Schluss bin ich auch in den Genuss einer Wahl-Oma gekommen, weil ich ziemlich allein war mit meinem Kind“, sagt Frau L. Mittlerweile ist ihr Sohn „mit zehneinhalb Jahren zu groß geworden und die Wahl-Oma meinte, dass mein Kind sie nicht mehr braucht“.

 

Aufmerksamkeit und Unterstützung

„Die Alleinerziehenden in Österreich haben definitiv nicht die Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit, die sie brauchen“, ist Frau L. überzeugt: „Da gehört einiges gemacht, sei es in finanzieller Hinsicht, sei es im Blick auf Angebote und Unterstützung.“ Frau L. ist beispielsweise momentan in Aus- und Weiterbildung: „Da wird nicht Rücksicht darauf genommen, ob das Kind Schulferien hat oder ob man eine Alleinerziehende ist. Da wird einfach vorausgesetzt, dass man für das Kind eine Betreuung hat.“

 

Mit der Arbeit der diözesanen „Kontaktstelle für Alleinerziehende“ ist sie „mehr als zufrieden“. „Ich merke jetzt, wie mir das alles abgeht“, sagt Frau L.: „Jetzt kann ich meinen Sohn ja schon ein bisschen allein lassen.“ Sie denkt sogar daran, sich „als Freiwillige zur Verfügung zu stellen“: „Wenn ich die Zeit habe, weil ich weiß, wie hilfreich diese Einrichtung ist.“

 

Beratung und Information

„Wir sind eine Beratungs- und Informationsanlaufstelle für alle Themen, die Alleinerziehende beschäftigen“, sagt Eva Maria Nadler, die Leiterin der „Kontaktstelle für Alleinerziehende“: „Einerseits in Form von Einzelberatungsgesprächen, andererseits haben wir ein breites Gruppenprogramm, Kontakttreffen, auch eine geschlossene Gruppe nach Trennung und Scheidung und speziell unser Freiwilligen-Projekt, das gerade Alleinerziehende in ihrer Not unterstützt.“

 

Bei der Einzelberatung wenden sich die Betroffenen an die Kontaktstelle in allen Situationen vor einer Scheidung oder Trennung, wenn sie davon erfahren, dass es dazu kommen wird, oft aber auch während des Trennungsprozesses oder auch danach, wenn sie dann ganz konkret alleinerziehend sind.

 

„Das ist eine breite Themenpalette, angefangen von finanziellen oder wirtschaftlichen Problemen über psychische Belastungssituationen bis hin zu Erziehungsproblemen mit den Kindern. Da können sich die Leute telefonisch oder via E-Mail an uns wenden bzw. wir laden zu persönlichen Gesprächen ein und begleiten diese Menschen“, sagt Nadler.

 

Vernetzung ist wichtig

Der zweite Arbeitsschwerpunkt sind Vernetzungstreffen, etwa der Sonntags-Brunch für Alleinerziehende, oder die Samstag-Treffen, „wo wir zu bestimmten Themen Referenten einladen und oft gemeinsame Workshops machen mit den Kindern“, betont Nadler: Im Frühling gibt es eine Exkursion ins Grüne, im Sommer einen Ausflug für Alleinerziehende.“

 

Die „Kontaktstelle“ als Beratungsstelle gibt es seit rund 25 Jahren, davor wurden die Interessen der Alleinerziehenden im Rahmen der Katholischen Frauenbewegung vertreten.

 

Das erste Treffen für Alleinerziehende fand im November 1979 statt, damals wurden auch die monatlichen Samstag-Treffen ins Leben gerufen, „weil die Nachfrage so groß war“, weiß Nadler: „Diese Treffen gibt es bis heute.“

 

Seit fünf Jahren läuft das Freiwilligen-Projekt „Familienboot“, bei dem engagierte Pensionistinnen als Babysitterinnen oder Leihomas kostenlos arbeiten. „Eine ganz wertvolle Ressource für unsere Alleinerzieherinnen“, unterstreicht Nadler. Auch gegenwärtig werden solche engagierten Pensionistinnen gesucht.

 

Mit der Pfarre Alt-Erlaa (Dekanat Wien 23) hat sich insofern eine Zusammenarbeit ergeben, als dort eine sehr aktive Frauen-Gruppe seit fast einem Jahr Spenden für diese Arbeit der „Kontaktstelle“ sammelt.

 

Mit diesen Spendengeldern werden Gutscheine für Freizeit-Aktivitäten angekauft, damit diese freiwilligen Omas mit „ihren“ Kindern auch einmal im Monat etwas besuchen können, etwa ein Schwimmbad oder ein Museum oder ein Kindertheater. „Man kann nicht erwarten, dass sie, wenn sie schon ehrenamtlich arbeiten, auch noch Eintritte bezahlen sollen“, sagt Nadler.

 

Freiwillige helfen

Begonnen hat das Projekt vor fünf Jahren mit fünf Freiwilligen, in Spitzenzeiten halfen bis zu zehn Freiwillige, die zehn Alleinerziehende betreuten. Die Alleinerziehenden haben mit großen wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen, angefangen vom Kindesunterhalt. Auch die Wohnungspreise in Wien sind für Alleinerziehende fast nicht erschwinglich.

 

Nadler: „Viele Alleinerziehende leiden auch unter sozialer Isolation, unter der noch immer vorhandenen gesellschaftlichen Minderbewertung, etwa durch die Rede, dass sie keine vollwertige Familie sind.“

 

Die „Kontaktstelle für Alleinerziehende“ habe innerkirchlich den Stellenwert, den sie verdient. Nadler: „Ich fühle mich sehr gut unterstützt in der Arbeit, wir werden ernst- und wahrgenommen. Und trotzdem würde ich mir manchmal bei manchen Projekten gerne noch mehr Aufmerksamkeit wünschen.“

 

Info: www.alleinerziehende.at