Zusammen mit 50.000 Gläubigen hat Papst Franziskus auf dem Petersplatz in Rom einen Festgottesdienst zum "Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit" am 8. April 2018 gefeiert. In seiner Predigt beklagte der Papst eine Unfähigkeit, sich vergeben zu lassen. Viele Menschen seien versucht, sich hinter verschlossenen Türen zu verschanzen, sagte er. Scham über eigenes Fehlverhalten sei bereits der erste Schritt zu einer befreienden Begegnung. "Es bedeutet, dass wir das Böse nicht annehmen", so der Papst. Das "Drama" sei, wenn man sich für nichts mehr schäme.
Franziskus nannte Schamgefühl eine "versteckte Einladung der Seele" zur Vergebung. Dabei warnte er vor Resignation und vor Unversöhnlichkeit sich selbst gegenüber. Der Schmerz über die immer gleichen Sünden dürfe nicht dazu führen, auf die Barmherzigkeit Gottes zu verzichten. "Es ist ein wohltuender Schmerz, der uns allmählich von der Sünde trennt", so der Papst. Die Kraft des Lebens liege darin, Vergebung zu empfangen "und weiter zu gehen, von Vergebung zu Vergebung".
Sich selbst nicht verzeihen zu wollen, nannte Franziskus eine "Panzertür". Auch diese sei allerdings für Gott nicht unüberwindlich. Gott liebe es, "bei verschlossenen Türen einzutreten", um dort Wunder zu wirken. "Wenn wir beichten, geschieht das Unerhörte: Wir entdecken, dass gerade diese Sünde, die uns vom Herrn fernhielt, zum Ort der Begegnung mit ihm wird", sagte der Papst. Barmherzigkeit sei nicht eine Eigenschaft Gottes unter anderen, sondern "sein Herzschlag selbst".
Die katholische Kirche feiert den ersten Sonntag nach Ostern, der traditionell auch "Weißer Sonntag" genannt wird, als "Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit". Johannes Paul II. (1978-2005) hatte diese Widmung im Jahr 2000 eingeführt.
An dem Gottesdienst auf dem Petersplatz nahmen laut Vatikanangaben auch rund 550 "Missionare der Barmherzigkeit" aus aller Welt teil, die Papst Franziskus anlässlich des Heiligen Jahrs 2016 berufen hatte. Dabei handelt es sich um Priester, die vom Papst besondere Vollmachten zur Sündenvergebung erhielten.
Beim anschließenden Mittagsgebet mit den Zehntausenden Gläubigen warb Franziskus anlässlich des Internationalen Tags der Roma und Sinti für eine Kultur der Begegnung. Guter Wille zum Kennenlernen und gegenseitigen Respekt seien der Weg zu echter Integration, sagte der Papst. Dabei wandte er sich auch direkt an Angehörige dieser Bevölkerungsgruppen und wünschte ihnen "Frieden und Brüderlichkeit". Wörtlich sagte Franziskus: "Liebe Roma und Sinti, betet für mich, und beten wir gemeinsam für eure geflüchteten syrischen Brüder und Schwestern."
Zu den Betroffenen des syrischen Bürgerkriegs gehören auch die Dom, eine vermutlich mit den Roma verwandte Minderheit. Der seit 1990 begangene Internationale Tag der Roma macht jährlich am 8. April auf Diskriminierung der Roma und Sinti aufmerksam.