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06.04.2018

Katholische Frauenbewegung: Mehr Rechte für Kleinbauern

kfbö fordert Einsatz der Bundesregierung für seit langem verhandelte UN-Deklaration.

Die Katholische Frauenbewegung Österreichs (kfbö) hat einen dringenden Appell an die österreichische Bundesregierung gerichtet, sich für die Annahme einer Deklaration des UN-Menschenrechtsrates über die Rechte von Kleinbauern und anderer in ländlichen Regionen arbeitenden Menschen einzusetzen.

 

Die Erklärung verfolgt das Ziel, deren Rechte etwa auf Land, Ernährungssouveränität oder Saatgut festzuschreiben und damit bisherige Lücken bei den verbrieften Menschenrechten zu schließen. Vor allem der weiblichen Landbevölkerung käme dies zugute, wies Eva Oberhauser, stellvertretende kfbö-Vorsitzende und verantwortlich für die entwicklungspolitische "Aktion Familienfasttag" am Freitag, 6. April 2018 hin: "Hunger und vielfältige Diskriminierungen treffen vor allem Frauen und Mädchen."

Bereits seit 2012 tagt die vom UN-Menschenrechtsrat eingesetzte internationale Arbeitsgruppe zur Abfassung einer Deklaration über Kleinbauernrechte, erinnerte die kfbö in ihrer Aussendung am Freitag. Bei der kommenden Sitzung von 9. bis 13. April in Genf soll ein überarbeiteter Entwurf vorgestellt werden, der die bisherige Skepsis einiger EU-Mitgliedsstaaten überwinden solle, so die EZA-Expertin bei der "Aktion Familienfasttag", Miriam Kienesberger. Im Rahmen des bevorstehenden EU-Ratsvorsitzes habe Österreich Verantwortung und auch Chancen, "für eine einheitlich positive Linie und somit die Verabschiedung der Deklaration wirksam zu werden".

 

Erster Anstoß kam von Betroffenen

Der erste Anstoß zur Entwicklung einer UN-Deklaration kam von den Betroffenen selbst, erinnerte die kfbö: Bereits 2002 hatte die internationale Bewegung "La Via Campesina" einen ersten Entwurf vorgelegt, unterstützt wurde sie dabei von der Menschenrechtsorganisation "FIAN", die sich für das Recht auf Nahrung für alle Menschen einsetzt. In den EU-Staaten engagiert sich ein breites Bündnis von zivilgesellschaftlichen Organisationen für die Anliegen von "La Via Campesina" und FIAN, darunter die Katholische Frauenbewegung.

Rund 80 Prozent der weltweit Hungernden leben laut UN-Daten am Land; Kleinbauern bilden dabei mit 50 Prozent die größte Gruppe, 20 Prozent sind Landlose, 10 Prozent Fischer, Jäger und Hirten. 60 bis 70 Prozent der Hungernden sind Frauen und Mädchen: "Ausgerechnet jene Menschen, die Lebensmittel produzieren - und in erster Linie sind das Frauen -, leiden am meisten Hunger", wies Kienesberger hin. Gründe dafür seien vielfach Diskriminierungen, etwa der verweigerte Zugang zu Land in patriarchal geprägten Gesellschaften, ein Missstand, der durch Landraub seitens internationaler Agrarkonzerne noch verstärkt werde. Benachteiligungen gebe es auch durch Geschlechterrollenfixierung und benachteiligende Gesetze, fehlende soziale Absicherung, mangelnde politische Vertretung von Kleinbäuerinnen oder zunehmende Lebensmittelspekulation. "Auch am Zugang zu Saatgut und der Kontrolle darüber, mit welchem Saatgut man arbeitet, fehlt es oft", erklärte Kienesberger.

 

In Nicaragua, einem der ärmsten Länder der Welt, das gleichzeitig stark vom Machismo geprägt ist, kooperiert die "Aktion Familienfasttag" seit Jahren mit der "Fundacion entre Mujeres" (FEM). Diese 1994 im ländlichen Raum gegründete Gruppe von Bäuerinnen ermöglicht ihren Mitgliedern Zugang zu materiellen Ressourcen und Produktionsmitteln: "Die Frauen von FEM wirtschaften mit ihrem eigenen Saatgut, betreiben biologische Landwirtschaft, arbeiten nach den Prinzipien der solidarischen Ökonomie in Kooperativen für den Eigenbedarf, für den lokalen, nationalen und auch internationalen Markt", teilte die EZA-Expertin mit. Selbstverwaltung und auch politische Vertretung nach außen würden gestärkt, die Frauen damit zu Akteurinnen eines neuen sozialen Entwicklungsmodells auf der Basis von Gleichberechtigung und sorgsamem Umgang mit den natürlichen Ressourcen.


"Was bei FEM modellhaft und mit Unterstützung kirchlicher bzw. zivilgesellschaftlicher Partnerinnen umgesetzt wird, kann durch eine dezidierte Deklaration von Kleinbauernrechten auf eine rechtlich verbindliche Basis gestellt werden", hofft Kienesberger auf einen Durchbruch. In weiten Teilen der Erde würde so insbesondere dem Hunger von Frauen und Mädchen nachhaltig entgegengewirkt.